Suchen
      • Suchen
       (Quelle: Saskia Trucks)

      11. April 2017

      In Bot's Hands

      Text: Saskia Trucks
      Foto: Saskia Trucks
      80 kreative Köpfe für 30 Stunden zusammen in einem Raum. Mit ihnen genau so viele Laptops, 400 MBit/s schnelles Internet, hunderte Päckchen Gummibärchen, kalorienarme Limo. Das Ergebnis: innovative Versicherungslösungen.

      Marcel sitzt vor seinem Laptop, auf dem Bildschirm flimmern seine ersten Ideen: ini_set("allow_url_fopen","0"); Neben ihm Barbora, Jenny und Fabian, die mit Zettel und Stift arbeiten und ihre gemeinsame Vision skizzieren: Einen Chatbot, der Versicherungsfragen klärt. In einer anderen Ecke des Fabrikgebäudes bedienen sich Menschen an dem Kühlschrank mit Cola, Club Mate und kalorienarmer Agavenlimo. Durch den Raum schwirren Begriffe wie User Experience, SEO, API. Ein ganz gewöhnlicher Hackathon, ein zweitägiger Wettbewerb für digitale Lösungen. Hier in Werk 1 geht es darum, digitale Versicherungsservices zu entwickeln. In 30 Stunden.

      Die Aufgabenstellung beim #_hackNEXT lautet: Redefine InsurTech! Dazu sollen die 13 Teams aus Bayern, Russland, Holland, entweder Versicherungsangebote für die Zielgruppe 50+ entwickeln, das Internet of Things mit dem Thema Versicherung verknüpfen oder New Customer Journeys entwickeln, also ansprechende digitale Produkte. Passenderweise in einer Umgebung, die für Kreativität steht: Zwischen Graffiti-Kunst und Nachtclubs siedeln sich auf dem ehemaligen Pfanni-Firmengelände Startups und Digitalisierungs-Abteilungen großer Unternehmen an, auch der Allianz und Munich Re.

      Kreatives Chaos beim Hackathon - und eine kleine Überraschung: Auch Programmierer skizzieren ihre Idee gerne auf Papier.

      Foto: privat

      Kreatives Chaos beim Hackathon - und eine kleine Überraschung: Auch Programmierer skizzieren ihre Idee gerne auf Papier. (Quelle: privat)

      "Wir müssen aus Kunden Fans machen"

      Marcel, Barbora, Fabian und Jenny sind vier von fünf Allianz-Trainees, die neben Freelancern, Unternehmensberatern und Schülern eines der 13 Teams bilden. Ihr großes Ding an diesem Wochenende: Bottina. Einen Tag und eine Nacht widmet sich das Team seiner Idee des Chatbots, der über Facebook jederzeit kompetent in Sachen Versicherungen beraten soll. „Wenn ein Kunde in den Urlaub fahren möchte und nicht weiß, ob seine Versicherung ihn dabei abdeckt, kann er den Bot fragen und bekommt sofort eine Antwort“, sagt Jenny.

      Auf genau solche Produkte setzen die Ausrichter des Hackathons: „Versicherer wie wir müssen aus Kunden Fans machen. Dazu brauchen wir begeisternde Erlebnisse“, sagt Olaf Tidelski, Chief Customer Officer (CCO) der Allianz Deutschland und hackNEXT-Jurymitglied. „Bei solchen Veranstaltungen sehen wir neue Ideen und können uns zu spannenden Angeboten für unsere Kunden inspirieren lassen.“

      "In Bot's Hands": Das Allianz Team führt bei seinem Pitch vor, was Bottina alles kann.

      Foto: privat

      "In Bot's Hands": Das Allianz Team führt bei seinem Pitch vor, was Bottina alles kann. (Quelle: privat)

      Bottina hilft in allen Lebenslagen

      Als abends ein Foodtruck vorfährt und den Hackern Burger zum Abendessen serviert, sind erst 10 der 30 Stunden vorbei. Auf die Frage, ob sie irgendwann ins Bett geht, hebt Barbora nur ein buntes Kissen hoch und lacht. Also: jein. Manche der hackNEXT-Teilnehmer arbeiten die ganze Nacht durch, Barboras Team sitzt immerhin bis kurz nach Mitternacht an „Bottina“. Schließlich muss die Roboterfrau, die an diesem Wochenende von den Trainees zum Leben erweckt wird, muss noch viel lernen.

      Nach 30 Stunden Programmieren zählen alle im Stehen den Countdown runter. 3, 2, 1. Alle Teilnehmer klappen ihre Laptops zu. Nur drei Minuten haben Jenny, Barbora, Fabian und Marcel jetzt Zeit, um ihr Ergebnis beim Pitch zu präsentieren. Es zeigt sich: Bottina hat Humor. Am Ende des Beratungsgesprächs bei Facebook empfiehlt sie dem Kunden ganz selbstironisch, „vielleicht doch noch mit einem Kollegen aus Fleisch und Blut zu sprechen“ und verweist anschließend direkt auf den nächsten Ansprechpartner.

      Eine Sache, die bei einem Hackathon in Deutschland nicht fehlen darf: Das In-Getränk Club Mate.

      Foto: Twitter

      Eine Sache, die bei einem Hackathon in Deutschland nicht fehlen darf: Das In-Getränk Club Mate. (Quelle: Twitter)

      Während der Kommunikation über den Facebook Messenger merkt man nicht, dass Bottina kein Mensch ist. Innerhalb von Sekunden reagiert sie auf alle Fragen, die man ihr im Chat stellt. Wer eintippt, dass er gerade einen neuen Job angefangen hat, bekommt eine Berufsunfähigkeitsversicherung empfohlen. Sie rechnet aus, was diese kosten wird und erklärt, wo der nächste Allianz Vertreter zu finden ist. „Und das macht die alles automatisch?“, hakt einer der Juroren nach. Ja, alles automatisch. Für einen IT-Laien kaum vorstellbar. 

      Ein zentrales Thema beim Hackathon: Künstliche Intelligenz

      Nicht nur bei dem Team der Allianz-Trainees dreht sich das hackNEXT-Projekt um künstliche Intelligenz. Auch das QDTeam oder das Team Carlexa programmieren an dem Wochenende persönliche Assistenten, die Kunden in Sachen Versicherung zur Seite stehen sollen. Auch der Gewinner der Veranstaltung, die „Pillenfee“-App, unterstützt den Kunden. Mit einem vollelektronischen Mediaktionsplan. Für das Allianz Nachwuchsteam reicht es am Ende nicht für einen der drei Hauptpreise.

      Auch wenn es nicht fürs Treppchen gereicht hat - die Allianz-Trainees freuen sich über ihren Sonderpreis.

      Foto: privat

      Auch wenn es nicht fürs Treppchen gereicht hat - die Allianz-Trainees freuen sich über ihren Sonderpreis (Quelle: privat)

      Aber einen Sonderpreis von IBM bekommen die IT-Trainees – und zeigen sich von der Hackathon-Erfahrung beeindruckt. Andreas Weber, der das Event von Seiten der Allianz organisiert hat, sieht es genauso: „Es ist unglaublich, was die Teams in nur 30 Stunden auf die Beine gestellt haben“. Klar ist: Nach dem Hack ist vor dem Hack. „hackNEXT war ein spannendes Experiment. Als die Idee geboren wurde, hatten wir nicht gleich an eine Serie gedacht. Jetzt haben wir aber so viel Inspiration und positive Rückmeldungen bekommen, dass wir einfach weitermachen müssen", freut sich Andreas Weber.