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      Der Spaceliner fliegt in 90 Minuten von Europa nach Australien. (Quelle: Allianz)

      Verkehrsmittel anno 2040 18. März 2015

      Willkommen in der Zukunft: Wie wir 2040 reisen werden

      Text: Christian Gottwalt
      Foto: Allianz
      Bitte einsteigen: Wir nehmen Sie mit ins Jahr 2040 und testen die Verkehrsmittel, die uns dann befördern werden. Nur Autos sind nicht dabei.

      Mit der Gondel durch die Großstadt oder in der Schweberöhre in 50 Minuten von Berlin nach Paris. Was heute wie Science Fiction klingt, ist 2040 (vielleicht) schon Wirklichkeit. Wir haben die Verkehrsmittel der Zukunft in Gedanken einfach schonmal ausprobiert.

      1. Mit dem Spaceliner in 90 Minuten nach Australien: Mobilität der Extraklasse

      Mehr als 22 Stunden – so viel Zeit kostete zur Jahrtausendwende eine Flugreise von Europa nach Australien. Heutzutage dauert sie zwar noch genauso lange – aber es gibt inzwischen eine schnellere Alternative: den Spaceliner.

      Das Hyperschallflugzeug schafft die gleiche Strecke in weniger als 90 Minuten. Das Konzept wurde um 2010 von der Europäischen Raumfahrtagentur erdacht und erinnert stark an das amerikanische Spaceshuttle: Wie die Raumfähre steht auch der Spaceliner beim Start senkrecht. Auch der neue Flieger wird mit einem Gemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff aus einem wiederverwertbaren Tank angetrieben. Und auch er segelt im Gleitflug zurück zur Erde. Der Scheitelpunkt der Reise befindet sich in 80 Kilometern Höhe und die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 25.000 km/h.

      Während des Fluges werden die 50 Reisenden an Bord zeitweise mit dem 2,5-fachen ihres Körpergewichts in die Sitze gedrückt – mit mehr kann man zivile Passagiere gesundheitlich nicht belasten. Eine weitere Zumutung: der exorbitant hohe Reisepreis. Die Tickets sind so teuer, weil ein Spaceliner höchstens 150 Flüge absolvieren kann, bevor er ausgemustert werden muss. Zum Vergleich: Die Lufthansa fliegt mit einem fast 25 Jahre alten Airbus A380, der zehnmal so viele Passagiere wie die Raumfähre transportieren kann. Er startet bald zum 20.000 Mal.

      2. Hyperloops - Schweben in der Röhre

      Hyperschnelle Transportkapseln: Hyperloops bringen Passagiere in 50 Minuten von Paris nach Berlin.

      Foto: Allianz

      Hyperloops bringen Passagiere in 50 Minuten von Paris nach Berlin. (Quelle: Allianz)

      Im Prinzip ist es das Nichts, das die Hyperloops so erfolgreich macht. Die zigarrenförmigen Transportkapseln sind in einer fast luftleeren Röhre unterwegs und schweben gleichzeitig auf einem millimeterdünnen Luftkissen, so dass sie an keiner Stelle die Innenwände berühren. Durch die stark verringerte Reibung im Teilvakuum benötigt das Verkehrsmittel wenig Energiezufuhr: Die elektromagnetischen Linearmotoren laufen auf weniger als einem Prozent der Wegstrecke und beschleunigen die Kapseln dennoch auf 1200 km/h. Die rund 900 Kilometer von Paris nach Berlin schaffen sie in rund 55 Minuten.

      Die Kapseln sind 135 cm breit, 110 cm hoch und bieten Platz für 28 Passagiere. Im Minutentakt werden sie auf die Reise geschickt. Der altmodische Name »Hyperloop« geht übrigens auf ein Konzept des Amerikaners Elon Musk zurück. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hatte der Milliardär die ersten privaten Raumflüge organisiert und ein batteriegetriebenes, noch von Hand gesteuertes Automobil namens "Tesla" entwickelt. Auch die weltweit älteste Hyperloopstrecke zwischen San Francisco und Los Angeles war seine Idee: Weil sich Musk über die Baukosten und den Energieverbrauch einer geplanten Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnstrecke ärgerte, förderte er die neue Technik.

      3. Beam me up, Scotty - Ein Lift ins All

      Der Weltraumlift führt von der Südsee zur 36.000 Kilometer entfernten Raumstation.

      Foto: Allianz

      Der Weltraumlift führt von der Südsee zur 36.000 Kilometer entfernten Raumstation. (Quelle: Allianz)

      Noch vor wenigen Jahren war der Transport von Material in den Weltraum ungemein teuer: Jedes Kilogramm Fracht einer konventionellen Rakete kostete 50.000 Dollar. Allein das Trinkwasser für die Astronauten der damaligen Raumstation ISS verschlang jährlich zwei Milliarden Dollar. Seit der Weltraumlift arbeitet, sind die Kosten auf ein Hundertstel gesunken: 500 Dollar pro Kilo. Und Experten erwarten, dass der Preis in den nächsten Jahren auf 100 Dollar fallen wird. 

      Die größte Hürde bei der Entwicklung des Lifts stellte das Seil dar, das von der Erdstation in der meist ruhigen Südsee nach oben zur Raumstation in 36.000 Kilometer Höhe führt. Zwar erkannten die Physiker bereits im Jahr 2010, dass Nanoröhrchen das ideale Material darstellen – leicht, flexibel und ungemein reißfesten. Sie wussten aber noch nicht, wie man den Werkstoff aus bienenwabenförmig angeordneten Kohlenstoffatomen verarbeitet: Das längste Nanoröhrchen in den Labors der Forscher war gerade mal 10 Zentimeter lang.

      Heute ragt das Seil des Weltraumlifts 100.000 Kilometer ins All. Es zieht sich durch die Fliehkräfte der Erdrotation und sein Eigengewicht selbst straff. Personentransport in den Weltraum ist derzeit noch nicht vorgesehen, vor allem wegen der langen Reisezeit: Die Aufzugkabinen, die mit 200 km/h in den Himmel fahren, benötigen bis zur Raumstation acht Tage.

      4. Magnetschwebebahnen - Supraleiter drücken aufs Gas

      Einmal beschleunigt, hindert eine Magnetschwebebahn nur noch der Luftwiderstand daran, ewig zu gleiten.

      Foto: Allianz

      Einmal beschleunigt, hindert eine Magnetschwebebahn nur noch der Luftwiderstand daran, ewig zu gleiten. (Quelle: Allianz)

      Supraleiter sind Materialien, durch die elektrischer Strom verlustfrei ohne Widerstand fließt. Allerdings tritt dieser Effekt meist nur bei sehr tiefen Temperaturen auf. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag der Temperaturrekord für Supraleiter bei minus 135 Grad Celsius, gehalten von einer Substanz namens Quecksilber-­Barium-­Calcium-­Kupferoxid. Die Entdeckung von Supraleitern, die auch bei Raumtemperatur funktionieren, hat nicht nur den Stromtransport in Überlandleitungen revolutioniert, sondern auch zu einer Renaissance eines klassischen Verkehrsmittels geführt: der Magnetschwebebahn.

      Zwar existierten erste Versuchsfahrzeuge bereits um das Jahr 1970, allerdings verschlang das magnetische Anheben der Fahrzeuge damals enorm viel Energie. Die neuen Supraleiter haben das geändert: Alle denkbaren Fahrzeuge, zum Beispiel auch Skateboards für Kinder, schweben jetzt ohne Energieaufwand über Fahrbahnen aus Permanentmagneten. Einmal beschleunigt, hindert eine Magnetschwebebahn nur noch der Luftwiderstand daran, ewig zu gleiten. Transportröhren, in denen ein Vakuum herrscht, könnten auch diesen Bremseffekt beseitigen und Geschwindigkeiten bis zu 6000 Stundenkilometern ermöglichen. Experten sehen daher in der Kombination von Magnetschwebebahn und Hyperloop noch Entwicklungspotenzial.

      5. Seilbahnen über Ballungszentren

      Gondeln statt fliegende Autos: Seilbahnen entgehen dem Verkehrschaos und befördern bis zu 3000 Fahrgäste pro Stunde.

      Foto: Allianz

      Gondeln statt fliegende Autos: Seilbahnen entgehen dem Verkehrschaos und befördern bis zu 3000 Fahrgäste pro Stunde. (Quelle: Allianz)

      Der Verkehr in den Metropolen ist ein altes, noch immer ungelöstes Problem. Früher träumten die Menschen von fliegenden Autos, heute gehören Gondeln zum Stadtbild. In La Paz und Medellín sowie in Ankara, Barcelona und London waren sie bereits um 2014 Teil des öffentlichen Nahverkehrs. Städtische Seilbahnen muten 2040 deshalb etwas antiquiert an, dafür ist ihre Technik bestens erprobt. Verglichen mit den Felswänden im Hochgebirge sind Straßenschluchten für Seilbahn-Ingenieure ein Klacks.

      In der Großstadt spielen Gondeln ihre Vorteile aus – als Ergänzung zu U­Bahn, Bus und Tram: Sie sind günstiger zu bauen als eine neue Straßenbahn- oder gar 
      U­Bahn-Linie. Sie binden weniger Personal, kosten kaum Platz, sparen Energie und verkehren fast lautlos über dem Lärm am Boden. Und auch die Wartezeiten für die Fahrgäste sind minimal, weil alle paar Sekunden eine Kabine vorbeikommt. Seilbahnen fahren maximal 25 km/h schnell und befördern bis zu 3000 Fahrgäste pro Stunde. Zum Vergleich: Ein U­Bahn­Zug fasst 900 Personen, kommt aber meist nur alle zehn Minuten.

      Die Nachteile? Seilbahnen können keine Kurven fahren und reagieren empfindlich auf Seitenwinde – bei Sturm muss der Betrieb pausieren. Dafür sind sie, wie schon die Skifahrer des vergangenen Millenniums wussten, immun gegen Kälte und Schnee.