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       (Quelle: Images/View Stock)

      4. Oktober 2017

      Moment, es geht gleich weiter

      Text: Silja Schriever
      Foto: Images/View Stock
      Um Staus zu reduzieren, setzen Städte auf kreative Verkehrskonzepte. Zehn Beispiele aus aller Welt

      Portland, USA



      Foto: iStock/jcarillet

       (Quelle: iStock/jcarillet )

      Einwohner: 640.000
      Länge der Radwege: 560 km
      Anteil Radverkehr: 7,2%

      Rückwärtsgang: Immer mehr amerikanische Städte verwandeln städtische Highways in Grünflächen für die Bewohner. Eine der ersten ausgedienten Autobahnen, die so beseitigt wurden, um Platz für einen Park zu machen und zugleich den öffentlichen Nahverkehr zu fördern, war der Harbor Drive in Portland. Die Stadt in Oregon führt regelmäßig die Rankings der weltweit klimafreundlichsten Städte an und gilt als Fahrradhauptstadt Nordamerikas: Das Verkehrssystem der Region reicht bis in entlegene Vorstädte und bietet vor allem – exotisch für die USA – ein dichtes Netz an Radwegen. 

      La Paz, Bolivien



      Foto: iStock/saiko3p

       (Quelle: iStock/saiko3p)

      Einwohner: 813.000
      Länge des Seilbahnnetzes: 14,7 km
      Fahrzeuge pro Kopf: ca. 0,15

      In Süd- und Mittelamerika setzen sich Seilbahnen als innerstädtisches Transportmittel immer mehr durch. Denn Staus und überlastete Wege bringen vielerorts die Verkehrsinfrastruktur an den Rand des Versagens. So baute das österreichische Unternehmen Doppelmayr im bolivianischen La Paz das größte urbane Seilbahnnetz der Welt. Im Mai 2017 meldete La Paz nun einen neuen Rekord: Fast 200.000 Menschen nutzten eine der vier effizienten und umweltfreundlichen Seilbahnlinien im Regierungssitz Boliviens, mehr als je zuvor. In der zweiten Phase des Projekts werden zusätzlich noch fünf weitere Seilbahnen gebaut.

      London, Großbritannien



      Foto: Getty Images

       (Quelle: Getty Images)

      Einwohner: 8 674 000
      Mautgebühr für Pkw: 13,60 € pro Tag
      Fahrzeuge pro Kopf: ca. 0,21

      London verfügt schon jetzt über das größte City-Maut-Gebiet der Welt. Dennoch sind die Verkehrsprobleme der englischen Hauptstadt so groß, dass die 2003 realisierte Maut nach Plänen von Bürgermeister Sadiq Khan stark verschärft werden soll. Eine Pro-Meile-Gebühr (Pay per Mile Road Pricing) wird eingeführt, die abhängig von der Länge der zurückgelegten Strecke und der dabei ausgestoßenen Emissionen des Fahrzeugs ist. Diese Strategie reicht bis ins Jahr 2041 und soll dafür sorgen, dass 80 Prozent aller in London zurückgelegten Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad oder zu Fuß absolviert werden. Beschlossen sind außerdem mehr autofreie Zonen, weniger Parkplätze für Autos mit Verbrennungsmotoren und zugleich mehr Raum für Elektrofahrzeuge. Das kurzfristige Ziel: drei Millionen Autofahrten pro Tag in der City einsparen.

      Barcelona, Spanien



      Foto: iStock/J2R

       (Quelle: iStock/J2R)

      Einwohner: 1 620 000
      Länge der Radwege: ca. 250 km
      Fahrzeuge pro Kopf: ca. 0,35

      Ein innovatives urbanes Konzept, das an einen Zauberwürfel erinnert: Die katalanische Hauptstadt experimentiert mit fußgängerfreundlichen "Superilles". Bisher für Pkws frei befahrbare Blocks aus neun mal neun Straßen werden zu fußgängerfreundlichen Zonen umfunktioniert. Nur noch Anwohner und Lieferanten dürfen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 10 km/h in die "Superblocks". Nahezu 60 Prozent der Straßen, die derzeit von Autos genutzt werden, sollen so innerhalb von fünf Jahren in "Bürgerräume" verwandelt werden, um die der Verkehr herumgeleitet wird.

      Freiburg, Deutschland



      Foto: iStock/katatonia82

       (Quelle: iStock/katatonia82 )

      Einwohner: 226 000
      Anteil des Radverkehrs: 34 %
      Fahrzeuge pro Kopf: ca. 0,4

      Millionen Deutsche pendeln – die meisten mit dem Auto. Zwei Drittel der Berufstätigen (68 Prozent) fuhren im vergangenen Jahr mit dem Pkw zum Arbeitsplatz. In Freiburg sieht das anders aus. Der Anteil der mit dem Auto zurückgelegten Wege in der badischen Stadt konnte dank des Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs, der Radwege und Fußgängerzonen seit 1982 auf 21 Prozent halbiert werden. Der Anteil des Radverkehrs am Verkehrsaufkommen stieg von 15 auf stolze 34 Prozent. Nur in Münster sind noch mehr Radfahrer unterwegs. Zudem sind die Stickstoffdioxid-Werte in den vergangenen zwölf Jahren immerhin um etwa ein Drittel zurückgegangen.

      Kopenhagen, Dänemark



      Foto: laif/Thomas Rabsch

       (Quelle: laif/Thomas Rabsch)

      Einwohner: 591 000
      Länge der Radwege: ca. 400 km
      Anteil Autoverkehr: 9 %

      Mehr als 50 Prozent der Menschen in Kopenhagen fahren mit dem Rad zur Arbeit, Schule oder Universität. Und bald werden neue 26 Super-Radschnellwege (Cycle Super Highways) von insgesamt 500 Kilometer Länge Kopenhagens Status als Fahrradhauptstadt der Welt festigen. Insgesamt 22 Kommunen in der Großregion beteiligen sich an dem Projekt. Die extrabreiten Radwege beherrschen das Stadtbild, der Autoverkehr ist mit nur einer Spur in jeder Fahrtrichtung in die Straßenmitten verlagert worden. Eine Rekordzahl von Radfahrern hat 2016 die viel gerühmte Kopenhagener Fahrradbrücke Cykelslangen (Fahrradschlange) genutzt: An vielen Tagen überquerten 20.000 Radler die 190 Meter lange Stahlbrücke und die 30 Meter langen Rampen.

      Helsinki, Finnland



      Foto: Bloomberg via Getty Images

       (Quelle: Bloomberg via Getty Images)

      Einwohner: 630 000
      Anteil Autos am Verkehr: 22 %
      Fahrzeuge pro Kopf: ca. 0,4

      Auf einer Straße in Helsinkis Hafenviertel, zwischen Industriehallen und schicken Restaurants mit Meerblick, pendelt ein futuristisch anmutendes Fahrzeug. Alle paar Minuten stoppt eine Art fahrerlose Seilbahngondel auf Rädern an einer Haltestelle. Der Roboterbus orientiert sich an einer gelben Markierung auf dem Asphalt. Dann öffnet sich die Schiebetür und gibt den Platz für zwölf Fahrgäste frei. Der Feldversuch mit den selbstfahrenden Elektrobussen soll Finnland ganz nach vorn bringen. Das Ziel: neue Technologien für autonome Transportlösungen in alle Welt zu exportieren.

      Amsterdam, Niederlande



      Foto: iStock/Andrew_Mayovskyy

       (Quelle: iStock/Andrew_Mayovskyy )

      Einwohner: 853 000
      Anzahl Fahrräder: 847 000
      Anteil Radverkehr: 38 % 

      Während Google, Tesla und Uber in den USA autonome Autos testen, geht es in Amsterdam bald fahrerlos aufs Wasser. Etwa ein Viertel der niederländischen Metropole besteht aus Kanälen, und auf diesen werden nun selbstfahrende Boote getestet. Das Projekt "Roboat" ist eine Kooperation niederländischer Universitäten mit dem renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die Roboterschiffe sollen per Autopilot Personenund Güter befördern, bei Bedarf als Brücken fungieren und nebenbei vielleicht auch helfen, die 12 000 Fahrräder zu bergen, die Jahr für Jahr in den Kanälen landen.

      Peking, China



      Foto: istockphoto/dk1234

       (Quelle: istockphoto/dk1234)

      Einwohner: 21 500 000
      Anzahl Autos: 5 620 000
      Anteil Radverkehr: 32 % 

      Rund 70 000 Taxis fahren täglich durch das smoggeplagte Peking. Schon lange bemüht sich die chinesische Regierung, die 21 Millionen Bürger der Hauptstadt für Elektrofahrzeuge zu begeistern – mit noch ungewissem Erfolg. Nun soll die gigantische Taxiflotte durch elektrische Fahrzeuge ersetzt werden, schrittweise innerhalb der nächsten zehn Jahre. Ende 2016 erfolgte bereits ein Fahrverbot für fast eine halbe Million veralteter Autos.

      Dubai, Vereinigte Arabische Emirate



      Foto: Volocopter

       (Quelle: Volocopter)

      Einwohner: 2 327 000
      Anzahl Autos: 1 105 000
      Anteil der Nahverkehr-Nutzer: 6 %

      Das Emirat Dubai testet derzeit tatsächlich autonome fliegende Taxis. Hubschrauberartige Fluggeräte, sogenannte Volocopter, sollen demnächst über die chronisch überlasteten Straßen des Wüstenstaats düsen. Die 2X-Drohnen des deutschen Herstellers E-Volo sind für jeweils zwei Passagiere gedacht, die das bis zu 100 km/h schnelle Lufttaxi per App bestellen können. Zahlreiche Drohnen-Ports werden gerade gebaut. Bis zum Jahr 2030 sollen in Dubai rund 25 Prozent des Verkehrs auf autonome Fahrzeuge umgestellt werden: auf Straßen, Schienen – und in der Luft. 


      Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 4/2017 des Allianz Deutschland Kundenmagazins "1890" zum Schwerpunktthema "Mobilität". Alle bisherigen "1890"-Ausgaben finden Sie in der Mediathek zum Download sowie als App für Apple-Geräte in itunes und für Android bei Google Play.