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      Was ist Alter in unser heutigen Gesellschaft?  (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      16. Februar 2016

      Altern, was ist das überhaupt?

      Text: Stefan Beste und Tina Berning
      Grafik: Tina Berning / 2Agenten
      Wann ist man alt? Und was bedeutet Altern überhaupt? Überraschende An- und Einsichten von Experten.

      Die Modeschöpferin

      "Ich bin im vergangenen Jahr 70 geworden. Die Zahl bedeutet mir nicht so viel – solange ich merke, dass andere Menschen gerne auf mich zukommen und neugierig auf mich sind, habe ich keine Angst vor dem Alter. Man kann auch alles viel zu ernst nehmen. Und das tue ich nicht. Das gilt meiner Meinung nach übrigens auch für die Mode. Ab einem bestimmten Alter darf man jenseits von Trends und Diktaten ganz selbstbewusst sagen: 'Das kleidet mich – und das nicht'."

      Iris von Arnim 
wurde durch ihre Strickkollektionen zu einer der erfolgreichsten Modedesignerinnen in Deutschland. Inzwischen beliefert sie rund 200 Geschäfte weltweit.



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Iris von Arnim 
wurde durch ihre Strickkollektionen zu einer der erfolgreichsten Modedesignerinnen in Deutschland. Inzwischen beliefert sie rund 200 Geschäfte weltweit. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)


      Der Arzt

      "Altern resultiert aus einem Cocktail von Genetik und Lebensumständen im Verhältnis von etwa 1:3. Gerade bei Menschen, die sehr alt werden, spielt die moderne Medizin eine untergeordnete Rolle. Die Genetik können wir aktuell nicht beeinflussen, die Lebensumstände werden von gesellschaftspolitischen Entwicklungen geprägt. Bei anderen kann die Medizin eingreifen und nicht nur das Leben verlängern, sondern auch die Lebensqualität positiv beeinflussen."

      Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch
 ist Chefarzt für Innere Medizin und Leiter des Zentrums für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg.



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Univ.-Prof. Dr. Markus Gosch
 ist Chefarzt für Innere Medizin und Leiter des Zentrums für Altersmedizin am Klinikum Nürnberg. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Der Psychologe

      "Ich bin der Meinung, dass Altern heute eine völlig neue Gestalt angenommen hat, die mit Altern von vor 40 oder 50 Jahren nichts, aber gar nichts mehr zu tun hat. Wir wissen aus neuen und neuesten Längsschnittdaten: Ältere Menschen sind in der Lage, fast jeder Widrigkeit noch etwas Gutes abzutrotzen; sie sind äußerst widerstandsfähig. Trotz aller Krankheiten beschreiben sich die meisten Älteren als weitgehend gesund, sodass man fragen kann, was am Ende mehr zählt: die Anzahl der Diagnosen oder die subjektive Einschätzung der eigenen Lebensqualität als 'dennoch' hoch? Ich glaube das Letztere.

      Und noch eine Paradoxie: Erwachsene fühlen sich heute immer jünger, je älter sie werden. Kaum ein Älterer fühlt sich älter als sie oder er tatsächlich kalendarisch ist. Das sind großartige Entwicklungen. Doch wir müssen leider auch einen Preis zahlen: Der immer weiter nach hinten geschobene Tod hat die letzte Lebensphase sehr verletzlich gemacht. Wir altern heute lange Zeit sehr langsam und dann gegen Ende des Lebens hin sehr schnell.“

      Prof. Dr. Hans-Werner Wahl 
ist Lebenslauf- und Alternspsychologe 
und leitet das Psychologische Institut 
der Universität Heidelberg.



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Prof. Dr. Hans-Werner Wahl 
ist Lebenslauf- und Alternspsychologe 
und leitet das Psychologische Institut 
der Universität Heidelberg. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Der Oldtimersammler

      "Autos werden im Alter erst richtig schön. Wenn er gut gepflegt wird, dann kann ein Wagen gut und gerne 
100 Jahre alt werden – und mit jedem Jahr gewinnt er für seinen Besitzer an Wert. Es ist nicht die perfekte Technik, nicht die stromlinienförmig optimierte Karosserie und auch nicht das letzte Quäntchen Leistung, wodurch ein Auto für uns Liebhaber interessant wird. Es ist die Persönlichkeit. Oldtimer mit ihren markanten Formen, ihren Ecken und Kanten und ihren knatternden Motoren haben uns etwas zu sagen. Wir sollten das Alte wieder mehr schätzen lernen. Ich glaube, das gilt auch für uns Menschen selbst."

      Alfred Haas liebt alte Autos über alles. Er ist Präsident des Veteranen-Fahrzeug-Verbands und organisiert seit über 30 Jahren eine der größten Veteranen-Rallyes mit bis zu 400 Teilnehmern.



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Alfred Haas liebt alte Autos über alles. Er ist Präsident des Veteranen-Fahrzeug-Verbands und organisiert seit über 30 Jahren eine der größten Veteranen-Rallyes mit bis zu 400 Teilnehmern. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Die Produktdesignerin

      "Um erfolgreiche Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, muss man das Ökosystem der künftigen Nutzer sehr genau verstehen. Wir haben in ethnografischen Studien über die Lebensumgebung von Senioren und deren Betreuern vier Grundbedürfnisse identifiziert: Identität, Geselligkeit, Routine und Aktivität. Menschen wollen nicht durch ihr Alter eingeschränkt werden, ihnen ist geistige und körperliche Autonomie wichtig. Viele Menschen machen sich zudem wenig Gedanken darüber, was passieren wird, wenn sie eines Tages älter sind und die Veränderungen plötzlich eine neue, oft unerwartete Dynamik bekommen.

      Durch unsere Designforschung haben wir viel gelernt über die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse älterer Menschen. Leider ignorieren viele Produkte für ältere Menschen deren Grundbedürfnisse noch immer. Sie haben eine oft wenig ansprechende Ästhetik und sind nur eingeschränkt brauchbar. Die Vermarktungsbemühungen vieler Unternehmen konzentrieren sich auf die Kränksten und Gebrechlichsten der Gesellschaft. Diese Überbetonung chronischer Leiden führt zu einer unnötigen Stigmatisierung der Generation 50 plus."

      Kara Pecknold 
ist Associate Creative Director bei der Designagentur Frog design. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Interaktion zwischen Menschen, Produkten und Systemen.

      Kara Pecknold 
ist Associate Creative Director bei der Designagentur Frog design. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Interaktion zwischen Menschen, Produkten und Systemen.

      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Kara Pecknold 
ist Associate Creative Director bei der Designagentur Frog design. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Interaktion zwischen Menschen, Produkten und Systemen. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Der Altersforscher

      "In den letzten Jahren zeigte sich, dass ein Nachlassen der Funktion der körpereigenen Stammzellen zu einer Verminderung von Organfunktionen und zur Krankheitsentstehung im Alter beiträgt. Es gibt eine Vielzahl von Theorien, warum wir altern. Viele Wissenschaftler gehen von einer Art Austauschbeziehung aus. Die Evolution selektioniert die Lebensgeschwindigkeit einer Spezies auf den Punkt der Fortpflanzung und der Aufzucht der nächsten Generation. Alle Gene und metabolischen Vorgänge sind auf diesen Punkt optimiert. Das Altern kaufen wir uns als Tauschgeschäft mit ein. Dies tritt auf, nachdem der biologische Zweck erfüllt ist."

      Prof. Dr. med. Karl Lenhard Rudolph
 ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibnitz Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut e. V. (FLI).



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Prof. Dr. med. Karl Lenhard Rudolph
 ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibnitz Instituts für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut e. V. (FLI). (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Der Zukunftsforscher

      "Gemeinhin wird Altern als etwas Problematisches betrachtet. Zumindest auf der gesellschaftlichen Ebene ist das aber nicht zwangsläufig so. Deutschland ist – zusammen mit Japan – Weltmeister im Altwerden. Anstatt uns als Opfer dieser Entwicklung zu fühlen, sollten wir eine Stärke daraus machen. Warum nutzen wir unsere Poleposition nicht und stellen unser System darauf ein? Eine reife Gesellschaft verfügt über große Stärken: Souveränität, Gelassenheit, Weisheit. Also Schluss mit dem Jugendwahn: 
Indem wir unseren Altersvorsprung nutzen, werden sich neue Perspektiven ergeben."

      Harry Gatterer
 ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Sein Spezialgebiet ist die 
Integration von Trends in unternehmerische Entscheidungsprozesse.



      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Harry Gatterer
 ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts. Sein Spezialgebiet ist die 
Integration von Trends in unternehmerische Entscheidungsprozesse. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

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