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    • Von Stanzmaschine durchbohrt: Leben nach dem Arbeitsunfall
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      Mit Vollgas zurück ins Leben: Dank großartiger Unterstützung nach dem Arbeitsunfall sitzt Werner Gmeinder wieder fest im Sattel. (Quelle: Florian Wagner)

      Arbeitsunfall 18. März 2015

      Weg zurück ins Leben

      Text: Mareike Lenhardt
      Foto: Florian Wagner
      Bei einem Arbeitsunfall verliert der Allianz Kunde Werner Gmeinder um ein Haar sein Leben. Es grenzt an ein Wunder, dass er heute sogar wieder Fahrrad fährt. Viele Menschen, auch die Agentur vor Ort, sind für den Allgäuer die Extrameile gegangen.

      300 bis 400 Brüche. Werner Gmeinder kann es gar nicht so genau beziffern, wie viele seiner Knochen zersplittert waren. Nur in Händen und Unterarmen. Alle innerhalb von einer Sekunde. Ob 300 oder 400. Jeder, der schon mal eine Fraktur erlebt hat, weiß, wie schmerzhaft und langwierig so etwas sein kann: Aber 300 bis 400? Wer kann das aushalten?

      Dem 47–jährigen Werner Gmeinder sieht man den schweren Arbeitsunfall, den er vor drei Jahren hatte, auf den ersten Blick nicht an. Im Gespräch schaut er dem Gegenüber direkt in die Augen, hört zu, lacht gern und herzlich. Gmeinder ist ein Familienmensch, für den seine Frau und die beiden Kinder alles sind. Als echter Allgäuer kennt er jede Hütte und die Menschen dazu. Mit dem Rad fährt er, sooft er Zeit hat, in die Natur. Die Hausberge in unmittelbarer Nähe sind seine Strecke. Es sei ein Geschenk, hier leben zu dürfen, sagt Gmeinder oft. "Der Werner ist unser Sonnenschein. Immer so positiv", beschreibt ihn Gabriele van Overbeek, Kundenberaterin bei der Allianz Agentur Walk in Nesselwang. Und sie kennt ihren Kunden inzwischen gut.

      Im Allianz Trikot von Nesselwang nach Kassel: (v. l. n. r.) Das Allianz-Team um Gabriele van Overbeek, Wilhelm Walk, Michaela Eck sowie Autorin Mareike Lehnhardt drücken Werner Gmeinder die Daumen, Juniorchef Christian Walk tritt selbst in die Pedale.

      Foto: Florian Wagner

      Im Allianz Trikot von Nesselwang nach Kassel: (v. l. n. r.) Kundenberaterin Gabriele van Overbeek, Generalvertreter Wilhelm Walk, Sachbearbeiterin Michaela Eck und Autorin Mareike Lehnhardt drücken Werner Gmeinder die Daumen, Juniorchef Christian Walk tritt mit seinem Kunden gemeinsam in die Pedale. (Quelle: Florian Wagner)

      Eine Stanzmaschine durchlöchert Gmeinders Arme

      Sonnenschein und Sportler – Glückspilz und Kämpfer wären ebenfalls passend. Fast hätte er beide Hände und Unterarme verloren, womöglich nicht überlebt. Werner Gmeinder arbeitet in einem Metall verarbeitenden Betrieb in Pfronten. Metallbänder zwischen 0,1 und 8 Millimeter Dicke laufen von großen Spulen in übermannshohe Maschinen. Mit bis zu 800 Tonnen Druck stanzen die Werkzeuge daraus vorwiegend Wärmetauscher oder Kühlerteile für die Automobilindustrie. Am Tag des Unfalls, dem 30. Juli 2011, ist Werner Gmeinder als Schichtführer im Einsatz. Maschine Nr. 2 ist dafür eingerichtet, Kühlerseitenteile aus einem 1,2 Millimeter dicken Aluband auszustanzen. Der ganze Raum vibriert, bei dem Höllenlärm trägt der erfahrene Arbeiter einen Gehörschutz. Er riecht das Öl, mit dem das Metall vor dem Stanzvorgang behandelt wird, um es formbarer zu machen.

      Heute arbeitet Gmeinder wieder an der Maschine, die seine Arme dünn wie ein Blech gestanzt haben

      Foto: Florian Wagner

       Heute arbeitet Gmeinder wieder an der Maschine, die seine Arme dünn wie ein Blech gestanzt haben  (Quelle: Florian Wagner)

      60 Hub macht die Maschine pro Minute. Jede Sekunde wird das Werkzeug einmal mit 185 Tonnen Druck auf das Aluband gewuchtet. Jede Sekunde wird Metall verformt und durchlöchert. Doch irgendwas stimmt nicht mit Maschine Nr. 2 an diesem 30. Juli. Werner Gmeinder muss rein, hinter die Sicherheitstüren, die die Arbeiter vor einem unbedachten Kontakt mit dem Werkzeug schützt. Was dann passiert, kann er nur noch in Bruchstücken wiedergeben. Die Maschine – für die Wartungsarbeiten ausgeschaltet und ordnungsgemäß gekennzeichnet – beginnt wieder zu arbeiten. Wo sie sonst Blech durchlöchert, befinden sich seine Unterarme. Der Maschine ist das egal.

      Glück und Kämpferwillen retten ihm das Leben

      Der 47-Jährige schafft es schwer verletzt zum Ausgang aus der Werkshalle. Er nimmt noch wahr, dass sein Daumen platt und großflächig verformt ist. Als er wieder zu Bewusstsein kommt, liegt er in der Unfallklinik Murnau. Was dann beginnt, ist gleichermaßen die Geschichte einer medizinischen Meisterleistung wie die Geschichte eines Mannes, der den unbedingten Willen hat, wieder zurück ins Leben zu finden. Und die Geschichte von glücklichen Fügungen – oder vom Schicksal.

      Warum Maschine Nr. 2 wieder anlief, konnte bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Auch nicht, warum sie dieses eine Mal keine 60 Hub pro Minute machte. Fakt ist jedoch: Dass sie nur einmal die Wucht von 185 Tonnen freisetzte, war die erste Rettung von Werner Gmeinder. 59 weitere Stanzvorgänge hätte er mit großer Sicherheit nicht überlebt. Dass das Öl, das wie ein Film über das Blech läuft, nicht seinen Körper vergiftet hat, war die zweite Rettung. Rettung Nummer drei war, dass er direkt ins Unfallklinikum Murnau geflogen wurde. Die Sanitäter hatten geistesgegenwärtig erkannt, dass die lokalen Kliniken hier überfordert sein würden. Und die unglaubliche Rettung Nummer vier bestand darin, dass der einzige Mediziner, der den Ärzten in Murnau für den komplizierten Fall geeignet schien, seinen Urlaub gerade noch rechtzeitig abbrechen konnte und wollte.

      Professor Andreas Giessler saß gerade im Flugzeug am Rollfeld – bereit zum Abheben. Sein Mobiltelefon hatte er noch an, als der Anruf aus der oberbayerischen Unfallklinik bei ihm einging. Giessler überlegte keine Sekunde. Statt in die Ferien ging es für ihn zurück nach Murnau, um die Hände und Arme von Werner Gmeinder zu retten.

      Die plattgedrückten Arme werden schmerzhaft wieder "aufgeblasen"

      "Die Narbe hier am linken Oberschenkel stammt von der Hautabtragung für den rechten Unterarm – Spalthaut nennt man das." Werner Gmeinder erklärt gelassen und sachlich, was die Ärzte in unzähligen Operationen – er kann sich an 13 erinnern – geleistet haben. Vom rechten Oberschenkel wurden Muskel und Haut für den linken Unterarm verwendet, ein großes Stück aus einem Rückenmuskel bildet nun einen Teil seines rechten Arms. Eine Geschichte für sich ist der rechte Daumen: Die Chirurgen bilden ihn aus einem Stück Beckenknochen nach.

      Von Gmeinders monatelangen Qualen zeugt heute nur noch eine Narbe am Arm.

      Foto: Florian Wagner

      Von Gmeinders monatelangen Qualen zeugt heute nur noch eine Narbe am Arm. (Quelle: Florian Wagner)

      "Das war eine der letzten Operationen. Ich hatte lange einen Fixateur zur Stabilisierung und danach null Beweglichkeit. Der Daumen stand einfach nur ab, war unbrauchbar." Werner Gmeinder, der bis dahin nie den Mut verloren hat, ist am Ende. Der berühmte Tropfen, der das aufnahmefähige Fass nun doch zum Überlaufen bringt. Nicht mal die unzähligen "Tauchvorgänge", wie er es nennt, haben ihn so mitgenommen. Tauchen gehen – klingt nach Abenteuer, ist aber in diesem Fall Schinderei der übelsten Art. Dem Allgäuer werden dabei in einer Unterdruckkammer die platt gedrückten Gliedmaßen wieder "aufgeblasen": quasi von 2–D auf 3–D. Gmeinder: "Mir wurde gesagt, du wirst dir dabei die Seele aus dem Leib kotzen. Je mehr, desto besser wirkt die Prozedur."

      Die allseitige Unterstützung hilft Gmeinder aus der Krise

      Stück für Stück tastet sich der Allgäuer zurück, kämpft nicht nur mit der Verletzung. Im Krankenhaus fühlt er sich eingesperrt. Er spürt, dass er sein Zuhause braucht. Dass er dort die nötige Kraft tanken kann. Meist setzt er sich gegen die Ärzte durch, ist hier und da unvernünftig. Dann geht er ohne ausdrückliche Erlaubnis. Vielleicht ist es gerade dieser Eigensinn und dieser enorme Wille, der seine Genesung voranbringt.

      "Ich hatte im Gegensatz zu einigen anderen Patienten den Vorteil, dass ich den Rücken freihatte."

      Joachim Baier, Geschäftsführer der Firma Klaus Baier, ist einer der ersten Besucher im Krankenhaus. "Mir war wichtig, dass Werner weiß, dass er auf jeden Fall weiter bei uns arbeiten kann. Etwas Umorganisieren mussten wir zwar, aber daran sollte es ja nicht scheitern", erklärt er. Etwas mehr administrative Arbeit, dadurch auch mehr Verantwortung, und etwas weniger Arbeit in der Maschinenhalle. Keine Sorge um den Job haben zu müssen hilft Gmeinder sehr. Er weiß seine Situation zu schätzen, berichtet von anderen Patienten: "Einem flatterte nach einer Hauttransplantation die Kündigung ins Haus. Danach begann eine heftige Abstoßungsreaktion, der Arm wurde amputiert. Ein anderer musste seine Wohnung verkaufen, weil die Versicherung nicht gezahlt hat."

      "Wir haben immer zu Werner gesagt, werde gesund, wir kümmern uns um den Rest." Gabriele van Overbeek von der Agentur Walk schaltet schnell, als sie von dem Unfall ihres Kunden erfährt, mit dem sie inzwischen per du ist. Gmeinder hat bei der Agentur Walk eine Unfallversicherung abgeschlossen. Die 56-jährige Kundenberaterin stellt augenblicklich eine Verbindung zu den Kollegen vom Innendienst in München her.

      Versicherer spielen sich die Bälle zu

      Van Overbeek: "Ich bin froh, dass Michaela Eck dort den Ernst der Lage gleich erkannt und den Fall bei sich behalten hat." In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten werden die beiden – Overbeek und Eck – zu einem eingespielten Team. Schnell und direkt spielen sie sich die Bälle zu. Van Overbeek besorgt dafür schnellstmöglich alle angeforderten Formulare und Bestätigungen von der Berufsgenossenschaft, vom Krankenhaus und von der Krankenkasse. Sie hält den Kontakt zu Werner Gmeinders Frau, legt für sie einen Ordner an, sodass zu jeder Zeit alle Daten und Aktenzeichen sofort parat sind. Bestätigungen, die es von der Berufsgenossenschaft gibt, werden auch für die Bearbeitung des Falls bei der Allianz verwendet. Zeitaufwendige Doppelbegutachtungen entfallen.

      Das Allianz-Duo Gabriele van Overbeek und Michaela Eck hielt Werner Gmeidner den Rücken frei.

      Foto: Florian Wagner

      Unfallversicherung, wie sie sein sollte: Das Allianz-Duo Gabriele van Overbeek und Michaela Eck hielt Werner Gmeidner den Rücken frei. (Quelle: Florian Wagner)

      Davon profitiert Innendienstmitarbeiterin Michaela Eck. Die 27–jährige Sachbearbeiterin aus der Fachberatung Unfall-Schaden kann alles Nötige rasch in die Wege leiten, damit Gmeinder die ihm zustehenden Leistungen erhält. Hat Eck Fragen, reicht ein Griff zum Telefon.

      Sachverhalt geklärt. Weiter im Fall. Die Verbindung München – Nesselwang funktioniert. Wie auf seinen Chef kann sich Werner Gmeinder auch auf das Allianz Duo Van Overbeek-Eck verlassen. Krankenhaustagegeld, Übergangsentschädigung, Leistungen zur dauernden Invalidität erhält er unverzüglich. Er weiß, dass die Ausbildung seiner ältesten Tochter nicht gefährdet ist, Haus und Existenz gesichert sind. Er kann seine Kraft ganz und gar für seinen Körper verwenden, für die Haut- und Knochentransplantationen, die Tauchgänge, die 300 bis 400 Brüche, die mit unzähligen Schrauben zusammengefügt werden – und für die Konfrontation mit der Maschine, denn er will wieder zurück in seinen Beruf.

      "Zum Jahrestag des Unfalls sitze ich wieder auf dem Rad"

      Mit seinem unbändigen Willen, seiner starken Physis, verlässlichen Partnern und einer Portion Glück hat es Werner Gmeinder geschafft. Sogar Fingernägel wachsen ihm wieder. Sein Ziel ist es aber nicht, "nur" gesund zu werden. Zum Jahrestag seines Arbeitsunfalls auf dem Rad zu sitzen und seinen Arzt in Murnau zu besuchen, dafür beißt er bei den Anwendungen, den Untersuchungen bei der Reha die Zähne zusammen. Gänge am Rad schalten, Bremsen bedienen. Das alles geht bis dahin wieder.

      Von Anfang an hatte der passionierte Sportler ein festes Ziel vor Augen: Zum Jahrestag seines Arbeitsunfalls wollte er wieder im Sattel sitzen.

      Foto: Florian Wagner

      Von Anfang an hatte der passionierte Sportler ein festes Ziel vor Augen: Zum Jahrestag seines Arbeitsunfalls wollte er wieder im Sattel sitzen. (Quelle: Florian Wagner)

      Er ist felsenfest überzeugt, behält Recht – und setzt sich weitere Ziele: "Zum Jahrestag des Unfalls sitze ich wieder auf dem Rad." Weil sein Arzt von damals inzwischen in Kassel praktiziert, geht es eben dort hin. Über 500 Kilometer, in maximal drei Tagen – gemeinsam mit Allianz Vertreter Christian Walk, im Allianz Trikot.

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