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       (Quelle: fotolia/vege)

      23. Februar 2016

      Wie arbeiten wir in der Welt von übermorgen?

      Text: Allianz Deutschland AG
      Foto: fotolia/vege
      Datenbrillen statt Computer? Mobiles Arbeiten auf Mallorca? Dr. Volker Deville, Organisator des Berliner Demografie Forums (BDF) und Leiter Zukunftsthemen bei der Allianz Deutschland blickt im Interview auf die Arbeitswelt von Übermorgen.

      Herr Deville, Sie beschäftigen sich bei der Allianz Deutschland in einem eigenen Fachbereich mit Zukunftsthemen. Worum genau geht es da?

      Wir haben zwei Schwerpunkte: Zunächst ist es für die verschiedensten Fragestellungen im Unternehmen immer hilfreich, wenn man neben einer kurzfristigen Perspektive auch eine Idee hat, welche Herausforderungen sich in zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren stellen können. Ich denke dabei an Fragen der Gesellschaftspolitik, der Demografie oder der fortschreitenden Digitalisierung. Vor dem Hintergrund von Zukunftsszenarien lässt sich die eigene Unternehmensstrategie besser beurteilen. Gleichzeitig arbeiten wir parallel dazu auch ganz konkret an Fragestellungen zu Arbeitswelten der Zukunft. Die Szenarien, wie sich die Welt insgesamt entwickeln wird, sind hierfür unverzichtbar.

      Was verstehen Sie unter "Arbeitswelten der Zukunft"?

      Es geht uns in erster Linie darum zu erforschen, wie die Allianz als Arbeitgeber unsere Arbeitswelt weiterentwickeln kann oder gar muss. Stellen Sie sich vor, dass es eines Tages vielleicht 70-jährige Kollegen gibt, die von Mallorca aus mit dem Tablet die Schadenbearbeitung für die Allianz machen. Das birgt für ein Unternehmen ganz neue Herausforderungen, sei es bei Vereinbarungen mit dem Betriebsrat, bei der internen Organisation oder bei Mitarbeiterschulungen. Solche Modelle hätten nicht nur für die einzelnen Mitarbeiter Folgen, sondern auch auf virtuelle Führungsmodelle und auf unsere Raumplanung.

      Dr. Volker Deville leitet den Fachbereich Zukunftsthemen der Allianz Deutschland AG.

      Foto: Allianz

      Dr. Volker Deville leitet den Fachbereich Zukunftsthemen der Allianz Deutschland AG. (Quelle: Allianz )

      Mit dem Beispiel aus Mallorca schauen Sie vermutlich in eine noch weit entfernte Zukunft. Kürzlich wurde die Rente mit 63 als Gesetz beschlossen und sie sprechen von 70-jährigen Allianz Mitarbeitern. Wie passt das zusammen?

      In der Tat klingt das nach einem Widerspruch. Aber die Rente mit 63 war das falsche Signal an die Menschen. Wenn wir inzwischen zehn Jahre länger leben als noch vor 50 Jahren, und das auch mit besserer Gesundheit, dann macht ein früheres Rentenalter wirklich keinen Sinn. Selbst die Rente mit 67 wird nicht ausreichen.

      Ist Zukunftsforschung nicht so etwas wie ein Blick in die Glaskugel? Wie gehen Sie denn methodisch vor?

      In einem ersten Schritt haben wir acht Themenfelder definiert, zum Beispiel Demografie, Arbeit, Technologie oder Politik. Dazu sammeln wir viele Einzelbeobachtungen und Voraussagen, die für den definierten Zeitraum relevant sind. Diese Beobachtungspunkte werden dann von vielen Experten in Workshops validiert und ergänzt, woraus schließlich Trends und Szenarien abgeleitet werden.

      Das hört sich alles ziemlich theoretisch an?

      Wichtig ist, dass wir Experten aus dem Unternehmen einbeziehen, mit denen wir die Ergebnisse diskutieren und die ihre Schlüsse für unser Geschäft daraus ziehen.

      Wie sieht denn Ihr Szenario aus für die Arbeitswelt der Zukunft in der Allianz aus? Haben wir noch Computer oder alle Google-Glasses?

      Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir ohne die großen Computer arbeiten werden. Vorstellen kann ich mir neben den bereits existierenden Brillen etwa auch Kontaktlinsen, mit denen uns Informationen eingespielt werden, oder Touchscreens an unterschiedlichsten Orten. Fest steht, dass wir uns künftig vor allem mit Informationen beschäftigen werden. Die Gesamtheit der Digitalisierung wird uns noch viel, viel mehr durchdringen als wir uns das heute vorstellen können - in allen Bereichen des Lebens. Auch die Arbeitszeitgestaltung dürfte flexibler werden.

      Wie viele Jahre lässt sich denn überhaupt einigermaßen gesichert in die Zukunft blicken?

      Das hängt immer von dem Bereich ab, den ich betrachte. Demografische Prognosen beispielsweise sind langfristig; auf dem Technologiesektor hingegen ist schon in den nächsten fünf oder zehn Jahren einiges zu erwarten. Zum Beispiel könnten wir schon bald mit dem Rollator die Rampe zum selbstfahrenden Auto hinauffahren, das uns zum Seniorenclub bringen wird - oder zum Arzt.

      Und was ist in dreißig Jahren oder noch später zu erwarten?

      Für die Technologie insgesamt oder konkrete Felder wie die Biotechnologie oder auch die Klimaentwicklung wird es schwierig, für den Zeitraum nach 2040 verlässlich etwas zu sagen. In Bereichen wie der Demografie lassen sich hingegen für die nächsten fünfzig Jahre relativ gesichert Vorhersagen treffen. Wir wissen bereits, was da auf uns zukommt. Was wir in der Allianz noch gerne vorhersagen würden, sind die langfristigen Entwicklungen an den Finanzmärkten. Aber das ist selbst für unsere zuständigen Volkswirte bei der Allianz eine wirkliche Herausforderung.