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      Eine OP bei einem Pferd wird schnell zu einem teuren Eingriff. (Quelle: Studio Orel)

      Tierversicherung 15. Oktober 2015

      600 Kilo auf dem Operationstisch

      Text: Mauritius Much
      Foto: Studio Orel
      Ein ärztlicher Eingriff bei einem Pferd ist kompliziert: Die 600 Kilo schweren Tiere müssen erst narkotisiert und dann mit einem Lastenkran in den Operationssaal gehoben werden. Das kann schnell sehr teuer werden. 

      Ganz ruhig steht Dezibel in einer Box der Pferdeklinik Elchingen bei Ulm. Bis auf den OP-Saal sieht sie gar nicht wie ein Krankenhaus, sondern wie ein großer Stall aus – und riecht auch so. Neben Dezibel werden dort gerade sechs weitere Pferde behandelt. Die braune Stute lässt sich von einer Tierarzthelferin am Kopf streicheln, während eine Kollegin das Narkosemittel in eine Kanüle am Hals injiziert. Die Siebenjährige lässt die Prozedur widerstandslos über sich ergehen. "Die Kleine ist eine ganz Coole", sagt Tierarzt Norbert Beer, Anfang fünfzig, dunkle Jeans, blau-grünes Polo-Shirt. Er nippt an seiner Kaffeetasse und überwacht die Handgriffe der Helferinnen. Der Doktor kennt das Tier schon seit Jahren und weiß genau, dass es selbst in einer angespannten Situation wie vor einer Operation ruhig bleibt.

      Ein Kran hievt das Tier in den Operationssaal

      Dann sackt das 600 Kilogramm schwere Tier zusammen. Vorsichtig führt eine Helferin einen Tubus in die Luftröhre ein, um es während der OP beatmen zu können. Ihre Kollegin zieht dicke Seilschlaufen an den vier Beinen fest und befestigt sie an einem Lastenkran. Der ist an der etwa fünf Meter hohen Decke befestigt und kann bis zu zwei Tonnen tragen. Mit der Fernsteuerung in der Hand lässt Beer den Kran auf Schienen aus der Box drei Meter weiter in den Operationssaal fahren – am Haken die Stute mit den Beinen nach oben.

      Die Tierarzthelferinnen narkotisieren das Pferd im Stall. Dezibel ist die Ruhe selbst.

      Foto: Studio Orel

      Die Tierarzthelferinnen narkotisieren das Pferd im Stall. Dezibel ist die Ruhe selbst. (Quelle: Studio Orel)

      Dort legen Beer und seine Assistentinnen das Pferd behutsam auf dem gepolsterten OP-Tisch ab und kippen es nach links. Erst mit einem Langhaarschneider, dann mit einem Nassrasierer entfernt eine Helferin ein Stück Fell oberhalb des Knöchels am linken Hinterbein und wäscht die Stelle dann sorgfältig. Währenddessen bindet sich Norbert Beer Kittel, Mundschutz und seine schwarze OP-Haube um: "Top Doc #1" ist nun auf seiner Stirn zu lesen. Das Selbstbewusstsein speist sich aus seiner Erfahrung: Seit 20 Jahren ist er Pferdearzt, etwa 5000 Operationen hat er bereits durchgeführt. Er ist mit Pferden aufgewachsen, schon sein Vater behandelte sie als Veterinär. Beer selbst bildete Pferde aus und bestritt Wettkämpfe in Dressur oder Springreiten. "Pferde bestimmen mein Leben", sagt Norbert Beer, nimmt das Skalpell vom mobilen Beistelltisch und öffnet die Haut mehrere Zentimeter mit einem geraden Schnitt. Mit einer Schere dringt er dann tiefer ins Bein ein.

      "Kleine Schnitte, große Wirkung"

      Fasziotomie heißt die Operation. Dezibel lahmt seit ein paar Monaten, weil eine Sehne am linken Hinterbein entzündet ist. Weder Bewegungstherapie noch Medikamente halfen. Also durchtrennt Beer mit der Schere Bindegewebe, wodurch die Sehne stärker durchblutet wird und besser heilen kann. Dabei versucht Beer, möglichst wenig zu schneiden. Dann wächst die Wunde schneller zu. "Wir Chirurgen sagen immer: Kleiner Schnitt, große Wirkung", erklärt Beer. Schließlich soll das Springpferd zusammen mit seiner Besitzerin bald wieder problemlos über die verschiedensten Hindernisse bei internationalen Wettkämpfen springen. Denn laut Beer hat die Stute eine gute sportliche Perspektive. Seinen wertvollsten Patienten hatte er allerdings schon vor einigen Jahren auf dem OP-Tisch: Ein Araberhengst aus dem Allgäu im Wert von mehr als einer Million Euro hatte sich die Griffelbeine verletzt. Den Namen des Pferdes will Beer nicht nennen – Arztgeheimnis. Zum Glück verlief die Operation erfolgreich. Er war froh, dass das Pferd gleich nach dem Eingriff wieder abtransportiert wurde. Denn das Risiko, dass der Hengst mehrere Tage in der Klinik regeneriert und sich dabei irgendwie verletzt hätte, war zu groß.

      Norbert Beer und seine OP-Assistentinnen - ein eingespieltes Team.

      Foto: Studio Orel

      Norbert Beer und seine OP-Assistentinnen - ein eingespieltes Team. (Quelle: Studio Orel)

      Die OP heute ist für einen Profi wie Norbert Beer nicht schwierig. Allerdings ist auch so ein Routineeingriff sehr aufwendig – allein, bis ein so großes und schweres Tier narkotisiert und auf den OP-Tisch gelegt ist. Wird ein Pferd jedoch mit einem Darmverschluss in die Klinik eingeliefert, sind auch erfahrene Tierärzte stark gefordert: Dann schneiden sie die Bauchhöhle auf, greifen mit bloßem Arm z. B. nach dem Dickdarm, der bis zu 200 Liter fassen kann, und holen ihn Stück für Stück heraus. Wenn ein Teil des Darms bereits abgestorben ist, trennen sie es ab, vernähen die Enden und legen ihn in die Bauchhöhle zurück. Solche Kolik-Operationen sind für Veterinäre am schwierigsten. Sie können bis zu drei Stunden dauern und schnell 5000 Euro kosten. Aber auch kleinere OPs mit Vollnarkose sind nicht billiger als 1000 Euro. Gerade in akuten Notfällen steht ein Halter nicht selten vor der schwierigen Wahl, ob er die hohen Summen aufbringen kann oder seinen Liebling einschläfern lassen muss.

      Pferde-OP-Versicherung zahlt sich aus

      Deshalb empfehlen Ärzte wie Beer den Haltern eine Pferde-OP-Versicherung. "Die monatliche Versicherungsprämie steht in keinem Verhältnis zu den Kosten, die durch eine solche Operation plötzlich entstehen können", sagt Beer. Denn bei der Allianz, die eine solche Police seit 2012 anbietet, sind 127 verschiedene Pferde-Operationen bei einem monatlichen Beitrag von 34,96 Euro versichert. Seine Kunden hätten mit dem Produkt gute Erfahrungen gemacht, erzählt Beer: "Sie sind mit der Regulierung durch die Allianz sehr zufrieden."

      Neben Fasziotomien und Koliken werden bei der SicherheitPlus genannten Police auch die Kosten für Eingriffe zur Warzenentfernung, zum Ziehen vereiterter Zähne oder Gelenkoperationen mittels Arthroskopie übernommen. Letztere kommt am häufigsten vor. Ähnlich wie beim Menschen schneidet der Chirurg nur zwei kleine Löcher und operiert mithilfe von Kamera und Monitor. "Gute Operateure brauchen dafür nur 15 Minuten reine Operationszeit", erklärt Beer. Auch für ihn selbst ist dieser Eingriff Routine. Richtig stolz macht ihn hingegen, wenn ihm bei einer OP etwas Außergewöhnliches gelingt. Vor ein paar Jahren hatte er an einem Tag bereits zwei Pferde einschläfern müssen, als ein drittes mit einem komplizierten Beinbruch eingeliefert wurde. Das sollte nicht auch noch sterben müssen. Also setzte er ihm sechs Schrauben ein, damit die Knochen wieder zusammenwachsen konnten. Und tatsächlich wurde das Pferd später wieder geritten. "Das war eigentlich unmöglich", erinnert sich Beer zufrieden.

      • Die Tierarzthelferin narkotisiert das Pferd über eine Kanüle. (Quelle: Studio Orel)

        Die Tierarzthelferin narkotisiert das Pferd über eine Kanüle.

        Foto: Studio Orel

      • Eine OP bei einem Pferd wird schnell zu einem teuren Eingriff. (Quelle: Studio Orel)

        Mit dem Kran auf den OP-Tisch: Über einen Tubus wird Pferd Dezibel beatmet.

        Foto: Studio Orel

      • Zum Schluss wird die Wunde vernäht, dann heißt es hoffen, dass Dezibel problemlos wieder aufsteht. (Quelle: Studio Orel)

        Zum Schluss wird die Wunde vernäht, dann heißt es hoffen, dass Dezibel problemlos wieder aufsteht.

        Foto: Studio Orel

      •  (Quelle: Studio Orel)

        In der Aufwachbox: Bald kann Dezibel wieder auf eigenen Hufen stehen.

        Foto: Studio Orel

      • Tierarzt Nobert Beer: "Eine OP ist erst erfolgreich, wenn das Pferd wieder auf den Beinen ist" (Quelle: Studio Orel)

        Die OP ist überstanden - Dezibel steht wieder.

        Foto: Studio Orel

        Nach gut 20 Minuten näht er mithilfe einer Zange die obere Hautschicht von Dezibel zu. "Da sind Fähigkeiten aus der Hauswirtschaft gefragt", sagt Beer. Er arbeitet hochkonzentriert, kann aber nebenbei scherzen. Das spricht für seine große Erfahrung. Den Faden wird er in zehn Tagen ziehen, wenn er Dezibel mit seiner mobilen Klinik zu Hause besucht. So nennt Beer seinen Mercedes Vito, in dem Röntgengeräte, Ultraschall, Endoskopie-Anlage und jede Menge Medikamente untergebracht sind. Mit ihm legt er jährlich rund 100 000 Kilometer im deutschsprachigen Alpenraum zurück – von Pferd zu Pferd. Heute wird er noch einen Abstecher nach Starnberg und ins Allgäu machen. Außerdem war er in dieser Woche schon in Württemberg. Eine eigene stationäre Klinik hat Beer seit fünf Jahren nicht mehr. Viele Operationen führt er deshalb als Belegarzt in der Pferdeklinik Elchingen durch.

        "Eine OP ist erst erfolgreich, wenn das Pferd wieder auf den Beinen ist"

        Dann stülpt eine Helferin die Seilschlaufen über die vier Beine, zieht sie fest und hängt sie an den Haken des Krans. Mit dem Kran transportiert Beer Dezibel in die Aufwachbox und setzt sie sanft auf weichen Sägespänen ab. Zudem ist die Box an den Seitenwänden gepolstert und besitzt einen Gummiboden: Das Aufstehen des Pferdes nach dem Erwachen aus der Narkose ist einer der kritischsten Momente einer Operation. Denn Pferde sind Fluchttiere. Deshalb kann es passieren, dass ein Tier beim Aufstehen umknickt, sich den Fuß bricht und eingeschläfert werden muss. „Daher ist eine OP erst erfolgreich, wenn das Pferd wieder auf den Beinen ist“, sagt Beer, während eine Helferin den Tubus entfernt und die Box schließt.

        Pferd glücklich - alle glücklich: Dr. Eberhard Adamo, Chef der Pferdeklinik Elchingen, mit dem 600 Kilo schweren Patienten.

        Foto: Studio Orel

         (Quelle: Studio Orel)

        Nach einer Viertelstunde geht der Tierarzt zum Sehschlitz der Aufwachbox und schaut hinein. Von drinnen hört man Dezibel schon schnauben. „Alles ist guuut, alles ist guuut“, sagt der Arzt beruhigend. Und tatsächlich erhebt sich die Stute vorsichtig und bleibt stehen. Norbert Beer lächelt, greift zu seinem Handy, wählt die Nummer von Dezibels Besitzerin und sagt: "OP lief gut. Pferd steht wieder!"

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