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    • Trotz Autounfall: Mit Rehacare und eigenem Willen zum Erfolg
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      Andreas Düft (Quelle: Enno Kapitza)

      27. April 2015

      Mit Rehacare und dem eigenen Willen

      Text: Sabine Twest
      Foto: Enno Kapitza
      Seit einem Autounfall vor 14 Jahren ist Andreas Düft schwerstbehindert – und als Systemadministrator hoch angesehen. Geholfen haben ihm der eigene Wille und der Allianz Partner rehacare.

      "Sehen Sie da drüben den neuen Besucherpavillon?" Andreas Düft zeigt nach draußen, auf einen eingeschossigen Glasbau, umstellt von Baumaschinen und Paletten. Daneben, eingerüstet, die Klosterkirche von Aldersbach, Bohrgeräusche dringen durchs Fenster ins Rathaus. Die Gemeinde bereitet sich auf die Bayerische Landesausstellung 2016 "Bier in Bayern" vor. "Im Pavillon werden die Besucherterminals stehen. Und für die IT der Landesausstellung werde ich zuständig sein. Inklusive Multimedia-Ausstattung." 

      Aus dem Praktikum wurde ein fester Job

      Andreas Düft ist 28 Jahre alt, stellvertretender Systemadministrator der Gemeinde Aldersbach – und seit 14 Jahren schwerstbehindert. "Jetzt zeige ich Ihnen den Serverraum." Andreas Düft fährt vor. Das Server-Rack steht mitten im Raum, genügend Platz für den Wendekreis des Rollstuhls. Es ist halbhoch, damit es im Sitzen zu bedienen ist.

      Der Serverraum der Gemeinde Aldersbach ist behindertengerecht eingerichtet. Die IT betreut mittlerweile fast komplett Andreas Düft.

      Foto: Enno Kapitza

      Andreas Düft (Quelle: Enno Kapitza)

      "Als sich der Andreas vor vier Jahren bei uns um ein Praktikum beworben hat, habe ich gleich gesehen, der hat ein Gefühl für die IT", sagt Reiner Feldl, der Chef von Düft. Mein guter Eindruck hat sich bestätigt, "ich kann mich absolut auf ihn verlassen in dieser verantwortungsvollen Position."

      Rehacare unterstützt bei der Jobsuche und im beruflichen Alltag

      Neben seiner eigenen Kompetenz und Erfahrung hilft ihm noch jemand anders in seinem Job: Monika Miedaner von der rehacare GmbH und ihre Kollegen. Sie verhandelten Verträge und Gehaltszuschuss für ihn, organisierten den Einbau eines behindertengerechten Schlosses am Rathaus und ein Auto, mit dem sich der IT-Spezialist autonom bewegen kann. "Wenn ich mich erinnere, wie wir hier vor vier Jahren gesessen sind, da haben Sie wirklich viel erreicht", sagt sie zu Andreas Düft. Er hatte damals seine Lehre zum Bürokaufmann erfolgreich abgeschlossen, trotz Behinderung und Zusatzbelastung durch die tägliche Physiotherapie, und suchte einen Job. Dabei unterstützte sie ihn.

      Für Bürgermeister Harald Mayrhofer (re.) ist Andreas Düft ein unverzichtbarer Mitarbeiter: "Wenn die IT ausfällt, können wir nach Hause gehen."


      Foto: Enno Kapitza

      Andreas Düft (Quelle: Enno Kapitza)

      rehacare ist ein Dienstleister der Allianz. Er wird immer dann eingeschaltet, wenn besondere Hilfeleistungen nötig sind. Gemeinsam mit den Betroffenen werden individuelle Lösungen gesucht, das Ziel ist dabei immer das gleiche: ein Leben, das so selbstständig wie möglich gelebt werden kann – am besten inklusive Job. 
      Miedaner betreut Düft, seit er aus der Reha entlassen wurde. Das war rund ein Jahr nach dem 10. Dezember 2000. Der Tag, der Düfts Leben verändert. Er ist damals 14 und hoffnungsvoller Leistungssportler, Weitsprung und Sprint sind seine Spezialdisziplinen. Er sitzt hinten im Auto neben seiner Schwester, ein Freund lenkt den Wagen, sie wollen ins Fitnessstudio. "Eigentlich wollte ich nicht mitkommen, mein Vater hatte mich auf den Weihnachtsmarkt eingeladen, bin dann aber doch mitgefahren", sagt Düft. An einer schlecht einsehbaren Kreuzung übersieht der Freund ein Auto, nimmt ihm die Vorfahrt. Beim Zusammenstoß wird Düft so heftig gegen den Kopf seiner Schwester geschleudert, dass ihr die Zähne ausgeschlagen werden. Er ist ab der Halswirbelsäule querschnittsgelähmt.

      "Eine klassische Win-win-Situation."
      Monika Miedaner, Fall-Managerin bei rehacare

      Das Hadern mit der Krankheit überwinden

      Noch während Andreas Düft in der Klinik liegt, kümmern sich Miedaner und ihre Kollegen darum, dass sein Elternhaus behindertengerecht umgebaut und die Pflege organisiert wird. Denn die Allianz ist der Haftpflichtversicherer des Fahrers – und hilft Andreas Düft nicht nur finanziell. Man findet eine barrierefreie Schule, auf der er den Hauptschulabschluss nachholen kann. Eigentlich wollte er Kfz-Mechaniker werden – daraus wird nichts. Miedaner geht mit Düft verschiedene Alternativen durch, sie schlägt ihm die Ausbildung zum Bürokaufmann im Betrieb oder auf einer Berufsförderschule vor. "Ich war damit einverstanden, aber ich wollte eine Ausbildung mit einer richtigen Stelle", sagt Düft. Auch die findet sie – beim Bayerischen Roten Kreuz in Passau. 


      Spaziergang in Aldersbach: Düft und Miedaner kennen sich seit Jahren. 


      Foto: Enno Kapitza

      Spaziergang in Aldersbach (Quelle: Enno Kapitza)

      Gut zuhören und dranbleiben, auch wenn es Misserfolge gibt, das sind für Miedaner die wichtigsten Eigenschaften in ihrem Beruf. Als Physiotherapeutin und Sozialpädagogin kann sie beides. "Erst mal muss man eine Vertrauensbasis aufbauen. Mein Motto ist: Das Schreckliche ist ja schon passiert, jetzt gilt es, das Beste aus der Situation zu machen." Offen ansprechen, was möglich ist und was nicht. Die Betroffenen in ihrer Situation ernst nehmen, darum geht es, sagt Monika Miedaner. "Das Schönste ist immer, wenn die Klienten nicht mehr über ihre Krankheit sprechen, sondern anfangen zu erzählen, was gut läuft. Wenn ich sie 
darauf hinweise, sagen die meisten: 'Stimmt, da haben Sie recht.'" 

      Auch für Andreas Düft gab es eine Durststrecke. Nach der Ausbildung dauerte die Suche nach einer Arbeitsstelle ein ganzes Jahr. Er verbrachte die Wartezeit beim Computerspielen: "Mein Leben war wie ein dunkler Raum, und ich habe darauf gewartet, endlich wieder Licht zu sehen."

      Den Chefposten fest im Blick

      Bei der Gemeindeverwaltung in Aldersbach fand Monika Miedaner dann den Praktikumsplatz. Nach zwei Jahren Praktikum folgte der unbefristete Vertrag. Andreas Düft spezialisierte sich auf die IT, bestand alle notwendigen Trainings, und die Gemeinde hatte nach langer Vakanz endlich einen stellvertretenden Systemadministrator gefunden. "Eine klassische Win-win-Situation", sagt Miedaner. Düfts Chef Feldl nickt. "In zehn Jahren, wenn ich in Ruhestand gehe, soll Andreas mein Nachfolger werden", sagt er. 

      Andreas Düft fährt vom Büro nach Hause. Dank Auto ist er quasi so mobil wie seine Freunde und Kollegen.

      Foto: Enno Kapitza

      Andreas Düft (Quelle: Enno Kapitza)

      Düft ist inzwischen mit seinem umgebauten VW-Bus nach Hause gefahren. "Da unten ist mein neuer Koi-Teich", sagt er und zeigt in den Garten, "da schwimmen einige Hundert Euro drin." Als er aus der Rehaklinik nach Hause kam, wollte er auf jeden Fall wieder seinem Lieblingshobby nachgehen, dem Angeln. Wochenlang hat er seinen rechten Arm trainiert, um überhaupt eine Rute halten zu können. "Da war keine Kraft mehr, aber ich habe nicht lockergelassen. Ich verzichte nicht gern auf Dinge, die ich vor dem Unfall tun konnte." Inzwischen sind die Herausforderungen andere: "Neulich war ich mit Reiner Feldl beim Angeln, das hat mich gewurmt: Ich habe nichts gefangen, er einen riesigen Hecht." Das ist die seltene Art von Fällen, in denen selbst Monika Miedaner nichts machen kann.

      Die wichtigsten Fakten zum Reha-Management

      Start 1998 mit dem vorrangigen Ziel, Opfern von schweren Verkehrsunfällen den Weg zurück in den Beruf zu ermöglichen.

      Abwicklung über die rehacare GmbH, eine Tochter der Allianz Global Assistance Service GmbH, mit rund 40 Fall-Managern.

      Oberstes Prinzip ist die Freiwilligkeit.

      Hochindividuelle Lösungen mit Vorteilen für alle: optimale Betreuung für die Geschädigten, Reduzierung des Schadenaufwands für die Versicherung