„Man zittert noch Tage später“

Allianz Generalvertreter Christian Finck hat in den Tagen nach dem Tornado in Bützow nicht nur rund um die Uhr Schäden reguliert, sondern stand seinen Kunden auch seelisch bei.

Ein Tornado hat am 5. Mai in der mecklenburgischen Kleinstadt Bützow schwere Zerstörungen mit Schäden in Millionenhöhe angerichtet (allianzdeutschland.de berichtete). Tagelang entsorgten die Feuerwehr und Katastrophenhelfer aus Bützow und aus den umliegenden Orten die Trümmer. Die Windhose hat Dächer abgedeckt, Gebäude stark beschädigt, Autos umgeworfen, Fahrräder durch die Luft fliegen lassen und Bäume entwurzelt. Christian Finck, Generalvertreter der Allianz in Bützow, hat in diesen Tagen nicht nur viele Schadensfälle abzuwickeln, sondern unterstützt seine Kunden auch seelisch.


 
Herr Finck, wo waren Sie am Dienstag, als der Tornado über Bützow zog?

Ich war in meinem Büro, im Beratungszimmer, als sich der Himmel mit einem Mal verdunkelte. Der Tag war sehr schwül, ein Gewitter war zu erwarten. Eine konkrete Unwetter-Vorwarnung hatte ich allerdings nicht mitbekommen. Plötzlich wurde es richtig stürmisch und fing heftig an zu regnen. Ich schaute aus dem Fenster und konnte über den Häusern den oberen Teil der Trichterwolke sehen.

Zunächst war ich überrascht, dann von den Blitzen und der Wolkenformation noch fasziniert. Doch dann fing das Haus an zu beben, kurze Zeit später flogen Dachziegel und Dachlatten wie Geschosse durch die Luft. Ich bekam es mit der Angst zu tun, schnappte mir mein Laptop und stellte mich in die Raumecke neben dem Fenster. Von dort aus machte ich einige Fotos mit dem Handy und habe natürlich meine Familie angerufen.

„Man zittert noch Tage später“

Wie fühlen Sie sich heute nach dem Ereignis?

Während meiner Zeit bei der Marine habe ich einige schwere Atlantik-Stürme erlebt. Doch dieser Tornado war weitaus heftiger. So einen Adrenalinschub habe ich noch nie erlebt. Man zittert noch Tage später leicht, wenn man daran denkt. Sobald ein ruhiger Moment einkehrt, überlege ich, was alles hätte passieren können. Als ich von den verletzten Kunden oder Bekannten hörte, von Schnittwunden, Kopfverletzungen und Krankenhausaufenthalten, war ich fassungslos. Heute bin ich nur froh, dass es keine Toten zu beklagen gibt. Das ist ein kleines Wunder, nachdem der Tornado so stark gewütet hat.

Auf der anderen Seite bin ich auch ein bisschen stolz. Denn wir konnten bereits die ersten Großschäden schnell und reibungslos regulieren. Die Allianz hat sehr professionell reagiert, den Schadenaußendienst mit 25 Gutachtern und Stab sofort in Bewegung gesetzt. Zudem ist der Zuspruch von überall groß. Mich haben selbst Freunde aus Norwegen und Dubai angerufen und gefragt, ob es uns gut geht.

Welche Schicksale berühren Sie besonders?

An dem Abend habe ich ungefähr 40 Anrufe erhalten. Bis nachts um halb eins sind viele auch ins Büro gekommen. Der schlimmste Anruf kam gegen 22 Uhr. Eine 83-jährige Kundin stand völlig unter Schock, denn ihr Hof, ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus in Rühn, liegt in Trümmern. „Das halbe Haus ist weg“, sagte sie. Ich versuchte sie zu beruhigen und sicherte ihr zu, mich sofort zu kümmern und gleich am Morgen zu kommen. Um kurz vor sieben war ich vor Ort. Dieser Fall ist schon deshalb besonders für mich, weil unsere Familie die ältere Dame seit 45 Jahren betreut. Mein Großvater hat den Hof zirka 1970 versichert.

„Man zittert noch Tage später“

Ein weiterer Fall, der mich sehr beschäftigt, ist die schwer beschädigte Stiftskirche, unser schönes Bützower Wahrzeichen. Große Teile des Daches sind zerstört und nur mit Glück ist der Kirchturm nicht eingestürzt. Wäre er nicht vor drei Jahren saniert worden, gäbe es ihn wohl nicht mehr. Dass wir hier finanziell helfen können, freut mich ganz besonders, schließlich hat mein Großvater noch zu seinen Dachdeckerzeiten die Kirche mit eingedeckt. Wenn Opa das noch erleben könnte! So schließt sich der Kreis: Erst sorgt er mit seinen eigenen Händen für ein Kirchendach, nun sorgen wir dafür, dass es wieder aufgebaut wird. Bei der Regulierung habe ich gestandene Männer erlebt mit Tränen in den Augen. Das geht nicht spurlos an einem vorüber.

 

Wie gehen Sie mit Schäden in dieser Größenordnung um?

Als Agentur können wir bei solchen Ereignissen nicht aus der Erfahrung schöpfen. Also müssen wir improvisieren. Das Wichtigste ist immer die Kommunikation, deshalb haben wir für volle Agenturbesetzung gesorgt, meine Filialdirektion und die Schadenabteilung in Berlin informiert. Da die Gutachter einem die Regulierung der größeren Schäden abnehmen, kann ich auch heute gelassener zurückschauen, als wenn wir alles allein hätten stemmen müssen.

„Man zittert noch Tage später“

Wie viele Stunden arbeiten Sie denn jetzt am Tag?

Heute vielleicht nur bis 20 Uhr, aber am ersten Abend ging es bis später als ein Uhr nachts. Besonders froh bin ich über meine Angestellten, die aus dem Feierabend kamen und bis spät arbeiteten. Das Team funktioniert, einen Notarbeitsplatz haben wir auch noch eingerichtet. Unser Filialleiter aus Rostock hat uns sehr unterstützt und seelisch unter die Arme gegriffen. Mein Bereichsleiter war zwei Tage hier und half bei der Koordination.

Mit welchen Prioritäten gehen Sie weiter vor?

Es ist noch sehr viel Arbeit, bis alles reguliert ist. Erstmal müssen die großen Schäden schnellstmöglich vom Tisch, damit keine weiteren Folgeschäden entstehen. Dazu werden jetzt vielerorts Notdächer errichtet. Es wird nach Dringlichkeit reguliert. Darüber hinaus müssen wir in den nächsten Wochen die vielen Kleinschäden auszahlen.

Wir haben insgesamt 505 Häuser aus Bützow und Umgebung im Bestand, und so ziemlich jedes Haus hier in der Altstadt hat einen Schaden erlitten. Meinen beiden Vertreter-Kollegen aus den anderen Allianz Agenturen wird es ähnlich ergangen sein. Der Tornado wird uns noch einige Monate beschäftigen.

„Man zittert noch Tage später“

Was hat sich für Sie in Bützow verändert?

Man erhält viel Zuspruch aufgrund der professionellen und überaus schnellen Regulierung. Die Leute grüßen noch mehr als üblich. Generell lässt so eine Katastrophe alle dichter zusammen rücken. Der Zusammenhalt in der Bevölkerung ist toll. Die einen backen Kuchen, andere bringen den Einsatzkräften Getränke mit, Flüchtlinge helfen ebenso wie Landwirte, die mit ihren Arbeitsmaschinen zum Aufräumen kommen. Das ist das Schöne, was nach diesem großen Schrecken bleibt.

Für uns bedeutet diese Katastrophe nicht nur sehr viel Arbeit, sondern auch die Chance, einmal zu zeigen, was wir als Agentur für unsere Stadt leisten können.

Kontakt
Henning TroschelHenning Troschel
Allianz Deutschland AG
Tel: 030.53893-20004
henning.troschel@allianz.de

Bildquellen

  • Allianz Generalvertreter Christian Finck, Foto: Allianz Deutschland AG
  • Umgestürzter Baum, Foto: Allianz Deutschland AG
  • Allianz Generalvertreter Christian Finck im Gespräch, Foto: Allianz Deutschland AG
  • Zerstörtes Haus, Foto: Allianz Deutschland AG
  • Verwüstetes Bützow, Foto: Christian Finck