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      Zusammenspiel: Holger Stromberg (r.) erklärt Jörg de Vries-Hippen, wann und wie Gewürze und Kräuter in den Fond gegeben werden müssen, damit er kräftig und klar wird (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Starkoch Holger Stromberg trifft auf Fondsmanager Jörg de Vries-Hippen 14. Juli 2017

      Reine Topfsache

      Text: Angelika Jockers / Mario Vigl
      Foto: Dirk Bruniecki
      Reichlich Leidenschaft, gute Zutaten, ein Gespür für die richtige Würze, etwas Geduld und viel handwerkliches Können: So bekommt man einen guten Fond. Und einen guten Fonds. Wir haben zwei der Besten ihres Fachs, den Starkoch Holger Stromberg und den Fondsmanager Jörg de Vries-Hippen, an den Kochtopf gebeten.

      Der eine ist Profi für Fonds, der andere auch – aber ganz anders. Jörg de Vries-Hippen leitet das Portfoliomanagement Europa bei Allianz Global Investors und verantwortet seit 2016 den Mix eines der größten AGI-Fonds, des Allianz European Equity Dividend Fund. Holger Stromberg, bis 2017 zehn Jahre lang Koch der deutschen Fußballnationalmannschaft, wacht als Gastronom, Caterer, Koch und Ernährungsberater über Geschmack, Produktqualität und den richtigen Mix im Topf, gern auch bei einem Fond aus Huhn und Gemüse.

      In Strombergs "Kutchiin" in München haben sich die beiden getroffen, um am Herd zum Beispiel der Frage nachzugehen: Was haben ein Koch und ein Anlagespezialist gemeinsam? Auf dem Schneidbrett liegen unter anderem bereit: drei Hühner, Lauch, Zwiebeln, Zitronen und Pilze.

      Spürnase: In seinem Job braucht Jörg de Vries-Hippen (l.) einen guten Riecher. In der Küche auch


      Foto: Dirk Bruniecki

      Spürnase: In seinem Job braucht Jörg de Vries-Hippen (l.) einen guten Riecher. In der Küche auch (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Zwei Fond(s)-Spezialisten unterhalten sich

      Jörg de Vries-Hippen: Ich möchte wirklich gern wissen, wie man einen guten Fond kocht.
      Holger Stromberg: Und ich, wie man einen richtig guten Fonds zusammenstellt.

      De Vries-Hippen: Dann machen wir das doch. Sind wir eigentlich per Du oder per Sie unterwegs?
      Stromberg: In der Küche immer per Du!

      De Vries-Hippen: Wunderbar. Sind das Suppenhühner?
      Stromberg: Nein, ganz normale. Suppenhühner sind schwierig zu bekommen ...

      De Vries-Hippen: Bei mir auf dem Markt kriege ich richtig alte Suppenhühner, schön fettig für eine Brühe, die ich zur Erkältungszeit brauche. Kaufst du gern auf dem Markt ein?
      Stromberg: Das ist das Größte für mich, es hat etwas Beruhigendes, fast Mystisches. Am Viktualienmarkt in München ist ein Stand, dort gibt es Gemüse, da hängen unten noch Wurzeln dran. Wenn du das siehst, fallen dir tolle Sachen ein.
      De Vries-Hippen: Im Prinzip gehe ich ja auch auf den Markt und gucke, was es an Aktien gibt.

      "Wenn es nicht ein Zusammenspiel von Kalkül und Bauchgefühl wäre, bräuchte man keine Menschen" - Jörg de Vries-Hippen

      Stromberg: Handelst du dann nach Bauchgefühl? Oder mit Kalkül?
      De Vries-Hippen: Wenn es nicht ein Zusammenspiel von Kalkül und Bauchgefühl wäre, bräuchte man keine Menschen. Denn dann wäre der Computer vernüftiger. Ich gucke nach, welche Aktien ich haben möchte. Es kann sein, dass sie zu teuer sind oder schlechte Zahlen berichtet haben. Dann muss ich den Bauch sprechen lassen, der mir oft sagt: "Da lassen wir mal die Finger davon." Ich schneide quasi den Sellerie durch und gucke, ob er faul ist.

      Die Zutaten kennen: Das gilt für Aktienfonds genauso wie für Suppen-Fonds

      Stromberg: Den Sellerie kann ich durchschneiden, aber doch keine Firma.
      De Vries-Hippen: Doch, irgendwie schon. Ich würde in einem Sellerie nur rumpulen. Du als Pro machst einen Schnitt und weißt Bescheid. Ähnlich bei mir: Mit meinem Wissen gucke ich mir eine Aktie an, schäle die Geschichten runter, bis ich auf den Kern komme. Und der kann faul sein. Aber zurück zum Huhn. Wie schneidet man das eigentlich richtig?
      Stromberg: Hier ist das Brustbein, das ist ein V-Knochen. Ich muss versuchen, möglichst von hier an den Rippen entlangzufahren. Den Flügelknochen lasse ich dran, sodass wir nachher ein schönes Kotelett haben. Mit wenig Kraft, das Messer findet den Weg von selbst. Hier oben ist das Halsfett, das gehört rein, es gibt Geschmack. Aber Fleisch allein reicht nicht. Ich brauche auch viel Gemüse.

      "Ein Fond braucht Liebe und Zuneigung" - Holger Stromberg

      De Vries-Hippen: Wenn ich dir alle Gemüsesorten der Welt hinlegen würde? Würdest du sie benutzen?
      Stromberg: Auf keinen Fall. Es gibt Zutaten, die schließen sich gegenseitig aus.
      De Vries-Hippen: Das kenne ich. Du kannst die Zeitung aufschlagen, hast da zigtausend Aktien drin. Du musst dir aber für deinen Fonds überlegt haben, wo du hinwillst. Sonst mixt du nachher Bananen mit Knoblauch oder so.

      Zutaten für einen gelungenen Fond

      Stromberg: Ich gebe in einen Fond gern Tomaten rein, die haben eine natürliche Säure, die dafür sorgt, dass das austretende Eiweiß schneller gerinnt. Das steigt dann auf, und ich habe einen klareren Fond. Dazu Knollensellerie und auch Lauch. Von dem aber nur das Innere, das äußerste Grüne nicht, das macht den Fond dunkel und trüb, weil das Grüne grau wird. Man muss auch gar nichts wegschmeißen. Man kann es pürieren und essen. Auch die Schale vom Sellerie, wenn sie ordentlich geschrubbt ist. Wenn ich meinen Fond übrigens vegetarisch mache, dann mit Pilzen. Die sind eine natürliche Protein- und Geschmacksquelle. Vor allem Shiitakepilze.

      Gute Assets: In der Küche sind das frische Produkte wie Pilze, Tomaten und Paprika

      Foto: Dirk Bruniecki

      Gute Assets: In der Küche sind das frische Produkte wie Pilze, Tomaten und Paprika (Quelle: Dirk Bruniecki)


      De Vries-Hippen: Gefällt mir, dass du mit deinen Ressourcen vernünftig umgehst. Auch wir wirtschaften nachhaltig und suchen genau aus, wo wir investieren. Aber wann ist die Gefahr am größten, dass es bei dir schiefgeht?
      Stromberg: Wenn ich dem Topf keine Aufmerksamkeit schenke. Ein Fond braucht Liebe und Zuneigung. Es gibt Küchen, da steht ein Riesenpott und da kommt alles rein. Ohne Sinn und Verstand – Karottenschalen, Entenknochen. So ein Mülleimer kann kein guter Fond werden.
      De Vries-Hippen: Ja, auch beim Fonds gehört Emotion dazu. Und Persönlichkeit. Wenn du nicht mit Liebe rangehst, dich nicht damit beschäftigst, dann ist das eine Mülltonne, die nicht performen kann. Du musst dir die Ruhe nehmen, gut auszusuchen.

      Stromberg: Wie wird man Fondsmanager?
      De Vries-Hippen: Es gibt Privatleute, die ein Händchen für Aktien haben. Wenn du aber für Millionen Anleger verantwortlich bist, musst du den Charakter dazu haben. Geldanlage kann man nicht für ein halbes Jahr machen. Wenn du nicht über längere Zeit Emotionalität, Erfahrung und auch deine Klasse beweist, kommt nichts dabei raus. Die besten Fonds sind die, die am längsten von den gleichen Leuten gemanagt werden. Denn die kennen ihre Geschichte, bleiben bei ihrem Stil.

      "Diese Leidenschaft, dieses Know-how, das musst du spüren und entdecken" - Jörg de Vries-Hippen

      Stromberg: Wie ist dein Stil?
      De Vries-Hippen: Ich spreche mit den Unternehmen ...
      Stromberg: Wie spricht man denn mit Unternehmen? Am Telefon? Oder geht man hin? 
      De Vries-Hippen: Am besten fährst du hin und lässt dir zeigen, was sie machen. Dann siehst du glimmende Öfen, wo Bauteile in speziellen Farben glühen. Und daneben steht der Werksleiter, der dir mit Inbrunst erzählt, was er tut. Und diese Leidenschaft, dieses Know-how, das musst du spüren und entdecken.

      Ob Fondsmanager oder Küchenchef: Letztlich kochen doch alle nur mit Wasser

      Foto: Dirk Bruniecki

      Ob Fondsmanager oder Küchenchef: Letztlich kochen doch alle nur mit Wasser (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Stromberg: Es gibt unter den Fondsmanagern vermutlich viele "Sternschnuppen", die schnell verglühen.
      De Vries-Hippen: Es gibt manche, die für ein, zwei Jahre wirklich gut sind. Aber ich brauche Leute, die kontinuierlich erfolgreich sind. Man darf nie vergessen: Das ist anderer Leute schwer verdientes Geld.

      Stromberg: Was soll ein Mensch machen, der nicht viel Geld hat? Kann der auch was anlegen?
      De Vries-Hippen: Auch wenn man nur 50 Euro im Monat übrig hat, sind Fonds der richtige Weg. Auch wer jung ist, muss daran denken, dass er älter wird. Du brauchst aber jemanden, der dir sagt, was du machen sollst.

      "Ich hatte mal 6000 Mark in Aktien gesteckt. Und dann war alles weg“ - Holger Stromberg 

      Stromberg: Und was sollte man machen? 50 Euro im Monat können die meisten noch aufbringen, die hat man früher verfeiert. Aber der Einstieg ist wahnsinnig schwer.
      De Vries-Hippen: Wer noch 30 Jahre bis zur Pension hat, kann mehr Risiken eingehen. Sollte er auch. Also Aktien. Will er längerfristig anlegen, dann mit Fonds.

      Stromberg: Ich hatte mal relativ viel Geld in Aktien gesteckt, 6000 Mark. Und dann war alles weg. Ich glaube, ich bekam 136 Euro wieder. Da war ich schockiert.
      De Vries-Hippen: Da wurde dir etwas verkauft, was nicht gepasst hat. Jeder sollte sich fragen: Was passt zu mir? Ist es die Hühnersuppe, oder bin ich eher der Erbsensuppen-Typ? Wie viel Risiko kann ich vertragen? Kann ich auch Verluste hinnehmen? Wenn du dafür ein Gefühl hast, wird es relativ einfach, zu investieren.

      Ohne Risiko kann man kein Geld verdienen

      Stromberg: Immer reden alle vom Gewinnen. Ist ja auch schöner. Aber ich könnte auch sagen, ich lege 1000 Euro an und akzeptiere notfalls, dass in zehn Jahren nur 900 rauskommen?
      De Vries-Hippen: Du kannst dir Multi-Asset-Produkte zulegen, bei denen du exakt bestimmen kannst, wie viel Risiko du eingehen möchtest – auf das Prozent genau. Nur: Je weniger Risiko du eingehst, desto weniger Chancen hast du. Ohne ein gewisses Risiko kann man kein Geld verdienen. 
      Stromberg: Das ist klar. Ich wusste nur nicht, dass man so genau steuern kann.

      Mit Gefühl: Holger Stromberg (r.) führt den Fondsmanager in die Kunst ein, ein Huhn zu schneiden – einfach das Messer gleiten lassen

      Foto: Dirk Bruniecki

      Mit Gefühl: Holger Stromberg (r.) führt den Fondsmanager in die Kunst ein, ein Huhn zu schneiden – einfach das Messer gleiten lassen (Quelle: Dirk Bruniecki)

      De Vries-Hippen: Was kommt jetzt?
      Stromberg: Thymian. Der ist bei mir in allen Suppen. Und Lorbeer ist gut für die Atemwege, regt die Verdauung an und übertönt nichts. Wenn er frisch ist, kann man den auch vor dem Braten unter die Haut schieben. Das schmeckt fantastisch. Den Lauch geben wir später zu. Beim Thema Gewürze streiten sich die Gelehrten – ich gebe sie gleich dazu.

      De Vries-Hippen: Und beim Thema Salz?
      Stromberg: Salz wirkt hygroskopisch und zieht Wasser. Wenn ich nicht am Anfang schon Salz reingebe, wird das kein guter Fond.

      "Es wird bitter, wenn du etwas kaufst, von dem du nicht überzeugt bist" - Jörg de Vries-Hippen

      De Vries-Hippen: Und den Pfeffer lässt du weg?
      Stromberg: Wenn ich den am Anfang reingebe, dann als ganzes Korn. Aber generell lieber kurz vor Schluss oder am Tisch, denn Pfeffer oder Chili geben Schärfe. Und die kann ich nicht mehr reduzieren, wenn sie mal drin ist.
      De Vries-Hippen: Das Gleiche kann ich dir auch erzählen: Es gibt Dinge, die solltest du nicht in den Fonds reinmanschen. Es wird bitter, wenn du etwas kaufst, von dem du nicht überzeugt bist.

      Den Film zum Fond mit Holger Stromberg und Jörg de Vries-Hippen finden Sie unter allianzdeutsschland.de/fonds.

      Foto: Dirk Bruniecki

      Den Film zum Fond mit Holger Stromberg und Jörg de Vries-Hippen finden Sie unter allianzdeutsschland.de/fonds. (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Stromberg: Bei uns geht auch mal eine Suppe schief.
      De Vries-Hippen: Bei euch kann man experimentieren, damit man seinen eigenen Stil findet. Da muss ich vorsichtiger sein. Ein Fondsmanager braucht bei mir mindestens zehn Jahre Berufserfahrung, bis ich dem was anvertrauen kann. Der muss gelernt haben, was es heißt, verschiedene Marktphasen durchzustehen. Der muss lernen, dass manche Dinge Zeit brauchen und dass die richtige Komposition eine Rolle spielt. Ich kann ihm nicht erlauben, dass er mit fremder Leute Geld erst mal rumspielt.
      Stromberg: Rumspielen ist bei uns natürlich üblich. So ein Hühnerfond ist das Allerwichtigste in der Küche. Aus dem kann ich auch eine Fischsuppe machen oder mit ein bisschen Limette und Chili eine asiatische Suppe. Es gibt ja diese Rührer am Herd, diese Planlosen, die immer wieder was reinschmeißen. Das darf man nicht. Es muss jetzt ohne großes Rühren köcheln.

      De Vries-Hippen: Für die Planlosen hat der liebe Gott ja den Thermomix erfunden. Nimmt das nicht den Spaß am Kochen?
      Stromberg: Klar, ein guter Koch braucht so ein Gerät natürlich nicht. Aber einem Privatmann, der nicht mit dem Messer umgehen oder kochen kann, sage ich: Kauf dir einen Kühlschrank, eine große Spüle und einen Thermomix. Dann hast du für 5000 Euro eine super Küche.
      De Vries-Hippen: Das hätte ich nicht gedacht ...
      Stromberg: Ich finde den Thermomix gut, weil die Menschen sonst gar nichts Frisches essen würden. Die vertrauen nicht sich selbst und brauchen Hilfestellung. Und das Gerät nimmt die Angst, weil es sagt, was zu tun ist. Auch wenn Köche die Nase rümpfen – das ist die Zukunft.

      Für die Rezeptesammlung: Holger Stromberg und Jörg de Vries-Hippen verraten Ihre Fond(s)-Zusammenstellung.

      Foto: Allianz Deutschland AG

      Für die Rezeptesammlung: Holger Stromberg und Jörg de Vries-Hippen verraten Ihre Fond(s)-Zusammenstellung. (Quelle: Allianz Deutschland AG)

      De Vries-Hippen: Wusstest du eigentlich nach der Schulzeit schon, wo es hingehen soll?
      Stromberg: Ja, immer schon. Die Schule war überflüssig ...

      De Vries-Hippen: Wie soll ich das meinem Sohn erklären?
      Stromberg: Also lesen und schreiben sollte schon jeder können. Aber wenn du Leidenschaft für irgendwas aufbringst, dann musst du nicht studiert haben. Wie viele Menschen brauchen Physik und Chemie in ihrem Leben? Und wie viele bräuchten Ernährungskunde?

      De Vries-Hippen: Gute Idee, wir streichen Physik und Chemie und nehmen Ernährungskunde in den Lehrplan. Und Finanzwirtschaft. Da hapert’s nämlich auch. (Beugt sich über den Topf.) Riecht schon gut!
      Stromberg: Jetzt haben wir einen sehr sensiblen Moment im Topf erreicht. Es brodelt! Nun werden das Eiweiß und die braunen Trübstoffe nach oben geschoben. Wenn wir jetzt viel umgerührt hätten, dann würde unser Fond sicher trüb. So bin ich guter Hoffnung, dass er schön klar wird. Man könnte auch noch ein oder zwei Liter Wasser draufgeben. Aber jetzt braucht es einfach seine Zeit, eine gute Stunde mindestens.
      De Vries-Hippen: Wenn du investierst, brauchst du auch Geduld und Zeit. Wenn du davon ausgehst, dass du in einer Stunde reich bist, hast du Pech gehabt. Das wird niemals funktionieren.