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    • Stimmbandeinblutung: PUR-Sänger plötzlich verstummt
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       (Quelle: Rafael Krötz)

      Sang- und klanglos 10. November 2015

      Als Hartmut Engler die Stimme wegblieb

      Text: Daniel Aschoff und Anna Hieger
      Foto: Rafael Krötz
      Als der Sänger der Band PUR wegen einer Stimmbandeinblutung 2013 plötzlich verstummt war, fand er sich in einem albtraumhaften Abenteuerland wieder. Bis sich Generalvertreter Heiko F. Dürrschnabel einschaltete. Ein Gespräch über Jubel, Trubel, Heiserkeit.

      Herr Engler, hier vor der Bühne des Kurhauses Baden-Baden ... Was denken Sie, wenn Sie dort hochschauen?

      Hartmut Engler: Das ist der aufregendste Ort der Welt. Eine Bühne ist für mich die Belohnung der harten Vorbereitung, der schönste Teil meiner Arbeit. Natürlich ist es für einen Musiker auch wichtig, Geld zu verdienen, aber das Schönste ist der Applaus des Publikums. Von da oben zu sehen, wie die Leute ausrasten – das ist der Glücksmoment, der mich da hoch treibt.

      Muss man Sie treiben?

      Engler: Wer mich kennt, weiß, dass ich unter extremem Lampenfieber leide. Für mich ist die Anspannung vor einem Konzert wie inneres Bungee-Jumping. Ich muss jedes Mal die Angst vor der Bühne überwinden. Dafür bin ich nach einem Konzert extrem euphorisch und wahnsinnig glücklich. Diese totale Euphorie danach ist das, was mir die Bühne immer wieder gibt.

      2013 verbot Ihnen ein Arzt, Konzerte zu spielen. Wie war das für Sie?

      Engler: Das war wirklich eine schlimme Erfahrung. Wenn einer der Musiker krank wird, kann man vielleicht einen Ersatz für ihn finden. Beim Sänger ist das anders: Deshalb lastet auf mir vor einer Tour ein sehr großer Druck.

      Was genau war geschehen?

      Engler: Ich saß damals nach den Proben im Studio zu Hause auf dem Sofa und habe einen Anruf erhalten. Ich wollte mich räuspern – und konnte plötzlich nicht mehr sprechen.

      Außerhalb des Rampenlichts: Heiko F. Dürrschnabel (links) mit Hartmut Engler auf der Bühne des Kurhauses Baden-Baden.

      Foto: Rafael Krötz

      Außerhalb des Rampenlichts: Heiko F. Dürrschnabel (links) mit Hartmut Engler auf der Bühne des Kurhauses Baden-Baden. (Quelle: Rafael Krötz)

      Eine Stimmbandeinblutung ließ Hartmut Engler tagelang verstummen

      Engler: Es war eine Stimmbandeinblutung. Das erfuhr ich aber erst am nächsten Tag beim Arzt. So eine Verletzung passiert innerhalb von einer Sekunde, da platzt eine Ader, das Stimmband schwillt an und es geht gar nichts mehr. Dann ist Ruhe. Am Abend sollte ich aber noch als Überraschungsgast für den damaligen FC-Bayern-Profi Toni Kroos, der PUR-Musik sehr mag, im Aktuellen Sportstudio "Abenteuerland" singen. Ich bin hingefahren und habe den Leuten eher zugeflüstert als gesagt: "Ich kann nicht, ich bin heiser vom Proben und froh, dass ich überhaupt mit euch sprechen kann."

      "Der Spezialist in Münster sagte: 'Sie müssen die ersten drei Konzerte absagen!' Da habe ich angefangen zu flennen"

      Und die Heiserkeit blieb?

      Engler: Ja, ich ging zuerst zu meinem Arzt im Stuttgarter Marienhospital und war dann bei einem Spezialisten in Münster. Der sagte nur: "Herr Engler, Sie singen die Premiere – und zwar schlecht. Und am nächsten Tag ist das Stimmband doppelt so dick, dann geht gar nichts mehr! Sie müssen die ersten drei Konzerte absagen." Da habe ich angefangen zu flennen.

      Stimmt es, dass es die erste Absage nach mehr als 30 Jahren PUR war?

      Engler: Richtig, es war eine Ausnahmesituation. Ich wusste nicht, wie man damit umgeht. Ich bin raus aus der Praxis und habe die anderen angerufen. Es gab eine Krisensitzung. Zuerst mussten wir drei Konzerte absagen, aber ich habe bald gespürt, dass das nicht reichen würde. Am Ende waren es sechs.

      Und in diesem Moment kamen Sie ins Spiel, Herr Dürrschnabel?

      Heiko F. Dürrschnabel: Genau. Ich war gerade auf der Heimreise vom Ski­urlaub, als mich der Manager der Band anrief: "Die Tour kann morgen nicht starten", sagte er. Ich dachte, der veräppelt mich. Natürlich waren die Premiere und alle anderen Konzerte seit Monaten ausverkauft. In Halle freuten sich über 10.000 Zuschauer auf das Konzert, die Bühne stand, das Catering, die Security, die ganze Logistik. Wenn eine so große Band wie PUR auf Tour geht, hängt da wahnsinnig viel dran.

      Allianz Versicherung kam für die Kosten auf

      Was konnten Sie als Versicherungsvertreter für die Band tun?

      Dürrschnabel: Im ersten Moment war es am wichtigsten, die Band zu beruhigen, alle Fakten zu sammeln und dann den Schadenfall so schnell und geräuschlos wie möglich abzuwickeln. Wem es so schlecht geht wie Hartmut damals, der sollte nicht noch mit der Regulierung belastet werden. Ich habe damals gemerkt, dass Hartmut wirklich am Boden war.

      Konnten Sie helfen?

      Dürrschnabel: PUR hatte bei der Allianz eine sogenannte Veranstaltungsausfallversicherung abgeschlossen. Eine solche Versicherung springt ein, wenn Konzerte abgesagt werden müssen. Die Allianz ist für alle Kosten, die durch die Verschiebungen angefallen sind, aufgekommen.

      War der Schaden groß?

      Dürrschnabel: Locations, Veranstalter, Partner, Hotels – das alles musste für sechs Konzerte storniert werden. Es wurden Abstandszahlungen fällig. Sie können sich vorstellen, dass da eine große Summe zusammenkommt.

      Engler: Und es hätte noch schlimmer kommen können. Zum Zeitpunkt der ersten Absagen wussten wir noch nicht, ob es bei den sechs Konzerten bleiben würde. Oder wann wir die Konzerte nachholen könnten. Das war ein sehr mulmiges Gefühl. Alles musste organisiert werden, um die Tournee zu retten. Und ich saß untätig im Hotelzimmer, weil eine kleine Ader nicht mitmachte und ich keinen Ton rausbekam.

      "Ich bin ein wahnsinnig guter Hinfaller, aber ein noch besserer Aufsteher", sagt Hartmut Engler.

      Foto: Rafael Krötz

      "Ich bin ein wahnsinnig guter Hinfaller, aber ein noch besserer Aufsteher", sagt Hartmut Engler. (Quelle: Rafael Krötz)

      Klingt wie ein Albtraum …

      Engler: Ich wartete jeden Tag auf Besserung, aber nach zwei Tagen hatte sich noch fast nichts getan. Auch als der Arzt sein Okay gab und es in München endlich losging, war es nicht so, dass zwei blendend weiße Stimmbändchen nebeneinander vibriert hätten.

      Haben Sie Angst, dass so etwas wieder passiert?

      Engler: Nein, weil es sich ohnehin nicht beeinflussen lässt. Vor zehn Jahren hatte ich schon einmal Probleme mit den Stimmbändern, es bestand der Verdacht auf Stimmbandkrebs, einhergehend mit einer Einblutung. Man muss so was ausblenden.

      Bei Ihrem Manager war es kein Verdacht – er hatte wirklich Krebs.

      Engler: Ja, es traf Uli Roth und seinen Zwillingsbruder. Uli hatte eine Krankenvollversicherung bei der Allianz, die unter anderem einen Spezialisten in Deutschland ausfindig machte, der dann beide operierte. Mittlerweile ist der Krebs geheilt. Für Uli war es damals unglaublich wichtig, dass da jemand half, dem er vertrauen konnte.

      "Ich habe das Glück, Menschen um mich zu haben, auf die ich mich komplett verlassen kann"

      Ist es für einen Prominenten wie Sie schwierig, jemandem zu vertrauen?

      Engler: Eigentlich nicht. Ich habe das Glück, Menschen um mich zu haben, auf die ich mich komplett verlassen kann. Natürlich ist diese Einstellung manchmal blauäugig, und man fällt ab und an auf die Schnauze. Aber unterm Strich wurde mein Vertrauen mehr belohnt als ausgenutzt.

      Zählt Ihr Versicherungsvertreter zu Ihren Vertrauenspersonen?

      Engler: Heiko und ich kennen uns schon lange, und er versichert mich auch privat. Da wächst mit der Zeit das Vertrauen. Ich weiß genau, wenn ich anrufe und sage: "Ich habe einen Hagelschaden!", dann kümmert er sich darum und denkt nicht: "Der Hartmut braucht mal wieder Geld."

      Mal abgesehen von den Konzert­absagen: Mussten Sie schon viel für Herrn Engler arbeiten?

      Dürrschnabel: Einen Hagelschaden hatten wir noch nicht, aber Sturm. Da wurde ein Nachbarzaun beschädigt, ein Garagendach und ein Gartenhaus, glaube ich. Alles zuverlässig geregelt.

      Das Wichtigste für einen Versicherer: das Vertrauen des Kunden

      Wie wichtig ist Vertrauen für Sie?

      Dürrschnabel: Das Wichtigste. Ich kann beim Abschluss einer Versicherung nur ein Versprechen verkaufen. Das Versprechen, dass im Ernstfall jemand da sein wird. Ohne das Vertrauen des Kunden geht es nicht. Und wenn etwas passiert, muss ich alles schnell und unbürokratisch regeln, um mein Versprechen einzulösen.

      Engler: Meine Eltern zum Beispiel haben immer verglichen und die günstigste Versicherung abgeschlossen. Das war eher selten die Allianz. Wenn aber etwas passiert ist, war der Vertreter der günstigen plötzlich nicht mehr erreichbar oder ganz weit weg. Es war immer schwierig und langwierig. Wenn bei mir etwas ist, sagt Heiko nur: "Ist gut, geh du wieder ins Studio und mach Musik!"

      Zuletzt machten Sie bei der Fernsehsendung "Sing meinen Song – Das Tauschkonzert" mit. Warum?

      Engler: Es war eine Chance, zur Primetime im Fernsehen richtig gute Musik zu machen – und die wollte ich nutzen. Denn so etwas kommt bei Fernseh­produktionen heute eher selten vor.

      Das Konzept ging auf, die Einschaltquoten waren ausgezeichnet.

      Engler: Ja, ich habe mich sehr über die positiven Reaktionen auf die Sendung und eine spürbar größere Akzeptanz bei Kollegen und in der gesamten Musikbranche gefreut. PUR ist nicht nur erfolgreich, sondern hat auch eine interessante Geschichte zu bieten.

      War das früher anders?

      Engler: Da war viel Unverständnis für unseren Erfolg und die Musik, die wir machen. Auch von Journalisten bezogen wir oft Prügel. Natürlich gibt es immer Neider, aber unsere musikalische Qualität steht für sich.

      Wie gehen Sie mit Kritik um?

      Engler: Ich denke, wir müssen nicht jedem gefallen. Und künstlerisch haben wir das eine oder andere geleistet, das man anerkennen darf. Ich verstehe aber, dass ich in frühen Jahren durchaus eine Angriffsfläche bot mit meinen langen Zotteln, dem Ohrring und den Liedern von Funkelperlenaugen. Damit war ich ein Geschenk für alle, die draufhauen wollten. Das hat sich aber im Laufe der Jahre spürbar geändert.

      "In meinen Liedern kann ich Eigentherapie betreiben"

      Waren Sie bisweilen verletzt?

      Engler: Ich bin ein wahnsinnig guter Hinfaller, aber ein noch besserer Aufsteher. Und in meinen Liedern kann ich quasi Eigentherapie betreiben. Deshalb funktionieren sie auch so gut, denn irgendwie hat doch jeder ähnliche Probleme.

      Was Sie singen, ist also die ganz normale Realität?

      Engler: Das bekommen wir oft zu hören: die Normalos von PUR. Zum Geburtstag hat mir ein Gitarrist mal eine Karte geschrieben. Er hatte zu der Zeit bereits für alle großen deutschen Künstler gespielt. Und auf der Karte stand: "Von allen Verrückten bist Du mir der Normalste!" Das fand ich schön.

      Fürchten Sie nicht, in Ihren Liedern als Sittenwächter rüberzukommen?

      Engler: Ich habe die Moral nicht gepachtet und mache selbst nicht alles richtig. Aber ich habe tatsächlich den Anspruch, ein besserer Mensch zu werden, mich stetig weiterzuentwickeln. Es fängt ja im Kleinen an: Wie verhalte ich mich gegenüber einem Kellner im Restaurant? Bin ich nett zur Bäckereiverkäuferin? Deshalb entstehen Songs wie "Achtung", und das führt sich fort in der Verantwortung, was man den Menschen vorsingt.

      Im Winter gehen Sie damit wieder auf Tour. Hält diesmal das Stimmband?

      Engler: Ich komme gerade vom Arzt. Ein Routinecheck mit Ultraschall, Belastungstest auf dem Rad et cetera. Offensichtlich kann man mich auch mit 53 Jahren problemlos durch den TÜV schicken. Die Untersuchung musste
      ich für die Allianz machen lassen. Sie war Voraussetzung, um wieder die Veranstaltungsausfallversicherung abzuschließen. Aber ich bin mir sicher, die Stimme hält. Und wenn’s doch wieder passiert, ist zumindest Heiko da.

      Dürrschnabel: Dann würdest du dich sicher wieder entschuldigen. Vor zwei Jahren konntest du nur drei Worte ins Telefon hauchen: "Tut mir leid."

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