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       (Quelle: istockphoto/mixetto)

      Carsharing 16. Februar 2017

      Kaufst du noch oder leihst du schon?

      Text: Andreas Klein (Interview)
      Foto: istockphoto/mixetto
      Sein Auto an wildfremde Menschen verleihen? Mit dem Modell, das in Frankreich bereits bestens funktioniert, wollen Pierre Béret und sein junges Unternehmen Drivy auch Deutschland erobern. 

      Die Firma Drivy verleiht die Autos anderer Menschen an wildfremde Dritte. Für den klischeehaft autobesessenen Deutschen hört sich das komisch an. Doch wer Pierre Béret, Trust & Safety Director bei Drivy, zuhört, glaubt schnell, dass es sich hierbei um ein Geschäftsmodell mit Zukunft handelt. In Frankreich funktioniert das. Mit dem Autoverleih unter deutschen Nutzern haben sich die Franzosen ein hohes Ziel gesteckt. Doch Pierre sagt: „Wenn wir es dort schaffen, können wir es überall schaffen.“    


      Wenn du auswählen könntest zwischen einem Jeep Cherokee, einem 911er Porsche oder einem Renault Megane, welches Auto würdest du nehmen?

      Pierre Béret: Was waren die Autos gleich nochmal? Sorry, aber für mich stellt sich eher die Frage, ob ich ein Hybrid-Fahrzeug oder ein Elektroauto nehmen würde. Einen Tesla möchte ich gerne fahren. Aber ich würde mir niemals einen kaufen. Ausleihen, für ein Wochenende, das wäre toll. Aber besitzen will ich den gar nicht. Das kommt doch alles viel zu teuer.

      Welches Auto fährst du denn tatsächlich?

      Lange Zeit nur Leihautos. Doch ich habe jetzt eine Familie mit einem dreijährigen Sohn. Da haben wir uns doch eine Familienkutsche zugelegt.

      In Sachen Ausleihen bist du ja keine Ausnahme. Deine Firma Drivy verdient genau damit ihr Geld. Sie verleiht Privat-Autos an Dritte. Funktioniert das?

      Das Prinzip Drivy klappt sehr gut! Wir haben aktuell mehr als 1,2 Millionen Nutzer und 40.000 Fahrzeuge in Europa. Gerade das Durchschnittsalter junger Autokäufer steigt stetig. Genau diese Menschen leihen sich Autos bei uns: Junge Leute, die zwar schon einen Führerschein besitzen, aber noch kein eigenes Fahrzeug. Diese Zielgruppe wächst stetig an, sie kaufen sich lieber ein neues Handy. Ein Auto wollen sie nur leihweise.  

      Neuerdings gibt es euch auch in Deutschland. Ist dir eigentlich bewusst, dass nur drei Prozent der Deutschen ihr Auto verleihen würden? Reicht das für einen erfolgreichen Drivy-Start?

      Davon gehen wir aus. Der Start war ja schon ganz gut: 140.000 Deutsche sind bereits registriert, rund 5.000 Autos bieten wir an. Wir wissen, dass sich die Mentalität in Bezug auf das eigene Fahrzeug ändert. Es ist kein Status Symbol mehr wie noch vor 20 Jahren. Viele Großstädter merken: Es geht auch ohne eigenes Fahrzeug. Wer aber nicht einmal seinen Partner ans Steuer lässt, zählt nicht unbedingt zu unserer Zielgruppe. (lacht)

      Pierre Berét ist Trust & Safety Director bei Drivy und zeigt sich überzeugt: "Junge Großstädter kaufen sich lieber ein neues Handy. Ein Auto wollen sie nur leihweise." 

      Foto: Drivy

      Pierre Berét ist Trust & Safety Director bei Drivy und zeigt sich überzeugt: "Junge Großstädter kaufen sich lieber ein neues Handy. Ein Auto wollen sie nur leihweise."  (Quelle: Drivy)


      Wo sonst in Europa seid ihr denn schon vertreten?

      In Frankreich hat alles angefangen: In Marseille, mit einer Excel-Liste für ein Auto, das sich drei Personen geteilt haben. 2010 hatten wir dann ein Konzept für ganz Frankreich und mittlerweile gibt es uns auch in Belgien, Spanien und Österreich. Der deutsche Markt ist speziell: Es ist DAS Auto-Land schlechthin. Wenn wir es dort schaffen, dann schaffen wir es überall.

      Wer sich bei Drivy ein Auto leiht, ist durch unsere Kooperation automatisch Allianz versichert. Was genau ist versichert? 

      Haftplicht- und Kasko-Schäden sind im Verleih-Preis inklusive. Der Nutzer wählt zwischen zwei Tarifen, je nach Höhe der Selbstbeteiligung. 

      Warum die Allianz als Partner?

      Wie sich bei unserer Expansion schnell gezeigt hat, brauchen wir hier einen internationalen Player. Zudem braucht es eine starke Marke. Der Name Allianz wirkt positiv auf unsere Kunden: Sie vertrauen uns und haben das Gefühl, dass sie sich über uns völlig unkompliziert ein Auto leihen können.

      Es gibt viel Konkurrenz auf dem Markt für Auto-Verleih: Mitfahrzentrale, Tamyca, Rentecarlo, aber auch die klassischen Verleiher wie Sixt und Co.

      Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren völlig geöffnet. Unsere Überzeugung: Entscheidend für die Kundenbindung ist das „erste Mal“, wenn sich der Kunde oder die Kundin ein Auto leiht. Hier setzen wir an und hoffen auf Wiederholungstäter. Unsere Preise sind völlig transparent, ein zweiter Fahrer ist automatisch immer mitversichert. Der Kurztrip im Coupé mit dem Freund am Wochenende, der Familienurlaub im Campingbus für zwei Wochen, der Businesstrip im Kleinwagen. Wir haben sie alle.

      Macht Drivy dann den Kauf von Autos überflüssig?

      Nicht wirklich. Irgendwer muss die Autos ja besitzen, die wir verleihen. Das wäre wie Ebay ohne Artikel zum Versteigern.

      Warum wird Drivy in der Zukunft die Konkurrenz abhängen?

      Ein bisschen Zukunft ist ja schon da: Ein kritischer Punkt beim privaten Autoverleih ist die Schlüsselübergabe. Dafür müssen sich beide Parteien Zeit nehmen. Das wollen wir unseren Usern künftig ersparen, deshalb arbeiten wir an einer Methode, wie der Leiher das Auto mittels Smartphone öffnen kann. Dann findet er den Schlüssel im Handschuhfach. Dafür klären wir aktuell noch ein paar Details was die Diebstahl-Risiken angeht. Wir brauchen beispielsweise einen sicheren Nachweis dafür, wer das Auto geöffnet hat.

      Welche Wirtschaftsbereiche wird die Shared Economy oder Peer-to-Peer Netzwerke als nächstes angreifen?

      Shared Economy setzt idealerweise dort an, wo es etwas Wertvolles gibt. Häuser wären so eine Sache. Nicht jeder kann oder will sich so etwas Teures leisten, da legt man zusammen oder teilt, wo nötig. 


      Über Drivy

      Aktuell arbeiten für Drivy 80 Personen in drei Büros: Paris, Berlin, Barcelona. Trust & Safety Director Pierre Béret ist seit einem guten halben Jahr mit von der Partie. Mit 33 Jahren gehört Pierre eher zur älteren Generation der Mitarbeiter. Das Durchschnittsalter liegt hier bei 27 Jahren. 

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