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      Jörg Sturm an Deck der "Funny Girl". Mit dem Schiff setzt der Leiter der Verkaufsregion alle paar Wochen zur Nordseeinsel über. (Quelle: Toma Babovic)

      13. April 2015

      Sturm auf Helgoland

      Text: Marion Zauner
      Foto: Toma Babovic
      40 Kilometer See, 2,5 Stunden Fahrt – Windstärke 6 inklusive. So sieht eine Allianz Dienstreise für den Betreuer von Deutschlands einziger Hochseeinsel aus


      Armer Hund. Alle viere von sich gestreckt drückt er sich platt auf den Boden. Duckt sich weg unter dem Wind, der so laut ist, dass es in den Ohren wehtut. Würgt und würgt und würgt. Herrchen beruhigt den Golden Retriever und versucht dabei, eine Papiertüte über seine Schnauze zu bugsieren. Bloß keine Sauerei an Deck machen. Eine Seefahrt auf der "Funny Girl", die ist heute alles andere als lustig. Wer nach Helgoland will, der lernt erst mal das Meer kennen.

      "Ich liebe die See", sagt Jörg Sturm. Strahlt. Rührt in seiner Kaffeetasse. Sturm, 43, Cuxhavener, könnte niemals leben ohne Meer vor der Haustür. Er war schon als kleiner Junge mit seinen Eltern am Wochenende und im Urlaub auf dem Boot unterwegs. Seekrankheit? Kennt er nicht. Auch das macht ihn zur Idealbesetzung für seinen Job: Leiter Verkaufsregion auf Helgoland. Seit fünf Jahren steigt er regelmäßig ins Auto, fährt zur Anlegestelle "Alte Liebe" in Cuxhaven, balanciert über die Gangway auf die "Funny Girl" und setzt über. 40 Kilometer See, 2,5 Stunden. Seine Art der Dienstreise. Auf Helgoland warten 170 Allianz Kunden – und Nils Claasen, 78, Nebenberufsvertreter und guter Freund.

      Perfektes Duo: Nils Claasen (78) ist auf Helgoland geboren. Davon profitiert Jörg Sturm. Denn auf der Insel kennt jeder jeden.

      Foto: Toma Babovic

      Perfektes Duo: Nils Claasen (78) ist auf Helgoland geboren. Davon profitiert Jörg Sturm. Denn auf der Insel kennt jeder jeden. (Quelle: Toma Babovic)

      Das Schiff füllt sich mit einer Hand voll Ausflügler und einem Bataillon an Handwerkern. Offshore-Windparks sind ein Teil von Helgolands Zukunft. Und dann gibt es da noch eine Gruppe: Sie steht an Deck, die Kamera im Anschlag, ausgerüstet mit Objektiven, die jeden Paparazzo vor Neid ergrünen lassen und für durchtrainierte Oberarme sorgen. Für Vogelkundler ist Helgoland das gelobte Land, die Möwen im Kielwasser sind ein erster Vorgeschmack. Zu guter Letzt ist da noch die Allianz an Bord: der sturmerprobte Jörg Sturm. Heute in Begleitung einer Reporterin aus München, der man einst eingebläut hat: No jokes with names! Mach niemals Wortspiele mit Namen – doch Herr Sturm stellt eine übergroße Versuchung dar.

      Heute herrscht Windstärke 6. Die Wellen sind bis zu drei Meter hoch. Für den Cuxhavener kein Thema. Für den Gast aus Bayern ein Problem – die Bezwingung des Starnberger Sees auf einem Ausflugsdampfer zählt hier nichts. Das Meer, die Weite, das Rollen und Stampfen, das verträgt nicht jeder. Das Schiff legt an. Blass um die Nase geht es über die Gangway. Den armen Hund trägt sein Herrchen. Nils Claasen wartet schon, schaut sich die traurige Parade an. Er kennt das. Er hat schon so viele Besucher kommen und gehen sehen.

      Zum Aufwärmen geht es ins stilecht dekorierte "Café Hinrichs".

      Foto: Toma Babovic

      Zum Aufwärmen geht es ins stilecht dekorierte "Café Hinrichs". (Quelle: Toma Babovic)

      "Die Stornoquote ist viel niedriger als auf dem Festland."

      Nils – mit ihm kann man nicht per Sie sein, das unterbindet er binnen Sekunden – ist gebürtiger Helgoländer und absolut seefest. 1936 kam er auf der Insel zur Welt, ist "als Achtjähriger leider gezwungen worden", Helgoland zu verlassen. Die Insel wurde zuerst aus der Luft bombardiert. 1947 sprengten die Briten die gesamte Munition, die noch auf Helgoland lagerte. Viele glaubten, die Insel würde nie mehr bewohnbar sein. Aber Helgoländer bleibt Helgoländer, egal wohin es ihn verschlägt. 1952 wurde die Insel freigegeben. "Die Väter bauten die Häuser wieder auf und holten dann ihre Familien nach. So wie mein Vater", erzählt Nils. Malermeister war der Vater. Nils machte eine Ausbildung als Klempner und Installateur auf dem Festland. Kam 1954 zurück. War zwischendurch mal Dachdecker, bevor er zum Wasserwerk wechselte.

      1972 führte das Wasserwerk die Umkehrosmose ein: Aus Seewasser gewinnt man Trinkwasser. Nils machte seinen Meister und übernahm die Leitung des Wasserwerks, bis zur Rente. 1976 legte er sich einen Zweitjob zu: Nebenberufsvertreter, kurz NV, bei der Allianz. Der damalige NV hörte auf, fragte ihn, ob er sein Nachfolger sein wolle. Vorkenntnisse nicht erforderlich. Vertrauen schon. Auf der Insel kennt jeder jeden. Läuft bei der Beratung oder Regulierung irgendwas schief, spricht sich das rum. Mit einer Kundenkartei und den Formularen für die Aufnahme von Schäden ging es los.

      Feste Kundentermine gibt es auf Helgoland nicht.

      Foto: Toma Babovic

      Feste Kundentermine gibt es auf Helgoland nicht. (Quelle: Toma Babovic)

      Schäden hat er seitdem jede Menge reguliert. "Weißt du noch, als wir letztes Jahr nach dem Sturm über die Insel gerannt sind und die Leute beruhigt haben?" Im Dezember 2013 deckte das Altantiktief "Xaver", das es auf bis zu 190 km/h brachte, Dächer ab und wirbelte Steine auf. "Wir hatten Hauswände, in die Steine wie mit einer Kanone reingeschossen waren", erzählt Sturm. Die Kunden freuten sich, als die beiden kamen und versprachen, dass die Allianz zahlt. Reguliert wurde schnell, kulant und unbürokratisch mithilfe von Pauschalen. "Für uns war das ein tolles Erlebnis, dass wir die Kunden beruhigen konnten", sagt Sturm.

      "Ohne Vertrauen geht nichts. Wenn was schiefgeht, spricht sich das schnell rum."

      Die Kundenbindung, die ist mittlerweile dicker als die Taue auf der "Funny Girl". "Die Insel und ihre Bewohner zahlen mir viel zurück. Die Stornoquote hier ist wesentlich geringer als an Land", sagt Sturm. Und der Festlandbewohner kümmert sich um die Insulaner, wenn sie in Cuxhaven sind. Eine Kundin zum Beispiel – "Sie ist die gute Seele der Insel" – verletzte sich beim Landgang in Cuxhaven schwer. Am Krankenbett bekam sie Besuch von ihrem Versicherungsteam Nils und Jörg: "Was können wir für dich regeln? Wer sieht nach deiner Wohnung? Was sollen wir für dich von der Insel holen?"

      Ein Leben ohne die See? Für Jörg Sturm undenkbar.

      Foto: Toma Babovic

      Ein Leben ohne die See? Für Jörg Sturm nicht vorstellbar. (Quelle: Toma Babovic)

      Nach fünf Jahren sind die beiden Männer ein eingespieltes Team – und Freunde. Als Jörg Sturm das erste Mal seinen NV besuchte, hatte er Probleme, dessen Haus zu finden. Die Hausnummern sind etwas anders verteilt als in Rest-Deutschland. Hier prangt schon mal die Nummer 674 oder 545 an der Fassade. Aus dem Kennenlernen wurde ein Schätzenlernen. Freundschaft. Familienanschluss. Als Jörg Sturm heiratete, setzte er eine Woche später mit seiner Frau nach Helgoland über, in Anzug und Brautkleid. Nils stand am Hafen, den Bollerwagen mit Getränken und Essen beladen. "Ich hatte ja einige Vertreter hier. Aber den nettesten hat mir die Allianz am Schluss geschickt", erzählt Nils. "Das ist ein Vertriebler mit Herz. So ein großes Herz", sagt Jörg über Nils. Jörgs Vorgänger wechselten alle paar Jahre. Einige "haben die Seekrankheit nicht so gut abgekonnt", erzählt Nils. Die ließen sich dann lieber versetzen. Jörg Sturm möchte sein Betreuungsgebiet nicht tauschen: "Helgoland ist wirklich eine Parallelwelt. Wenn man den Kopf freihaben und ein bisschen nachdenken möchte – über Strategien, über sein Leben –, dann ist Helgoland dafür der tollste Ort. Ich liebe es."

      Das Schiff legt bald ab, der 43-Jährige muss los. Ein Schulterklopfen zum Abschied. Ab auf die "Funny Girl". Für morgen ist Windstärke 8 angesagt.

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      Ankommen in einer anderen Welt

      Das 1,7 Quadratkilometer große Eiland gilt als Deutschlands einzige Hochseeinsel. 40 Kilometer vom Festland entfernt, lässt sich Helgoland am besten per Schiff oder Flugzeug erreichen. Für die amtsfreie Gemeinde gelten Sonderregeln, sie gehört nicht zum Zollgebiet der Europäischen Union. Derzeit wird die Zahl von rund 1500 Inseleinwohnern fast verdoppelt durch die Handwerker, die drei Offshore-Windparks bauen. Bald soll Helgoland die erste Offshore-Serviceinsel der Welt sein.