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      Wildtiere im Wald: Hirsche sind eher selten in Straßenunfälle verwickelt. (Quelle: Fotolia/arturas kerdokas)

      Wildunfälle 10. November 2015

      Interview mit einem Hirsch

      Text: Andreas Klein
      Foto: Fotolia/arturas kerdokas
      Jedes Jahr die gleiche Meldung: Kaputte Autos, Verletzte, sogar Tote. Gerade im Herbst häufen sich Wildunfälle. Wir haben einen der Beteiligten zum Interview gebeten: den Hirsch.

      Hand ans Geweih, sind Sie oder ihre Freunde schon einmal in einen Unfall verwickelt gewesen?

      Der Hirsch: (Sein Geweih ragt hoch empor. Geradezu majestätisch steht er auf einer Lichtung mitten im Wald und genießt die letzten Sonnenstrahlen im Herbst. Langsam wendet er sich mir zu.) Das passiert ständig. Unter meinen Freunden und Verwandten sind viele, die schon einmal eine Begegnung mit einer eurer Blechkisten hatten. Onkel Elm (alle Namen von der Redaktion geändert) hat das nicht überlebt. Die kleine Ursel humpelt heute noch.

      Ich hatte auch einmal eine derartige Begegnung. Mitten in der Nacht. Ich war auf der Suche nach einem kleinen Mitternachtssnack. Da sehe ich ein leckeres Büschel Gras auf der anderen Seite der Straße, völlig unberührt. Frohen Mutes gehe ich in die Richtung und höre schon ein gewaltiges Hupen links von mir. Einer dieser riesigen Laster kam da die Straße entlang. Vor Schreck konnte ich mich nicht mehr bewegen – ich stand da wie vom Blitz getroffen. Kein Gedanke an Weglaufen. Dann blendet er auf, alle Lichter an. Wissen sie eigentlich, wie hell das sein kann? Dann blendet er wieder ab und macht alle Lichter aus. Das hat mich nur noch mehr verwirrt. Und der Laster kommt immer näher und näher.

      Dieses Schild signalisiert: Fuß vom Gas, beide Straßenseiten im Auge behalten.

      Foto: Fotolia/in-foto-backgrounds

      Vorsicht Wildwechsel! Dieses Schild signalisiert: Fuß vom Gas, beide Straßenseiten im Auge behalten. (Quelle: Fotolia/in-foto-backgrounds)

      Was hat Sie dann letztendlich gerettet?

      Gute Frage. Wahrscheinlich ist der LKW einfach nicht allzu schnell gefahren. (Er hat einen Büschel Gras gefunden, senkt sein Haupt, rupft es aus, kaut langsam, blickt mich dann wieder fest an) Er kam kurz vor mir zum Stehen. Ich konnte sogar den Menschen am Lenkrad sehen. Der war genauso erschrocken wie ich. Hätte ich gekonnt, hätte ich ihm „Danke“ gesagt. Ich habe gehört, dass ihr Menschen Bilder von uns auf Schildern an den Straßenrändern aufhängt, wenn ihr wisst, wo wir uns so rumtreiben. Das finde ich sehr nett. Meinesgleichen kann ja keine Schilder lesen, sorry dafür.

      Aber es ist doch klar, dass auf der Straße Autos fahren, die euch gefährlich werden?

      Nun ja. Oft führen diese Straßen ja mitten durch das, was bei euch Wohnzimmer heißt. Wir sehen sie, sehen sie aber nicht als Gefahr. Sie sind ja Teil unseres Waldes. (Kann das sein? Er blickt mich jetzt etwas vorwurfsvoll an.) Und wir wohnen hier nun Mal. Wenn dann ein nettes Weibchen oder eben ein hübsches Männchen auf der anderen Straßenseite steht, ist das ja immer noch Mitten in meinem Wald. Dann kann ich nun Mal nicht anders und muss da hin. Wer denkt denn da noch an Autos? Und rums ist es passiert. Wenn es dumm läuft, trifft es dann nicht nur mich, sondern auch noch die beiden Personen, die im Auto sitzen. Ich persönlich wiege knapp 300 Kilo. Sie können sich nicht vorstellen, was für einen enormen Knall das macht, wenn ein Auto auch nur mit 50 Sachen auf mich trifft und ich durch die Windschutzscheibe geflogen komme. Das ist nicht witzig. Das kann tödlich für alle Beteiligten sein.

      Ein Wildunfall kann für alle Beteiligten tödlich enden.

      Foto: fotolia/hykoe

      Ein Wildunfall kann für alle Beteiligten tödlich enden. (Quelle: fotolia/hykoe)

      Tausende Menschen verletzt, einige starben sogar bei einer Kollision mit einem Wildtier. Über 247.000 Wildunfälle gab es 2013. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wir sollten es besser wissen. Was empfehlen Sie? Abblenden? Fernlicht an? Eine Mischung aus beidem?

      Wenn sich Hirsch und Auto auf der Straße begegnen und das Auto zu schnell fährt, ist es eigentlich schon zu spät. (schnaubt) Wir haben keine Erfahrung mit so etwas. Knackt ein Ast, laufen wir davon (ein mächtiger Muskel in seinem Hinterlauf zuckt, der bloße Gedanke scheint schon einen Fluchtreflex auszulösen), knallt im Wald ein Schuss, laufen wir davon. Die Richtung ist erst einmal egal. Doch bei einem Auto auf der Straße versagt unser Instinkt. Deshalb bleiben wir erst einmal stehen. Hupen, Bremsen, Licht. Es ist nicht sicher, was das in uns auslöst. Weiterlaufen, stehen bleiben, oder aber in Richtung Licht rennen? So schnell kann ich das nicht entscheiden.

      Ihr Tipp?

      (schnaubt abermals) Ich weiß, das klingt langweilig, aber passt einfach eure Geschwindigkeit an, besonders wenn ihr unsere Schilder seht. Das ist das Einzige, was wirklich hilft. Warum nicht die Fahrt durch die schönen Wälder einfach genießen, statt viel zu schnell durchzubrausen und einen Unfall zu riskieren?

      Dieser Text erschien zuerst auf allianz.com.

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