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      Die Londoner Tunnel sind so angelegt, dass mehrere Doppeldeckerbusse darin Platz hätten.  (Quelle: Julian Anderson)

      16. Februar 2016

      Warum die Allianz in Abwasser investiert

      Text: Alexander Runte
      Foto: Julian Anderson
      In Zeiten unverändert niedriger Zinsen investiert die Allianz für ihre Kunden in neue und lohnende Infrastrukturprojekte – etwa in den Ausbau der Kanalisation Londons. Damit die Vorsorge gesichert bleibt.

      Um zu erkennen, wie viel Abwasser London erzeugt, muss man weit hinunter. 75 Meter, um genau zu sein. In einem kleinen Käfig lässt ein Kranfahrer Baustellenleiter Andrew Sefton und PR-Chef Geoff Loader in einen Schacht aus Beton gleiten. Sefton rückt seine Schutzbrille zurecht, während Loader noch kurz im Nieselregen die Aussicht des Londoner Ostens genießt: das Olympiastadion, die Wolkenkratzer der City, das alte Pumpenwerk Abbey Mills aus der Zeit Queen Victorias, das immer noch die Abwässer Londons flussabwärts pumpt, wo sie geklärt und gereinigt werden.

      Direkt neben dem Pumpenwerk sinkt der kleine Käfig den Schacht hinab. Es geht mehrere Stockwerke tief, das Tageslicht verschwindet ebenso wie der Regen, bis der Baustellenaufzug auf kaltem Beton hält und im grünen Neonlicht ein Loch erkennbar wird, in dem gut und gerne zwei bis drei der Londoner Doppeldeckerbusse Platz hätten, wie Loader erklärt.

      Unter der Erde
: Die Tunnel verlaufen in 75 Meter Tiefe – weit unter Themse und U-Bahn.


      Foto: Julian Anderson

      Die Tunnel in London verlaufen in 75 Meter Tiefe – weit unter Themse und U-Bahn. (Quelle: Julian Anderson)

      "Der Lee-Tunnel ist das erste Teilstück des größten Tunnelprojekts, das es jemals in London gab", erzählt er gut gelaunt, während er in seiner Bauarbeitermontur aus dem Käfig klettert. Für viele Londoner dürfte er mit dieser Einschätzung sogar noch gnadenlos untertrieben haben. Das Thames Tideway Project soll ihre ebenso geliebte wie 
berühmte Themse durch ein ausgeklügeltes Tunnelsystem vor dem Kollaps durch die verschmutzten Abwässer der Metropole retten und dafür sorgen, dass die Lebensqualität entlang des Flusses steigt und vor allem die Infrastruktur der größten Stadt innerhalb der Europäischen Union für die Zukunft gesichert wird.

      Allianz beteiligt sich am Neubau

      Ohne hier groß die Nase zu rümpfen, geht es darum, die Abfälle, die die mehr als acht Millionen Londoner täglich produzieren, aus der Themse zu holen. Die Masse des Abwassers, die jeden Tag in den Fluss fließt, entspricht grob gerechnet der Wassermenge für acht Milliarden Toilettenspülungen.

      Bisher fließt alles durch das mehr als 150 Jahre alte Abwassersystem aus Viktorianischer Zeit. Damals zählte London aber nur zwei Millionen Einwohner. Heute werden jedes Jahr 39 Millionen Tonnen Abwässer ungefiltert in die Themse gespült – in fünf Jahren werden es sogar circa 70 Millionen Tonnen sein – keine allzu gute Aussicht für die Stadt.

      In Niedrigzins-Zeiten chancenorientiert anlegen – Allianz Lebensversicherung

      Daher wurde das Thames Tideway Project initiiert, das umgerechnet rund 5,9 Milliarden Euro kostet – und bei dem die Allianz eine entscheidende Rolle spielt. Denn die Allianz beteiligt sich innerhalb eines Konsortiums daran, dieses Tunnelsystem bis zum Jahr 2022 zu bauen und dann die nächsten 120 Jahre zu betreiben. Sie gibt Geld, erstellt Studien, und Mitarbeiter wie Christian Fingerle bringen ihr Know-how ein.

      Fingerle verantwortet bei Allianz Capital Partners (ACP) den Bereich, der gezielt in solche Infrastrukturprojekte investiert. Er sagt: "Bei unseren Investitionen suchen wir nach stabilen und langfristigen Renditen, die eine geringe Abhängigkeit von allgemeinen Marktentwicklungen sowie idealerweise einen Inflationsschutz vorweisen." Dies wird insbesondere über Investments erreicht, die durch langfristige Verträge, stabile regulatorische Rahmenbedingungen oder hohe Markteintrittsbarrieren gekennzeichnet sind.

      "Wie bekommen wir das eingesetzte Kapitel zurück?"

      Für die Allianz sind Infrastrukturprojekte aus mehreren Gründen interessant. Sie ermöglichen attraktive Renditen, verhelfen den Vorsorgesparern zu höheren Erträgen im Alter und unterstützen zudem Städte und Regionen bei der Lösung von Umweltproblemen.

      Aber der Reihe nach: Aktuell liegen die Zinsen für festverzinsliche Wertpapiere, in die die Allianz viele Gelder anlegt, weil sie stabiles und sicheres Wachstum über große Zeiträume garantieren, so niedrig wie kaum zuvor. Deshalb ergänzt die Allianz ihr Anlageportfolio beispielsweise um Infrastrukturinvestitionen. Da es sich dabei um Anlagen auf lange Sicht mit relativ stabilen Erträgen handelt, passen diese hervorragend zu den langfristigen Verbindlichkeiten eines Lebensversicherers.

      Außerdem verfügen Infrastrukturprojekte über ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis, das mit dem Sicherheitsanspruch der 
Allianz übereinstimmt – wenn man ähnlich strenge Kriterien wie ACP anlegt. "Die Frage, die wir uns immer stellen, lautet: Mit welcher Sicherheit bekommen wir das investierte Kapital wieder zurück?", so Christian Fingerle.

      "Das Projekt ist großartig für ganz London."
      Geoff Loader
, PR-Chef Thames Tideway


      Foto: Julian Anderson

      Geoff Loader
, PR-Chef Thames Tideway (Quelle: Julian Anderson)

      Bei den Projekten der Allianz, die von Parkuhren in Chicago und Passagierzügen in England über regenerative Energien bis zu Tank & Rast-Autobahnraststätten reichen, ist neben den stabilen Umsätzen auch die langfristige Entwicklung und Funktion relevant: Bei einem Monopol wie einem Flughafen oder einer Gasleitung muss man sich ebenso wie bei einem Tunnel keine 
Gedanken darüber machen, ob sie in Zukunft noch gebraucht werden.


      "Bei dem Themse-Projekt haben wir anderthalb Jahre vorgearbeitet, bis es zum Abschluss kam", erzählt Christoph Holzer. Er war Projektleiter der ACP bei dem Investment in den Abwasserkanal und ist auch Mitglied im Aufsichtsrat von Bazalgette Tunnel Limited, dem Unternehmen, das den Tideway-Tunnel baut. Zuerst wurde eine intensive Prüfung des regulatorischen und technischen Rahmens unternommen, bis sich die Allianz entschloss, in ein Bieterkonsortium einzusteigen.

      Attraktiv seien hier vor allem Beteiligungen von 25 bis 50 Prozent, erläutert Fingerle: Unter einer gewissen Beteiligungsgrenze sinken Mitsprache- und Kontrollrechte rapide, während eine Mehrheitsbeteiligung zu unerwünschten Konsolidierungseffekten führt: "Wir wollen kein Beifahrer sein, sondern entscheidend involviert sein", sagt er. Für den Tideway-Tunnel sei die Allianz ein sehr guter Partner, erzählt Geoff Loader, während er aus dem Schacht, der einer riesigen unterirdischen Betonkathedrale gleicht, in den Tunnel geht. Die ACP habe eine sehr intensive Sorgfaltsprüfung vorgenommen und dadurch ein hervorragendes Verständnis des Projekts erlangt. Und vor allem interessiere sich die Allianz, die mit einem Drittel Konsortiumsführer ist, tatsächlich für das Projekt und nicht nur für das Investment, was eine sehr gute Voraussetzung für eine Partnerschaft ist.

      Bis zu 2.500 Arbeiter am Tunnel-Projekt

      "Machen wir einen kleinen Spaziergang durch den Lee-Tunnel", schlägt Baustellenleiter Sefton vor, "auch wenn sich die Landschaft auf den nächsten paar Kilometern kaum verändern wird." Die 6,9 Kilometer lange Röhre, die zur Kläranlage Beckton flussabwärts führt, ist eine Blaupause für den Tideway-Tunnel, der ab diesem Jahr von Hounslow im Westen Londons direkt unter der Themse entlangführen wird.

      "Wir haben die Chance, ein für alle Mal den Fluss zu reinigen."
      Andrew Sefton, Baustellenleiter Thames Tideway


      Foto: Julian Anderson

      Andrew Sefton, Baustellenleiter Thames Tideway (Quelle: Julian Anderson)

      Der Lee-Tunnel wurde mit einem Tunnelbohrer gebohrt und aus 4.072 Zementelementen konstruiert, die unter der Erde zusammengefügt werden. 750 Menschen waren an dem Projekt beteiligt. Am Thames-Tideway-Tunnel werden zu Beginn 800 Personen arbeiten, in Zukunft werden es etwa 2.500 sein. Der Tunnel soll an insgesamt 30 Punkten das Abwasser aus der Themse aufnehmen, den Fluss reinigen und an diesen 30 Punkten gleichzeitig neue Verbindungen zwischen der Stadt und ihrem Fluss schaffen, die zur Kultur, Erholung oder auch für Gewerbe genutzt werden können.

      Andrew Sefton wird ab 2016 am Tideway-Tunnel arbeiten, Geoff Loader ist seit Januar dafür verantwortlich, jedem, den es betrifft, das Projekt zu erklären. Besonders die Logistik wird anspruchsvoll sein, da der Tunnel eine riesige unterirdische Baustelle in einer der am dichtesten besiedelten Städte Europas bedeutet – wovon die Anwohner aber im Idealfall nicht viel mitbekommen werden, versichert Loader: "Wir sind so tief, tiefer als alles andere in ganz London."

      Schicht im Schacht
: Das erste Teilstück entstand im Londoner Osten am Pumpenwerk Abbey Mills. Die unterirdische Baustelle ist nur über einen Betonschacht erreichbar.


      Foto: Julian Anderson

      Das erste Teilstück entstand im Londoner Osten am Pumpenwerk Abbey Mills. Die unterirdische Baustelle ist nur über einen Betonschacht erreichbar. (Quelle: Julian Anderson)

      Und es gibt keine Alternativen: Bisher laufen die Kanäle gerade bei Regen über. Mit dem neuen System kann die Themse gereinigt werden, während die Tunnel und Schächte, durch die Sefton und Loader laufen, nur bei übergroßer Auslastung der Kläranlage komplett als Reservoir benutzt werden. Im Normalfall dürften die Tunnel maximal zur Hälfte gefüllt sein – selbst wenn die Bevölkerungszahl Londons weiterhin so steigt wie in den vergangenen Jahren. Genau das macht das Investment für die Allianz auch so interessant und kalkulierbar. Die vergleichsweise hohen Anfangsinvestitionen werden über die jährlichen Stadtwerke-Umlagen der Londoner Bürger refinanziert.

      Allianz hilft London beim Umweltproblem

      "Gleichzeitig helfen uns auch die vertraglichen und regulatorischen Rahmenbedingungen", erklärt Christoph Holzer von Allianz Capital Partners. Denn nur Rechtssicherheit garantiert auch in Zukunft stabile Erträge, was auch ein Grund dafür ist, dass die Allianz Capital Partners vor allem in Industriestaaten wie den USA, England, Deutschland und Frankreich investiert. Und noch ein gutes Argument: Andere Investmentformen wie Staatsanleihen verlieren in einem inflationären Umfeld an Wert, während bei vielen Infrastrukturinvestitionen die Erlöse an die Inflationsrate gekoppelt sind.

      "Darüber hinaus spielt bei diesen Projekten auch der Nutzen für die Gesellschaft eine bedeutende Rolle bei der Investitionsentscheidung", sagt Christian Fingerle. Mit dem Thames Tideway Project etwa kann die Allianz einer bedeutenden Metropole wie London bei der Lösung eines gigantischen Umweltproblems helfen.

      Oder, wie Geoff Loader sagt: "Es wird großartig. Die Fische kommen zurück in den Fluss."


      Die wichtigsten Infrastrukturinvestments

      Gasnetz

      Gemeinsam mit Borealis Infrastructure betreibt die Allianz in Tschechien Net4Gas – der einzige Eigentümer und Betreiber von Gas-Pipelines. Das mehr als 3.800 Kilometer lange Pipeline-Netz dient dem tschechischen Markt, fungiert aber auch als Verbindungsstück zwischen den Märkten in Mittel- und Osteuropa. Die Allianz ist seit 2013 beteiligt.

      Windparks

      Die Allianz investiert auch in erneuerbare Energien und zählt zu den größten institutionellen Investoren in Wind in Europa. Kernstück ist, dass die Allianz die Wind- und Solarparks immer zu 100 Prozent selbst übernimmt und diese dann bis zum Ende ihrer Lebensdauer hält. Im Portfolio befinden sich mehr als 60 Wind- und Solarparks in verschiedenen europäischen Ländern.

      Autobahnraststätten

      Tank & Rast ist in Deutschland Eigentümer und Konzessionsinhaber der insgesamt 390 Raststätten, etwa 350 Tankstellen und ungefähr 50 Hotels entlang der Autobahnen. Innerhalb eines Konsortiums ist die Allianz seit 2015 Investor von Tank & Rast.

      Parkuhren

      Chicago Parking Meters (CPM) ist allein verantwortlich für alle 36.000 Parkplätze in Chicago, was das Netzwerk zum drittgrößten in den USA macht. Die Allianz ist zusammen mit zwei weiteren Partnern innerhalb eines Konsortiums seit 2009 für insgesamt 75 Jahre Betreiber der Parkuhren.

      Schienenfahrzeug Leasingunternehmen

      Seit 2014 ist die Allianz an Porterbrook beteiligt, einem der drei großen Unternehmen für das Leasing von Passagier- und Güterwaggons in Großbritannien, das insgesamt 5.900 Waggons auf langfristiger Basis an Fracht-, Passagier- und Logistikunternehmen vermietet.

      Thames Tideway Project

      75 Meter unter London entsteht das Thames Tideway Project. Der 25 Kilometer lange Tunnel verläuft direkt unter der Themse und soll durch 30 Verbindungspunkte ab 2023 dafür sorgen, dass Londons Abwässer statt in den Fluss in den darunter liegenden Tunnel fließen. Die Allianz ist über Allianz Capital Partners führend an dem Konsortium beteiligt, das den Tunnel bauen und die nächsten 120 Jahre betreiben wird.

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