Suchen
      • Suchen
      Mut aus sieben Perspektiven  (Quelle: Getty Images)

      7. März 2017

      Mut aus sieben Perspektiven

      Text: Julia Tschochner
      Foto: Getty Images
      Jeder von uns ist Experte für Mut.
      Im Großen wie im Kleinen.
      Sieben Menschen, die im Alltag Mut beweisen.
      Was bedeutet Mut für jeden Einzelnen?

      Für ein Kind kann Mut heißen, seine Angst zu überwinden und etwas Neues zu wagen. Ist der Mut dazu erstmal aufgebracht, stellt sich ein gutes Gefühl ein.

      Man überwindet durch Mut die Furcht und trifft trotzdem Entscheidungen. Das kann auch bedeuten, trotz eigener Schwächen oder äußerer Makel, selbstbewusst vor andere zu treten. Mut bedeutet auch, in persönlich schwierigen Situationen aus seiner Komfortzone zu kommen und zu handeln.

      Wir sprachen mit einer stotternden Person, einem Kind, einer Psychologin, einer Existenzgründerin, einem Werbefachmann, einem Interventionshelfer und einem Plus-Size-Model. Sie erzählten uns, was Mut im Leben für sie bedeutet:

       

       

      "Ein bisschen Angst hatte ich schon"


      Der Stotterer

      Illustration: Claudia Meitert

      „Mit Menschen sprechen, die ich nicht kenne, oder über Dinge, von denen ich keine Ahnung habe — all das kostet mich Mut. Denn Stottern ist nicht heilbar. Es gibt Tage, da fällt das Stottern kaum auf, und dann gibt es welche, an denen jedes Wort eine Überwindung ist. In solchen Momenten erfordert das Sprechen viel Mut. Aber das reizt mich in gewisser Weise. Ich tue etwas, das mir schwerfällt, und überwinde meine Angst. Habe ich es geschafft, bin ich stolz auf mich.“

      Florian Steyer lebt und arbeitet in München. Er leitet seit vielen Jahren die örtliche Stotter-Selbsthilfegruppe.

      Das Kind

      Illustration: Claudia Meitert

      „Mut ist toll. Ich glaube, jeder Mensch ist mutig — manche mehr als andere. Am schönsten ist das Gefühl, wenn man mutig war. Als ich in den Sommerferien vom Fünf-Meter-Turm gesprungen bin, habe ich mich gefragt, ob ich es wirklich machen soll, und ein bisschen Angst hatte ich schon. Aber hinter mir waren so viele andere Menschen, also habe ich nicht lange überlegt und bin gesprungen. Das war toll. Ich habe mich gefühlt wie ein Held. Man darf nicht lange nachdenken, wenn man mutig sein will.“

      Emma Neuner, 11 Jahre alt

      Die Psychologin

      Illustration: Claudia Meitert

      „Etwas zu tun, vor dem man sich fürchtet, entweder für sich selbst oder für andere — das ist Mut. Er ist aber keine feste Charaktereigenschaft. Ein Beispiel: Jemand hat Angst, vor Menschen zu sprechen. Er überwindet seine Furcht und hält einen Vortrag vor einem voll besetzten Saal. Etwas später ist die gleiche Person Zeuge eines Unfalls. Sie müsste um Hilfe rufen, schafft es aber nicht, weil sie sich fürchtet. Dieses Beispiel zeigt deutlich: Mut ist situativ bedingt. Deshalb kann ich nicht sagen, jemand ist mutig oder nicht. Es gibt aber durchaus Aspekte, die Mut fördern. Dazu gehört unter anderem das Umfeld. Lässt eine Firma ihre Mitarbeiter Fehler machen und sanktioniert sie nicht, werden die Beschäftigten mutiger. Außerdem vergrößert Mut den Entscheidungsspielraum. Bin ich mutig und verstoße gegen Konventionen, habe ich mehr Wahlmöglichkeiten.“

      Dr. Mirjam Jenny ist leitende Wissenschaftlerin am Harding-Zentrum für Risikokompetenz.

      Die Existenzgründerin

      „Vor vier Jahren habe ich mit einer Freundin ein Unternehmen gegründet. Wie mutig das sei, haben wir in der Anfangszeit oft gehört. Von Verwandten, Bekannten und Freunden. Ich selbst habe das nie so empfunden. Im Gegenteil: Der Schritt schien mir notwendig. Wir haben alle nur ein Leben, und ich habe beschlossen, dass ich in diesem einen Leben etwas bewegen möchte. Natürlich hätte ich auch ins Grübeln kommen und mir mögliche Schreckensszenarien ausmalen können, aber das habe ich nicht getan. Mut bedeutet für mich eben auch, Dinge einfach zu machen. Keine Angst haben, optimistisch sein, seine Komfortzone verlassen und einen etwas naiven Blick auf das haben, was kommt. Ich würde aber nicht sagen: Man hat Mut, oder man hat ihn nicht. Er ist keine feste Charaktereigenschaft. Jeder trägt ihn in sich. Einige müssen sich nur etwas mehr überwinden als andere.“

      Anna-Katharina Alex hat 2012 zusammen mit Julia Bösch Outfittery gegründet — einen betreuten Online-Shopping-Anbieter für Männer. Inzwischen haben sie knapp 300 Angestellte.

      Der Kriseninterventionshelfer

      Illustration: Claudia Meitert

      „Mut ist eine Leistung, die nicht jeder erbringen kann. Oft, weil der Mensch Abneigungen hat. Zum Beispiel ekelt er sich vor Blut, oder er traut sich einfach nicht. In meinem Ehrenamt erlebe ich häufig, dass die Menschen so große Angst haben, etwas falsch zu machen, dass sie lieber gar nichts tun. Mut hat also auch etwas mit Entscheidungsfreudigkeit zu tun. Als Einsatzleiter treffe ich oft binnen Sekunden eine Entscheidung. Ob sie richtig ist, weiß ich manchmal erst danach. Trotzdem muss ich sie treffen. Aber je öfter ich das getan habe, umso mehr Selbstvertrauen habe ich gewonnen, und das hat mir Mut gegeben.“

      Horst Henke ist ehrenamtlicher Kriseninterventionshelfer beim Bayerischen Roten Kreuz. Beruflich arbeitet er als Beamter in einer Justizvollzugsanstalt.

      Der Werbefachmann

      Illustration: Claudia Meitert

      „Mut ist, etwas zu tun, bei dem man scheitern kann. Für die vorhersehbaren Dinge braucht es keinen Mut. Will ich beweisen, dass ich der Klügere oder Stärkere bin, muss ich der Mutigere sein. Das gilt auch für die Werbebranche. Die wirklich brillanten Werber entwickeln das Unerwartbare bei Themen, von denen jeder dachte, es wäre alles gesagt. Diese Denkweise vermittle ich meinen Studenten. Überschreite deine Grenzen, trau dich was — jeden Tag, bei jeder Kampagne. Damit sie das schaffen, bin ich oft hart mit ihnen und ihren Ideen. Da fließen Tränen, und nicht wenige hassen mich dafür. Aber einige von ihnen haben Kampagnen entwickelt, die es so noch nie gegeben hat.“

      Hans-Peter Albrecht ist Direktor der Grafiker-Akademie U5 in München. Sie ist die erfolgreichste Designschule Deutschlands.

      Das Plus-Size-Model

      „Sobald Menschen andere bewerten können, tun sie das. Positiv wie negativ. Das ist als Model nicht immer leicht. Aber ich habe ein dickes Fell, im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb fand ich es nie besonders mutig, mich auf dem Laufsteg zu zeigen. Als ich mich vor vier Jahren bei der ersten Modelagentur beworben habe, bin ich ein kalkuliertes Risiko eingegangen. Aber was hatte ich denn zu verlieren? Mehr als Nein sagen konnten sie nicht. Einige haben das auch getan. Andere nicht, weil sie Potenzial in mir gesehen haben. Oft heißt es, ich sei ein Vorbild für andere dicke Frauen. Das sehe ich nicht so. Ich möchte niemanden ermuntern, dick oder dünn zu sein. Ich wünsche mir nur, dass die Menschen den Mut haben, so zu sein, wie sie sein wollen, und dass sie sich frei davon machen, was andere über sie denken.“

      Christin Thomsen arbeitet seit vier Jahren als Plus-Size-Model.

      Kundenbericht als PDF

      Wie wir Mut erlernen und gewinnen, damit wir unser Leben trotz Risiken erfolgreich gestalten. Laden Sie den Allianz Kundenbericht 2016 hier als PDF herunter.

      Download

      Kundenbericht als Printausgabe

      Hier finden Sie alle Download- und Bestellmöglichkeiten des Allianz Kundenbericht 2016 in deutscher und englischer Version.

      Zu den Bestelloptionen