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      Andrew Bosomworth ist Deutschland-Investmentchef des Allianz Vermögenverwalters PIMCO. (Quelle: Victor Jon Goico)

      Interview mit Andrew Bosomworth 11. Februar 2016

      Sparen die Deutschen richtig, Mister Bosomworth?

      Text: Daniel Aschoff und Christian Thiele
      Foto: Victor Jon Goico
      Andrew Bosomworth, Deutschland-Investmentchef des Allianz Vermögenverwalters PIMCO, über den grundlegenden Unterschied zwischen Investments und Wetten, seine Arbeit auf der Reeperbahn - und Opossums.

      azd.de: Wie viel Taschengeld haben Sie als Kind bekommen?

      Bosomworth: Gar keins.

      Ist das nicht üblich in Neuseeland, wo Sie geboren und aufgewachsen sind?

      Weiß ich nicht mehr. Aber ich erinnere mich, dass mir meine Großeltern aus Schottland immer zum Geburtstag ein Kuvert mit einer Pfundnote schickten. Das waren ungefähr drei neuseeländische Dollar – für ein Kind gefühlter Reichtum, und das zahlte ich dann immer auf mein Sparbuch bei der Postbank ein.

      Keine wirklich renditestarke Anlageform...

      Wir hatten außerdem Walnussbäume hinterm Haus, und ich habe die Nüsse gesammelt und verkauft. Später habe ich Brennholz und dann Opossumpelze verkauft. Erst an der Uni habe ich mich mit Aktien und Anleihen beschäftigt.

      Opossums?

      Ja, damit habe ich richtig gutes Geld verdient. Tierschützer hören das nicht gerne, aber in Neuseeland sind diese Tiere eine Landplage. Die fressen die Naturwälder auf.

      Durchaus ungewöhnlich war auch eine Ihrer ersten Einnahmequellen in Deutschland...

      Ich habe mich im Studium als Spielautomatenentleerer über Wasser gehalten. Zum Teil mussten wir die Automaten zweimal täglich entleeren, weil sie randvoll mit Fünf-Mark-Stücken waren. Die Leute damals haben gespielt wie verrückt...

      Verändert das den Umgang mit Geld?

      Ich habe dort gelernt, nicht mit Geld zu wetten. Auch Lotto mag ich nicht. Das kommt sicher auch aus dieser Zeit.

      Geht man als Manager von Vermögensfonds nicht auch manchmal Wetten ein?

      Nein. Manchmal geht eine Investition nicht so auf wie geplant. Wetten heißt, dass man eine Münze in die Luft wirft und abwartet, welche Seite auf den Boden fällt. Aber eine Investmentstrategie ist schon etwas ganz anderes.

      "Wer investieren will, darf nicht zu sparsam sein"

      Inwiefern?

      Natürlich geht man auch ein bestimmtes Risiko ein. Aber unsere Strategien beziehen sich immer auf einen langen Zeitraum. Das heißt, gewisse Kursschwankungen muss man auch mal aussitzen. Und hinter der Entscheidung, Aktien oder Anleihen zu kaufen oder zu verkaufen, steckt immer eine Menge Analyse. Sowohl in Hinblick auf volkswirtschaftliche Entwicklungen als auch auf Unternehmen, ihre Geschäftsmodelle, ihre Profiterwartungen und so weiter.

      Sie sind also ein sparsamer Mensch. Haben Sie schon mal am falschen Ende gespart?

      Als ich 2001 für den Wechsel zu PIMCO mit meiner Familie nach München umgezogen bin, haben wir uns ein Haus gekauft, schlüsselfertig ab Bauträger, wie das hier heißt. Mit meiner Mischung aus schottischem Geiz und neuseeländischer Selbermacher-Mentalität habe ich damals entschieden: "Das Budget ist am Ende, den Baugutachter sparen wir uns!" Das war ein Fehler, der uns richtig Geld gekostet hat, weil wir das ganze Dach erneuern mussten. Wer investieren will, darf nicht zu sparsam sein.

      Sparen die Deutschen richtig?

      Die Deutschen haben sehr viel Geld auf der Bank liegen, das liegt sicher an der Angst vor Altersarmut und dem Wissen darum, dass die staatliche Rente doch nicht ausreichen wird. Sie investieren ihr Gespartes allerdings weniger in Aktienmärkte oder in andere Produkte, die vor Inflation schützen. Das sollte sich ändern.

      Der Deutschland-Investmentchef von PIMCO ging früher auf Opossum-Jagd.

      Foto: Victor Jon Goico

      Der Deutschland-Investmentchef von PIMCO ging früher auf Opossum-Jagd. (Quelle: Victor Jon Goico)

      Was genau muss sich ändern?

      Ich würde die Verpflichtung – von Arbeitnehmer und -geber – zur Einzahlung eines bestimmten Gehaltsanteiles in Betriebsrentenkassen einführen. Und dann müssten an den Schulen die Grundlagen in Sachen Finanzen inklusive Sparen, Gesundheitssystem sowie medizinische Versorgung unterrichtet werden. Deutsche Schüler können über Kant und Goethe reden, aber keiner bringt ihnen bei, wie sie mit Geld umgehen sollen.

      Wenn Sie es ihnen beibringen müssten – was wäre die wichtigste Lektion?

      Schon die jungen Leute sollten Monat für Monat ein bisschen was zur Seite legen – und dabei auf die breite Streuung und Gebühren des Sparvehikels achten. Aktiv- und Passivfonds können da einfach geeigneter als Einzelaktien oder Anleihen sein.

      Sie als Rentenfondsmanager raten zu Aktien?

      Ja, wer jung ist, kann mehr Risiko eingehen und einen größeren Teil in Aktienfonds halten.

      Wir sind Anfang 40. Sind wir da noch jung?

      Also, ich bin gerade 50 geworden, und da muss man aufpassen, dass die Anlagen verteilt sind zwischen renditestärkeren Aktien- und sichereren Rentenmärkten. Es kann auch 10, 15 Jahre dauern, bis sich Aktienmärkte von einem Crash erholt haben.

      "In der Anfangsphase mehr in Aktien investieren, später mehr in Renten"

      Im Allianz Universum gibt es ja drei Möglichkeiten der Anlage: die Lebensversicherung, PIMCO und Allianz Global Investors (AGI). Wie passt das zusammen?

      Da vergleichen Sie jetzt ein Produkt mit zwei Unternehmen. Grundsätzlich besteht ein vernünftiger Lebenssparplan aus unterschiedlichen Zutaten, die gar nicht so kompliziert sind: In der Anfangsphase sollte man mehr in Aktien investieren, in der Endphase mehr in Renten, damit man dann im Alter auch die entsprechende Liquidität hat. Und der Allianz Konzern mit seinen Töchtern und Anlageprodukten deckt die gesamte Bandbreite ab.

      Wenn ich mein Geld in PIMCO Fonds stecke, dann betreibe ich ja so eine Mischung aus Sparen und Investieren. Warum können Sie das bei PIMCO besser als ein Laie wie ich?

      Wir haben mit unseren Experten den Blick auf die Weltwirtschaft im Ganzen, sehen damit Chancen und können Pannen vermeiden, was ich als Privatperson so gar nicht leisten kann. Außerdem, wenn ich als Privatperson diese Aktie oder jenen ETF kaufe oder verkaufe, verlangt die Bank Gebühren. Als institutioneller Anleger kaufen wir viel größere Volumina ein und können diese Kosten reduzieren.

      Heute lesen wir über den Grexit in der Zeitung. Morgen über den Krieg in der Ost-Ukraine. Unruhige Zeiten für Anleger. Mit welchen Renditen sind Sie bei PIMCO denn derzeit zufrieden?

      Ein Kunde von uns, der eine große Pensionskasse für seine Mitarbeiter verwaltet, sagte mir neulich, er habe seine Erwartungen für das aktuelle Jahr auf null gesetzt. Auf dem europäischen Rentenmarkt sind für hochwertige Anlagen kaum mehr als 1 Prozent zu erwarten. Wer in sogenannte High Yield Bonds investiert, bekommt im Augenblick etwa 5,5 Prozent Rendite – aber dafür geht man auch ein deutlich höheres Risiko ein. Weil das Wirtschaftswachstum niedrig ist, muss man mit den Renditeerwartungen derzeit also bescheiden sein, und man darf nicht vergessen, dass Aktien für einen langen Anlagehorizont gedacht sind.

      PIMCO verwaltet über 1,5 Billionen Dollar weltweit, in Europa sind es rund 500 Milliarden Euro. Wie lebt es sich als Deutschland-Chef mit dieser Verantwortung?

      Ach, es kommt nicht so sehr auf die Summe an. Sondern mehr darauf, was mit dem Geld passiert, also ob wir ordentliche Renditen für die Kunden erwirtschaften können. Wichtig ist da, dass die Performance stimmt.

      "Unser Geschäftsmodell basiert auf dem Vertrauen unserer Kunden"

      Und wenn die mal nicht stimmt?

      ... dann kann ich nicht ruhig schlafen. Und das ist schlecht, weil ich viel Schlaf brauche. Als Vermögensverwalter basiert unser Geschäftsmodell auf dem Vertrauen unserer Kunden, dass wir ihr Geld nachhaltig vermehren. Manchmal sind unsere Konkurrenten besser, und wir verlieren einen Teil der Kundengelder. Die zurückzubekommen ist nicht einfach.

      Wir haben jetzt viel über Sparen und Anlage gesprochen. Aber haben Sie auch eine gute Strategie zum Geldausgeben?

      Meine Strategie lautet: lieber gute Qualität und dafür richtig als häufig und schlecht.

      Was meinen Sie damit?

      Ich kaufe sehr gern einmal im Monat beim Erzeugermarkt Bio-Ochsenkoteletts. Die dürfen kosten, was sie wollen, so gut sind die – das sollte der Metzger jetzt vielleicht nicht lesen. Oder schauen Sie sich meine Uhr an. Die hat vor fast 20 Jahren 2000 Mark gekostet, und sie läuft immer noch wie am ersten Tag. Heute würde sie das Doppelte kosten.

      Keine schlechte Wertanlage eigentlich!

      Ja, ich würde sie mir sofort wieder kaufen – aber sie will einfach nicht kaputtgehen. Oder der Smoking für den Abiball meiner Tochter. Den habe ich mir schneidern lassen: Das Design hat es vor 50 Jahren gegeben und wird es in 50 Jahren wahrscheinlich genauso geben. Das heißt, ich werde mir in diesem Leben keinen zweiten Smoking kaufen.


      Dieser Text stammt aus dem Allianz Deutschland Kundenmagazin "1890", Ausgabe 1/2016 zum Schwerpunkt Verzicht. Das ganze Heft finden Sie zum Download in unserer Mediathek.

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      Economic Outlooks und mehr auf der deutschen PIMCO Website:pimco.de