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      Fintech sind Finanzdienstleistungen, die mittels moderner Technologien funktionieren. (Quelle: Fotolia/ iconimage)

      25. April 2016

      Nachgefragt: Was sind eigentlich FinTechs?

      Text: Heike Siegl / Marion Zauner
      Foto: Fotolia/ iconimage
      550 Finanzdienstleistungs-Startups, sogenannte FinTechs oder InsurTechs, wurden allein in den vergangenen 18 Monaten gegründet. Bernd Scharrer, Geschäftsführer des Allianz Digital Accelerators, analysiert die wichtigsten Mitspieler und zeigt Herausforderungen und Risiken.

      FinTech ist die Abkürzung für alle Finanzdienstleistungen, die mittels moderner Technologien funktionieren. Um eine Abgrenzung zwischen Bank- und Versicherungsdienstleistungen einzuführen, spricht man bei letzteren von InsurTechs. Insur ist die Abkürzung für insurance, den englischen Begriff für Versicherung. Noch haben die wenigsten FinTechs selbst eine Bank- oder Versicherungslizenz. Sie finanzieren sich über das Kapital von Investoren und aus ihrer Kooperation mit Banken, Versicherungen oder sonstigen Finanzdienstleistern.

      Welche Geschäftsmodelle gibt es im Versicherungsbereich?

      Viele. Einige InsurTechs konzentrieren sich darauf, Kunden maßgeschneiderte Versicherungen für einzelne Dienstleistungen und Produkte anzubieten, also beispielsweise für eine Urlaubsreise oder ein Smartphone. Der Kunde versichert nur das, was ihm wirklich wichtig ist. Andere InsurTechs konzentrieren sich auf die Optimierung von bestehenden Versicherungsverträgen. Im Gegensatz zu klassischen Vergleichsportalen, wo der Kunde selbst aktiv suchen muss, bieten diese Apps die individuelle Verwaltung und Optimierung von Versicherungsverträgen an. Oft ist den Kunden dabei allerdings nicht bewusst, dass sie dem InsurTech mit einer Unterschrift auf dem Smartphone die Maklerlizenz über all ihre Versicherungsverträge übertragen. Damit ist eine Betreuung durch den bisherigen Vermittler nicht mehr möglich.
      Andere FinTechs wiederum fassen verschiedene Kunden zu Gruppen zusammen, um für diese dann günstigere Konditionen anzubieten. Je geringer die Schadensmeldungen in der Gruppe, desto höher der Bonus für die Mitglieder.

      Was sind die Stärken der FinTechs?

      "Trotz aller Investitionen von Risikokapitalgebern: Geld ist bei fast allen Startups knapp. Sie müssen sich also auf das Wesentliche konzentrieren", sagt Bernd Scharrer. Es werden bei Apps deshalb nur die Funktionalitäten programmiert, die der Kunde definitiv haben möchte. Neue Produkte seien auch deshalb deutlich schneller marktreif. "Weitere Stärken sind die Fehlerkultur, die ausnahmslose Kundenorientierung in der Produktentwicklung und die ausgeprägte Kundennähe. Alle, vom CEO bis zu jedem einzelnen Mitarbeiter, haben den Vertrieb im Blick."

      Kritik an FinTechs

      Während das klassische Banken- und Versicherungsgeschäft sehr stark reguliert ist, fehlt es an ähnlichen Vorgaben für die digitalen Angebote. Da diese nicht unter klassische Definitionen fallen, brauchen die Startups meiste keine Bank- oder Versicherungslizenz, und müssen deshalb auch nicht die damit verbundenen Eigenkapitalvorschriften erfüllen. Bei Crowdlending-Plattformen bedeutet dies, dass das Verlustrisiko komplett beim Kunden liegt. Die unterschiedlichen Spielregeln zeigen sich aber auch in der Kommunikation mit und für den Kunden. In Asien ist es bereits möglich über Instant-Messaging-Dienste wie Whatsapp Geld zu überweisen. Versicherer können in Deutschland über diesen Weg aber nicht einmal rechtssicher mit ihren Kunden kommunizieren.

      Was hat die Allianz FinTechs voraus?

      "Vor allem hilft uns die Marke Allianz und die damit verbundenen Attribute Vertrauen, Sicherheit und Beständigkeit. Diese Werte können Startups im Versicherungsbereich nur schwer vermitteln. Einer der wichtigsten Marktvorteile der Allianz sind deshalb die vielen hervorragenden Mitarbeitern mit sehr tiefem Versicherungswissen. Wir müssen diese Experten nicht erst am Markt rekrutieren. Wir müssen ihnen aber die Möglichkeit geben, sich in neuen Geschäftsfeldern zu entwickeln."

      Wie reagiert die Allianz auf den Wettbewerb der FinTechs?

      Die Allianz setzt an unterschiedlichen Stellen beim Thema Digitalisierung an. Es ist wichtig, alle Aktivitäten und Projekte der Gruppe zu bündeln, damit die Allianz einer gemeinsamen Linie folgt. Deshalb wurde zu Beginn des Jahres die Funktion des Chief Digital Officers (CDO) bei der Allianz SE eingerichtet und mit Solmaz Altin besetzt. Sein Team und er sind die Katalysatoren der digitalen Transformation der Allianz. Die Erneuerungsagenda der Allianz Deutschland stellt die Kundenorientierung, die interne Zusammenarbeit und die digitale Weiterentwicklung in den Mittelpunkt des Handelns. Damit gibt sie die richtige Antwort auf die Herausforderungen durch FinTechs.

      Beispiele für erfolgreiche Initiativen in der Allianz Deutschland gibt es schon viele. Kunden können ihre Verträge auf MeineAllianz verwalten, Policen auf allianz.de berechnen und zum Beispiel die Rechnungs-App nutzen, um die entsprechenden Belege einzureichen. Derzeit arbeitet ein interdisziplinäres Team innerhalb der Allianz daran, eine übergreifende App zu bauen, um einen zentralen Touchpoint mit relevanten Informationen auf dem Smartphone des Kunden zu schaffen. Ziel ist es, dass diese App für den Kunden einen so hohen Mehrwert hat, dass er die App auch dauerhaft auf seinem Smartphone belässt.

      "Zudem sollten wir das schnelle Lernen aus Fehlern imitieren, was erfolgreiche Startup auszeichnet", sagt Experte Scharrer. Seiner Ansicht nach ist auch ein stärkeres Zusammenarbeiten innerhalb der Gruppe unerlässlich, sowohl wenn es darum geht, von anderen Organisationseinheiten zu lernen als auch, wenn es darum geht, über Ländergrenzen hinweg an Innovationen zu arbeiten.