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      Die Allianz-Studie zeigt: Junge Fahrer verursachen die meisten Autounfälle. (Quelle: Fotolia)

      Sicherheitsstudie 18. März 2015

      Junge Fahranfänger am stärksten gefährdet

      Text: Christian Weishuber
      Foto: Fotolia
      Mehr Unfälle durch Alkohol, alte Autos und erhöhter Risikobereitschaft / Allianz empfiehlt Null-Promille-Grenze bis 24 Jahren

      Junge Autofahrer stellen im Straßenverkehr die größte Risikogruppe dar: Führerscheinbesitzer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verursachen im Verhältnis zu anderen Verkehrsteilnehmern nicht nur die meisten Unfälle, sondern sind auch als Geschädigte am häufigsten gefährdet. Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle Allianz-Studie "Jung und urban", die am 14. Oktober 2014 auf dem 3. Allianz Autotag im Allianz Zentrum für Technik öffentlich vorgestellt wurde. Auswertungen zahlreicher amtlicher Datenquellen, Versicherungsschadenakten und Umfragen Ergaben, dass im Jahr 2014 junge Autofahrer – ob nun Fahranfänger oder Autofahrer nach absolvierter Probezeit – auf deutschen Straßen 22 % aller Unfälle mit Personenschaden verschuldeten. Ebenso war beinahe jeder vierte getötete PKW-Fahrer zwischen 18 und 24 Jahre alt – obwohl diese Altersgruppe gerade einmal acht Prozent aller Führerscheinbesitzer ausmacht.

      Junge Unfallverursacher häufiger betrunken

      Generell hat sich der Zeitpunkt der größten Gefährdung im Straßenverkehr etwas verschoben: Verursachten Fahranfänger noch vor zehn Jahren vor allem in den ersten sechs Monaten nach Führerscheinerwerb den Großteil der Unfälle mit Personenschaden, sind es heute vor allem die mit mehr als einem Jahr Führerscheinbesitz. Zwischen 2003 und 2013 sank die Zahl der 18-Jährigen, die innerhalb von sechs Monaten nach Erwerb der Fahrerlaubnis einen Unfall verursachten, von 58 auf  32 Prozent. Gleichzeitig stieg im selben Zeitraum der Anteil der Unfälle von jungen Fahrern, die zwischen einem und zwei Jahren einen Führerschein besitzen, von 0,5 auf 34 Prozent an.

      Alkohol am Steuer: Der Anteil betrunkener Autofahrer bei Verkehrsunfällen ist bei 21 bis 24-Jährigen fast doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen.

      Foto: Fotolia

      Alkohol am Steuer: Der Anteil betrunkener Autofahrer bei Verkehrsunfällen ist bei 21 bis 24-Jährigen fast doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen (Quelle: Fotolia)

      Auffällig: Alkohol spielt bei Autofahrern Anfang 20 eine deutlich größere Rolle als bei Fahranfängern oder älteren Verkehrsteilnehmern. Eine Sonderauswertung für die aktuelle Studie von 429 schweren Verkehrsunfällen* mit Allianz Versicherten ergab, dass der Anteil der alkoholisierten Fahrer bei den 21 bis 24-Jährigen fast doppelt so hoch (18 Prozent) ist wie etwa bei den 18 bis 20-Jährigen (10 Prozent) oder 25 bis 64-Jährigen (11 Prozent). Übermut nach endender Probezeit sowie eine generell höhere Risikobereitschaft spielen hierbei eine große Rolle.

      Junge Fahrer gehen unnötige Risiken ein

      Auch andere Ergebnisse der Allianz-Studie ergeben, dass die erhöhte Risikobereitschaft junger Fahrer Schuld an vielen Unfällen trägt – auch ohne Beteiligung anderer Fahrer. Laut Allianz Sonderauswertung liegt der Anteil der schweren Unfälle der 18 bis 24-Jährigen, die ohne Fremdverschulden von der Fahrbahn abgekommen sind, bei 41 Prozent. Zum Vergleich: Bei den 25 bis 64-Jährigen Autofahrern liegt diese Quote gerade einmal bei 18 Prozent. Eine der Hauptursachen dieser Art von Unfällen ist dabei überhöhte Geschwindigkeit.

      Riskante Fahrweise und überhöhte Geschwindigkeit zählen weiterhin zu den häufigsten Unfallursachen bei jungen Autofahrern

      Foto: Fotolia

      Riskante Fahrweise und überhöhte Geschwindigkeit zählen weiterhin zu den häufigsten Unfallursachen bei jungen Autofahrern (Quelle: Fotolia)

      Die Anschnallquote ist laut der Allianz Sonderauswertung in der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren deutlich geringer: Eine Auswertung der untersuchten schweren Verkehrsunfälle ergab, dass unter den beteiligten jungen Fahrzeuglenkern mindestens 15 Prozent nicht angeschnallt waren. Bei den über 25-Jährigen waren es hingegen nur sechs Prozent. Aber auch das im Durchschnitt höhere Alter der Fahrzeuge spielt bei Unfällen eine große Rolle: Beinahe die Hälfte der Autos, die bei Unfällen von jungen Fahrern gesteuert wurden, war laut Studie mindestens 10 Jahre alt. Fehlende Sicherheitsausstattung  trägt bei diesen Fahrzeugen oft mit zu den schweren Unfällen bei. Gerade die Ausstattung mit ESP ist mit 13 Prozent sehr gering.

      "Alkoholkonsum und höhere Risikobereitschaft sind die Hauptursachen für hohe Unfallzahlen"

      Derzeit sieht das Alkoholverbot nach StVG §24 eine Null-Promille-Grenze im Straßenverkehr nur für Fahranfänger bis zum 21. Lebensjahr oder in der Probezeit vor. Nach den Erkenntnissen des 3. Allianz Autotages ist dies zu wenig: "Alkoholkonsum und höhere Risikobereitschaft bei jungen Menschen sind Hauptursachen für die hohen Unfallzahlen" sagt Dr. Alexander Vollert, Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG. "Deshalb empfehle ich dringend die Anhebung des Höchstalters bei der Null-Promille-Regelung von derzeit 21 auf 24 Jahre".

      Auch rät die Allianz, beim Kauf eines Fahrzeuges für junge Autofahrer mehr Wert auf die Sicherheitsausstattung zu legen. Eine Fahrzeug-Ausstattung mit ESP und eine gute Bewertung mit mindestens vier Sternen im Euro NCAP-Test ist gerade bei Fahranfängern empfehlenswert. Darüber hinaus rät die Allianz zu sicherheitsrelevanten Systemen wie einem Gurtwarner, einem automatischen Notbremssystem und einer Einparkhilfe.

      Safety first: Gerade junge Fahrer sollten beim Autokauf genau auf die Sicherheitsausstattung achten.

      Foto: Fotolia

      Safety first: Gerade junge Autofahrer sollten beim Autokauf genau auf die Sicherheitsausstattung achten. (Quelle: Fotolia)

      Für die aktuelle Sicherheits- und Mobilitätsstudie "Jung und urban" zu jungen Fahrzeugnutzern in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrachtete das Allianz Zentrum für Technik (AZT) amtliche Datenquellen, eigene Versicherungsschadenakten (* 429 Krafthaftpflichtschäden mit einem Aufwand von mehr als einer Million Euro) und ließ eine repräsentative Online-Umfrage in D/Ö/CH durch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Wien durchführen. Befragt wurden 2.200 18 bis 24-Jährige zu ihrem Verhältnis zum Pkw-Verkehr. Gerne senden wir Ihnen die komplette Studie von Dr. Jörg Kubitzki, Unfallforscher im AZT, elektronisch zu.

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      Forschung hilft Unfälle zu vermeiden:Allianz Zentrum für Technik