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       (Quelle: Eskil Ronningsbakken/Sindre Lundvold)

      1890 2/2016: Schwerpunkt "Fehler" 12. September 2016

      Keinen Fehler frei

      Text: Isabel Prößdorf, Christian Gottwalt, Niclas Müller
      Foto: Eskil Ronningsbakken/Sindre Lundvold
      Es gibt Situationen, in denen jedes Missgeschick schlimme Folgen hätte. Acht Momentaufnahmen mit geringer Fehlertoleranz

       

      Tausendmal berührt

      Es hat ganz offensichtlich Summ gemacht. Und zum Glück ist dabei nicht viel passiert: Bei seinem Weltrekordversuch kam der chinesische Imker She Ping mit zehn Stichen glimpflich davon. Hundert Stiche können bereits tödlich sein. Insgesamt trägt She Ping hier geschätzte 450.000 Bienen am Leib. Lebendgewicht: rund 45 Kilo. Gefährlich würde es, gerieten die Insekten in Panik. Wenn sie ihren Stock in Gefahr wähnen, schütten Bienen Pheromone aus und blasen kollektiv zum Angriff. Bei She Peng blieben sie friedlich. Zwischendurch rauchte er mal





      Foto: Stringer/imaginechina/laif

       (Quelle: Stringer/imaginechina/laif)


      Verfluchte Rasur

      Zeit seines Lebens, so darf man annehmen, wurde Tutanchamun Honig um den Bart geschmiert. 3338 Jahre nach dem vermuteten Ableben des Pharaos kam die klebrige Substanz wieder zum Einsatz: Der Restaurator Christian Eckmann musste 2015 den Bart der Totenmaske unter Verwendung von Honigwachs reparieren. Putzkräfte des Ägyptischen Museums in Kairo hatten das goldige Stück ein Jahr zuvor beim Reinigen der Vitrine versehentlich abrasiert und dann notdürftig mit Kunstharz wieder angeklebt. Der deutsche Experte entfernte den falschen Leim, rührte einen historisch korrekten an und operierte monatelang in einem Reinraum an der Maske. Bei einem Fehler wäre das Kunstwerk entstellt – und Eckmann ziemlich verflucht worden. Ist noch mal gut gegangen.




      Foto: Getty Images/AFP/Khaled Desouki

       (Quelle: Getty Images/AFP/Khaled Desouki)

      Höchst spannend

      Die Stromleitung, auf der die beiden Techniker hier sitzen, scheint im Nichts zu verschwinden. Kein Wunder, bis zum nächsten Freileitungsmast sind es 1400 Meter Luftlinie. Die Stromtrasse verbindet die Inseln Daishan und Xiushan im Ostchinesischen Meer mit dem Festland. Folgt man den Kabeln, würde man nach einigen Kilometern auf den höchsten Hochspannungsmast der Welt treffen. Die rot-weiße Stahlkonstruktion ist zwar nicht so schön wie der Eiffelturm, aber mit 370 Metern noch mal 50 Meter höher. Chinesische Elektroinstallateure sind solche Rekorde gewöhnt: Vier der fünf höchsten Masten der Welt stehen in China. Die Arbeit in großen Höhen




      Foto: REUTERS/China Daily

       (Quelle: REUTERS/China Daily)

      Glücksspirale

      Nicht immer läuft alles rund. Von den beiden Weltrekordversuchen, die Patrick Sinner und sein Team im Januar 2012 unternahmen, glückte nur einer. Vier Tage lang hatten 15 Domino-Profis im hessischen Kefenrod alles richtig gemacht: "Man baut rückwärts auf, darf nichts in den Taschen haben, was rausfallen könnte, und sollte geduldig sein", sagt der 19-jährige Teamchef Sinner. Am Ende standen eine 30 Meter lange Mauer sowie – getrennt davon für den zweiten Rekordversuch – eine Spirale aus 30.000 Steinen bereit. Das Publikum hatte Platz enommen, der Notar war zufrieden – da brach ein Stück der Mauer ein und vermasselte Teil eins des Abends. Schuld waren minimale Vibrationen, ausgelöst von einer Lautsprecherdurchsage. Die Spirale fiel dann aber wie geplant in einer zehnminütigen Kettenreaktion. Weltrekord! Bis 2013. Da übertrafen Sinner und sein Team sich selbst – mit 55.555 Steinen in einer Spirale.




      Foto: dpa Picture-Alliance/Emily Wabitsch

       (Quelle: dpa Picture-Alliance/Emily Wabitsch)

      Zirkus Maximus

      Eskil Rønningsbakken hält gekonnt das Gleichgewicht zwischen Extremsport und Kunst. Mit fünf begann er zu klettern, im Alter von zwölf Jahren trat er zum ersten Mal im Zirkus auf. Heute nutzt der 36-Jährige die größtmögliche Manege für seine Arbeit: die Natur. Mal tanzt er auf Drahtseilen über Schluchten, dann steht er kopfüber auf einer Leiter, hier balanciert er auf einem Reifen am Abgrund des norwegischen Hochplateaus Kjerag. Anders als im Scheinwerferlicht eines Zirkuszelts wirkt seine Akrobatik auf natürliche Weise zauberhaft. Ganz ohne Trommelwirbel wird klar: Ein Windhauch, Steinschlag oder Wackler würde Rønningsbakken das Leben kosten.



      Foto: Eskil Ronningsbakken/Sindre Lundvold

       (Quelle: Eskil Ronningsbakken/Sindre Lundvold)

      Tick, Tick und Zwack

      Hollywoodhelden stehen häufig vor einer kniffligen Entscheidung: den linken oder rechten Draht durchtrennen? Meistens hört die Bombe dann auf zu ticken – mit
      einer Sekunde Restzeit auf der vom Attentäter freundlicherweise mitgelieferten Digitalanzeige. Ganz so ist es in Wirklichkeit nicht. Aber Kampfmittelentschärfer gibt
      es. Sie analysieren den Zünder von Sprengsätzen, Minen oder alten Fliegerbomben und versuchen, ihn auszuschalten. Wenn möglich, schicken sie Roboter vor. Was nicht zu entschärfen ist, wird kontrolliert gesprengt. Manchmal aber müssen die Spezialisten wirklich zur Zange greifen und sich filmreif zwischen zwei Drähten entscheiden. Wie der Soldat auf dem Foto, der gerade an einer Übung der chinesischen Armee teilnimmt.




      Foto: PICTURE PRESS/eyevine/Zhang Chenlin Xinhua

       (Quelle: PICTURE PRESS/eyevine/Zhang Chenlin Xinhua)

      Zieh Leine!

      Fallschirmspringer verlieren gern den Boden unter den Füßen. Dabei gilt: je größer die Distanz zur Erde, desto mehr Zeit bis zum möglichen Aufprall. Basejumper lieben es knapp. Sie springen nicht aus Flugzeugen, sondern von Bauwerken und Klippen. Einer ihrer Sehnsuchtsorte: die Navagio-Bucht auf der griechischen Insel Zakynthos. Nach dem Sprung von einer 200 Meter hohen Felswand bleiben maximal drei Sekunden, bis sich der Schirm geöffnet haben muss. Fehler wie ein zu später Griff zur Reißleine oder ein falsch gepackter Rucksack lassen sich nie wieder gutmachen. Am Strand gemahnen die Handtücher der Badegäste und das Wrack der Panagiotis ans nahe Ende.




      Foto: Dimitrios Kontizas

       (Quelle: Dimitrios Kontizas)

      Auf Messers Schneide

      Kaum ein Fisch ist so giftig wie der Kugelfisch. Blase, Leber, Darm und Ovarien enthalten in hoher Konzentration die tödliche Substanz Tetrodotoxin. Das Muskelfleisch des Tieres aber ist eine Delikatesse, die in Japan als "Fugu" auf den Teller kommt. Ein Fugu-Meister muss zwei Jahre lang üben und eine Lizenz erwerben. Nur dann darf er die Spezialität servieren. Beim Filetieren geht es um Millimeter. Schneidet er in eine Innerei, kann Gift austreten und ein vermeintlich verzehrbares Stück verseuchen. Ein Fehler des Kochs genügt – und der Gast muss für immer das Stäbchen abgeben. Trotz staatlicher Auflagen und Lizensierungsverfahren sterben durchschnittlich fünf Menschen pro Jahr, weil sie vergiftetes Kugelfischfleisch verzehrt haben.



      Foto: Cephas Picture Library/Alamy Stock Photo

       (Quelle: Cephas Picture Library/Alamy Stock Photo)


      Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/2016 des Allianz Deutschland Kundenmagazins "1890" zum Schwerpunktthema "Fehler". Alle bisher erschienenen "1890"-Ausgaben finden Sie in der Mediathek zum Download.