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      Dr. Eckart von Hirschhausen ist heute eher auf der Bühne denn in der Praxis zuhause. (Quelle: Andreas Mueller / VISUM)

      16. Februar 2016

      "Alt werden? Na hoffentlich!"

      Text: Dr. Eckart von Hirschhausen
      Foto: Andreas Mueller / VISUM
      Der berühmte TV-Moderator und Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen fragt sich: Wann ist man alt? Wenn man sich beim Schuhezubinden fragt: "Was könnte ich noch erledigen, wo ich schon mal hier unten bin?" Eine Kolumne.

      Über die Defizite des Älterwerdens gibt es unendlich viele Witze. Kein Wunder, wenn viele ab Mitte 30 aufhören, ihre Geburtstage laut mitzuzählen. Was für ein Unsinn! Was ich über das Leben weiß, verdanke ich maßgeblich Menschen, die älter sind als ich. Warum haben eigentlich so viele Menschen Angst davor, alt zu werden, statt davor, dumm zu bleiben?

      Weisheit ist schwer zu definieren, doch man spürt sie. Für mich ist sie eine Mischung aus Gelassenheit, Herzenswärme, Humor und Geduld. All das hätte ich gern nicht erst mit 80, sondern sofort! Gelassenheit kommt, wenn man weiß, was man lassen kann. Wichtig und unwichtig zu unterscheiden ist wichtig. Beispiel: Ein Mann wird 100. Ein Reporter bestürmt ihn: "Wie wird man 100? Kurze Antwort!" Der Mann überlegt eine Weile und sagt: "Ich streite mich nie." Darauf der Reporter enttäuscht: "Das kann es doch nicht sein!" Der Mann: "Vermutlich haben Sie recht."

      "Muss man erst Nobelpreisträger werden?"

      Die Glücksforschung belegt, dass die Zufriedenheit mit dem Leben bis ins hohe Alter steigen kann. Vor allem, wenn man Sinn findet, Freundschaften pflegt, seinen Humor behält und neugierig bleibt. Ich durfte Eric Kandel interviewen, Gedächtnisforscher und Nobelpreisträger. Ich fragte, warum er mit 85 Jahren weiter jeden Tag in sein Forschungsinstitut geht. "Was soll ich mit Golf? Nichts macht mir annähernd so viel Freude wie neue Erkenntnisse!" Wir stritten uns vor einem schwarzen Teerbild mit Messerstrichen. Ich fand es aggressiv, er musikalisch bewegt. Und zur Demonstration schnappte er seine Frau und tanzte mit ihr mitten im Museum einen Wiener Walzer und sang dazu. Muss man erst über 80 und Nobelpreisträger werden, um zu tun, was einem Freude macht?

      Wann ist man alt? Eine Kolumne über die Freuden des Altwerdens.

      Grafik: Tina Berning / 2Agenten

      Wann ist man alt? Eine Kolumne über die Freuden des Altwerdens. (Quelle: Grafik: Tina Berning / 2Agenten)

      Seit dieser Begegnung "sammle" ich in Gedanken Vorbilder, wofür es sich lohnt, älter zu werden, worauf man sich freuen kann. Denn cool ist man selten mit 17, eher ab 70. Henning Scherf ist so jemand, Jahrgang 1938, der ehemalige Bürgermeister von Bremen. Er lebt in einer Wohngemeinschaft, Motto "Gemeinsam statt einsam". Ich traf ihn einmal auf einer Tagung über Glück. Er lacht viel und legt einem die Hand auf die Schulter, was sich ungewohnt, aber gut anfühlt. Seltsam, wie viel leichter es in unserer ironischen Kultur fällt, jemanden auf den Arm zu nehmen, als ihn in die Arme zu schließen.

      "Ich will auch noch mit 86 Jahren Lebensfreude ausstrahlen"

      Oder Renate Delfs, Jahrgang 1925. Mit 50 erfüllte sie sich ihren Lebenstraum, Schauspielerin zu werden. Ich saß mit ihr in einer Talkshowrunde, in der es um den Suizid von Gunther Sachs ging. Ein angeblicher Freund von ihm hielt es für heroisch, das Leben zu beenden, bevor man gebrechlich wird. Ich widersprach. Höchstwahrscheinlich litt Gunther Sachs an Depressionen, was zu Gedächtnisstörungen führt. Lustlose Hirne speichern schlecht, aber diese "Pseudodemenz" verschwindet komplett mit der richtigen Behandlung.

      Sachs’ Ende ist keine Heldengeschichte, sondern eine Warnung, sich selbst falsche Diagnosen zu stellen und keine Hilfe zu suchen, wenn man verzweifelt. Viel stärker als meine Worte wirkte jedoch die Präsenz von Renate Delfs, die mit 86 so viel Lebensfreude ausstrahlte, dass jeder dachte: So will ich auch sein!

      Ich kann Sie, liebe Leser, nur ermuntern, sich auch eine Liste von Vorbildern anzulegen. In Mehrgenerationenhäusern treffen Jugendliche heute schon auf solche Alten. Da geht es nicht darum, was alles nicht mehr geht. Wie begrüßt man sich dort? "Ey, Alter, was geht?"

      Dr. Eckart von Hirschhausen studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in Berlin, London und Heidelberg. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Komiker, Autor und Moderator in den Medien und auf allen großen Bühnen Deutschlands. Durch seine wurde er mit über 5 Millionen Auflage einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands. In der ARD moderiert Eckart von Hirschhausen die Wissensshows "Frag doch mal die Maus" und "Hirschhausens Quiz des Menschen". Hinter den Kulissen engagiert sich Eckart von Hirschhausen mit seiner Stiftung HUMOR HILFT HEILEN für mehr gesundes Lachen im Krankenhaus, Forschungs- und Schulprojekte.

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