Kundenbericht Allianz Deutschland Lebensphasen. Steh auf – trotz Schicksalsschlag!
Fotos: Lêmrich, Privat

Boris Grundl bricht sich mit 25 Jahren beim Klippenspringen das Genick. Er lässt sich nicht unterkriegen – und wird Millionär.

Boris Grundl wirft seine Worte wie 
Bälle ins Publikum. „Wenn Sie sich auf das konzentrieren, was Sie ändern können“, ruft er in andächtiges Schweigen, „dann bekommen Sie eine Haltung, die Menschen lieben, die Mitarbeiter lieben und die Ihre Partner lieben.“ Grundl 
ist an diesem Herbsttag Hauptredner beim Dell
 EMC Forum, zu dem das IT-Unternehmen Kunden und Partner geladen hat. „Die Magie des Wandels“ flimmert über die Leinwand hinter ihm. Dass es in seinem Vortrag nicht um IT geht, stört niemanden. Die Zuhörer in dem großen Saal auf dem Frankfurter Messegelände kleben auf ihren Stühlen, sie strecken ihre Smartphones in die Luft und fotografieren die Präsentation. Grundl – schwarze Hose, hellblaues Hemd, kaum wahrnehmbarer schwäbischer Dialekt – spricht mit einer Intensität, die einen vergessen lässt, dass er sich dabei kaum bewegt. Er sitzt im Rollstuhl.

Grundl ist einer der erfolgreichsten Trainer und Redner Deutschlands. 
Seit mehr als 15 Jahren berät und inspiriert er Führungskräfte großer und kleiner Firmen, hilft ihnen dabei, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren 
und sich so weiterzuentwickeln. Er ist gefragt, weil er weiß, wovon er 
spricht, wenn er über Wandel redet und über alles verändernde Zäsuren. 
Er hat es schließlich selbst erlebt.

„Aus heutiger Sicht war das völlig unsensibel mir selbst gegenüber, meine Intuition so zu übergehen”, beschreibt er heute den Moment. „Aber ich hielt mich damals halt für unsterblich.“ Schon beim Aufkommen aufs Wasser merkt er, dass etwas nicht stimmt. Er taucht ein, doch statt nach oben zu schwimmen, geht der 25-jährige Sportler, der Soldat, der Unbesiegbare, unter wie ein Stein. „Das war wie ein Verrat meines Körpers an mir. Ich dachte: Das kann doch nicht sein, ich bin doch unsterblich, ich kann doch alles“, erinnert er sich.

Sein Freund zieht ihn aus dem Wasser. 
Am Strand fühlt sich Grundls ganzer Körper an, als wäre er eingeschlafen. Wirbelsäule, das weiß er sofort. „Mir war nach 20 Sekunden klar, dass ich mein Leben im Rollstuhl beenden werde.“ Ein Boot bringt ihn vom Strand in eine nahe Klinik. Die Diagnose: Hals überdehnt, siebter Halswirbel gebrochen, Muskeln zu 90 Prozent gelähmt. In einer Notoperation wird eine Klammer gesetzt, die seine Wirbelsäule stabilisieren soll, anschließend bringt ihn ein Flugzeug 
des Roten Kreuzes nach Deutschland zurück.

Nach einer weiteren Operation, in der Splitter seines Wirbels entfernt werden, findet sich Grundl in einem Wendebett wieder – in einem Körper, der sich nicht mehr anfühlt wie der seine. Sein Hals klemmt in einer Schiene, abgeschnitten von jeder Bewegung wird er alle paar Stunden mechanisch vom Rücken auf den Bauch gedreht, damit er sich nicht wundliegt. 
Es habe für ihn, sagt er, in dieser Zeit nur zwei Perspektiven gegeben: Decke und Boden, sonst nichts. Seine neue Situation droht ihn zu erdrücken. Der sportliche junge Mann, der Tennisspieler, der Gewinner scheinen ihm verschwunden – übrig bleibt nur die Einsamkeit. Selbstmitleid und Zweifel überrollen ihn, und immer wieder die Frage, was sein Leben jetzt noch wert sei. Einmal bittet er eine der Pflegerinnen darum, sich einfach nur neben ihn zu setzen und seine Hand zu halten, bis er einschläft. „Ich habe mich in dieser Zeit oft nur aufs Atmen konzentriert, um meinen Kopf leer zu bekommen.“

Kurzer Augenblick mit langen Folgen
Ein Unfall passiert in Bruchteilen von Sekunden. Die Folgen belasten unter Umständen ein Leben lang. Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt nach Unfällen in Schule und Arbeit nur Kosten für die notwendige medizinische Versorgung und Reha. Kapitalleistungen für Umbau, ein neues Auto oder besondere Hilfsmittel und Therapien sind dabei nicht vorgesehen. Eine private Unfallversicherung bietet diese finanzielle Hilfe und steht zudem ab der ersten Sekunde mit Rat und Tat zur Seite – egal, wann und wo der Unfall passiert. Gerade bei langfristigen Folgen können Berufsunfähigkeits- und Pflegeversicherung eine Unfallversicherung sinnvoll ergänzen.

Drei Stunden, um sich anzuziehen

Nahezu vier Wochen liegt Grundl so da, bevor er in ein normales Bett umziehen kann. Fast alles muss er sich neu aneignen: Er übt, sich selbst aufzurichten, eine Gabel zu halten, mit einer Logopädin lernt er nach einer Stimmbandlähmung das Sprechen neu. Langsam macht er Fortschritte. Als sein rechter Daumen zum ersten Mal wieder zuckt, liegt darin eine ganze Welt, seine Zukunft, alle Möglichkeiten. Er beginnt, seine neue Wirklichkeit anzunehmen. An einem Morgen im Krankenhaus schließlich erkennt er, dass diese Wirklichkeit auch eine gute sein kann. Auf der Seite liegend wacht er um 4:13 Uhr auf, draußen hängt noch die Dunkelheit über dem Tag. Sein Rollstuhl steht neben dem Bett. „Ich darf den benutzen“, denkt er sich dankbar. Er beschließt aufzustehen. Knapp drei Stunden braucht er, um sich notdürftig anzuziehen. Er hievt sich in den Rollstuhl, verlässt sein Zimmer und fährt zu einem kleinen Sportplatz auf dem Klinikgelände. Als über ihm die Sonne aufgeht, beginnt er vor Glück zu weinen, und noch mehr als 
25 Jahre später legt sich Rührung über seine Stimme, wenn er davon erzählt.

Nach neun Monaten darf Boris Grundl die Klinik verlassen. Er zieht zurück nach Köln; in einem Projekt für Senioren, Familien und Menschen mit Behinderung findet er eine Wohnung. Dort angekommen, beginnt er, sich Stück für Stück ins Leben zurückzukämpfen. Immer wieder muss er Rückschläge einstecken. Bei seinem ersten Einkauf merkt er, dass er sich daran gewöhnen muss, für die einfachsten Dinge ab jetzt länger zu brauchen als andere. Als er an der Kasse steht – die wartenden „Fußgänger“ hinter 
ihm –, wird er so nervös, dass ihm alles hinunterfällt. Morgens aufzustehen, sich anzuziehen und einkaufen zu gehen, raubt ihm anfangs seine ganze Kraft: Danach ist er meist so müde, dass er sich wieder hinlegen muss. 
Er ist auf Sozialhilfe angewiesen in dieser Zeit. Man müsse mal sehen, wo 
man ihn unterbringt, sagen sie ihm im Arbeitsamt. „Das war brutal, daran 
bin ich fast zerbrochen“, erinnert sich Grundl. Im Nachhinein ist das sein Erweckungsmoment.

Er will nicht mehr versorgt werden. Und beschließt, sich selbst unterzubringen. Nach einem Dreivierteljahr betritt er zum ersten Mal wieder seine Fakultät, er will sein Diplom abschließen. Da er nicht mehr Tennis spielen kann, belegt er im Nebenfach Psychologie. Sein Fachwissen nutzt er trotzdem: Für seine Abschlussarbeit erstellt er die erste systematische Analyse für Rollstuhltennis und erhält nach eigener Aussage als erster hochgelähmter Rollstuhlfahrer in Deutschland sein Diplom in Sportwissenschaften.

„Ich habe mich in dieser Zeit so auf dieses Ziel ausgerichtet, da würde ich heute sagen: Mensch, du bist doch bescheuert“, erzählt Grundl an diesem Nachmittag in Frankfurt. Dann wird er ernst: „Wenn du so weit unten bist, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder du ergibst dich deinem Selbstmitleid, oder du tust etwas. Aufrappeln ist alles, was zählt.“ Frisch von der Uni findet Grundl einen Job bei einer Firma für Rehaprodukte, statt Sozialhilfe bekommt er jetzt ein Führungsgehalt. Er kauft drei Grundstücke neben dem Haus seiner Eltern und beginnt zu bauen – Bungalow, versteht sich: „Ich habe was gegen Stockwerke“, sagt er und lacht.

Lehre als Lebenssinn

Auch zum Sport findet er zurück. Er fängt an, Rollstuhltennis zu spielen, wird deutscher Meister. Und trotzdem hört er schnell wieder auf damit: „Es erfüllte mich nicht mehr so wie vor dem Unfall, als Fußgänger war das einfach schöner.“ Er beginnt, nach einem neuen Sport für sich zu suchen, und findet Rollstuhlrugby. Und weil er das mit der gleichen Energie verfolgt wie alles andere auch, dauert es nur zwei Jahre, bis er Nationalspieler und dann bester europäischer Spieler wird. 2000 fliegt er für Deutschland zu den Paralympics nach Sydney. Er wird ins Sportstudio eingeladen – weil er nicht nur spielen, sondern auch ganz gut reden kann, sagt er.

Seine wirkliche Berufung entdeckt Grundl allerdings anderswo. Auf der Suche nach Sinn, nach einer Daseinsberechtigung findet er zur Lehre. Schon als Produktmanager hat er immer wieder Seminare gegeben. Als er aus Australien zurückkommt, beschließt er, sein Geld nur 
noch damit zu verdienen. 2001 macht er sich 
als Coach und Seminarleiter selbstständig. „Ich 
war schon als Tennislehrer gut, und mir wurde klar, dass meine wirkliche Begabung nicht 
das Tennisspielen, sondern das Lehren war.“

Seitdem sind 16 Jahre vergangen. Heute ist Boris Grundl ein hochbezahlter Redner und Trainer in Deutschland, er hat mehrere Bücher geschrieben, leitet eine Leadership-Akademie mit 15 Mitarbeitern. Aber da ist noch mehr: Da sind seine Frau und seine zwei erwachsenen Kinder, die er mit großgezogen hat. Da ist sein Porsche 911 Turbo S, den er selbst fährt. Da ist auch die Tatsache, dass er nicht mehr arbeiten müsste, wenn er keine Lust mehr hätte, und da sind die 50-Kilometer-Touren, die er in seiner Freizeit mit einem Elektro-Handrad fährt.

Deshalb, sagt er, gebe es auch jeden Tag diese ein, zwei Momente, in 
denen er seinem Schicksal heimlich und ein wenig trotzig die Zunge herausstreckt. Weil er sich eben auf die Dinge konzentriert, die er verändern 
kann – und sie dann ändert. Als Boris Grundl sich verabschiedet – „ich muss morgen nach Spanien“ –, ist man überrascht, wie sanft sich sein Händedruck anfühlt. Weil man fast vergessen hätte, dass er querschnittgelähmt ist.

1.600 …
… Menschen werden in Deutschland jährlich querschnittgelähmt, vier Prozent von ihnen, also mehr als 60, erleiden wie Boris Grundl bei Badeunfällen bleibende Lähmungen.

Kundenbericht Allianz Deutschland Lebensphasen. Steh auf – trotz Schicksalsschlag!

Gesamtverband der deutschen Versicherungs­wirtschaft e.V (Hg.): Freizeitgefahr – Verteilung der Unfälle, Allgemeine Unfallversicherung, Scha­denstatistik 2014, Berlin November 2016, S. 7–10.

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