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       (Quelle: Marion Zauner)

      Intrapreneurship 23. November 2016

      Idee haben. Sie begraben. Weitermachen.

      Text: Marion Zauner
      Foto: Marion Zauner
      Entrepreneurship: Den sicheren Vertrag aufgeben, Unternehmer sein statt Angestellter - so ein Schritt erfordert großen Mut. Oliver Gätgens und Niklas Bürger sind die ersten, die im Rahmen eines neuen Angebots von Allianz X diesen Schritt wagen könnten.  

      Allianz X – so heißt der ehemalige Digital Accelerator, eine Einheit der Allianz SE. Ihr Ziel ist es, neue Geschäftsmodelle auf den Markt zu bringen. Allianz X ist deshalb ständig auf der Suche nach Ideen, vor allem aber nach Leuten, die diese Ideen vorantreiben. Also nach sogenannten Entrepreneuren – ein stehender Begriff in der Start-Up-Welt.

      Entrepreneure sind Unternehmer, die sich durch die Bereitschaft auszeichnen, große Verantwortung zu übernehmen, Risiken zu tragen und durch die Fähigkeit, Innovationen hervorzubringen und voranzutreiben. Ein Begriff, der neuerdings mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, ist „Intrapreneurship“. Intrapreneure sind Arbeitnehmer, oft in großen Unternehmen, die ihre Arbeit mit derselben Einstellung wie ein Entrepreneur erledigen.

      Techie auf Umwegen

      Noch ist Oliver Gätgens ein Intrapreneur bei der Allianz – aber vielleicht ab nächstem Jahr Entrepreneur. „Ich bin Techie“, sagt der 33-Jährige. Techie auf kleinen Umwegen. Studiert hat er eigentlich BWL mit Schwerpunkt Innovationsmanagement, nicht etwa Informatik. Gleich nach dem Studium fing er bei der Allianz an. Seine damalige Chefin machte ihn auf das IT-Trainee-Programm aufmerksam. Das passte. Mittlerweile hat Oliver Gätgens das Programm längst durchlaufen und arbeitet in der IT.

      Niklas Bürger (42) hat ebenfalls BWL studiert, mit Schwerpunkt Marketing, war bereits parallel zum Studium als selbständiger Online Marketing -Consultant tätig, hat später für ein Start-up gearbeitet und war bei einerTelekom-Tochter in der Konzeption und im Produktmanagement tätig, bevor er vor gut drei Jahren bei der Allianz Tochter metafinanz anfing und nun tatkräftig an der digitalen Transformation des Unternehmens mitarbeitet. 

      In der Küche finden die besten Besprechungen statt: Die beiden Intrapreneure im Gespräch mit Allianz X Managing Director Bernd Scharrer.

      Foto: Marion Zauner

      In der Küche finden die besten Besprechungen statt: Die beiden Intrapreneure im Gespräch mit Allianz X Managing Director Bernd Scharrer. (Quelle: Marion Zauner)

      Acceleration Days als Talentbörse

      Allianz X veranstaltet regelmäßig sogenannte Acceleration Days für Allianz Mitarbeiter und Externe. Die Teilnehmer kommen mit einer Idee, stellen sie vor, verteidigen sie, müssen sie in den meisten Fällen begraben. Und dann weiterkämpfen, im Team, für eine andere Idee. „Wir suchen Leute, die brennen. Entrepreneure, die ein Thema vorantreiben“, erklärt Bernd Scharrer, Geschäftsführer von Allianz X. Und verblüfft mit der Aussage: „Die Idee ist nichts. Eine gute Idee hatte jeder schon mal. Uns geht es um Leute, die richtig motiviert sind. Die eine Idee mit allen Konsequenzen verfolgen und ein Unternehmen aufbauen wollen.“ 

      Anfang des Jahres trat Niklas Bürger bei den Acceleration Days mit seiner Idee an: einer Allianz Kundenkarte. Wer zum Beispiel im Elektromarkt ein Tablet kauft, lässt an der Kasse – ähnlich wie bei „Payback“ – einfach seine Allianz Kundenkarte scannen und das Tablet ist automatisch versichert. Gerade mal 60 Sekunden Zeit hatte Niklas Bürger, um seine Idee vor allen Teilnehmern der Acceleration Days zu präsentieren. Bei der Abstimmung, welche Ideen weiterverfolgt werden, fand seine Idee nicht genügend Unterstützer. Genau wie die von Oliver Gätgens, der es mit einer Allianz Voucher-Card versucht hatte.  

      An der Kaffeemaschine fing alles an

      Niklas Bürger wollte das so nicht stehen lassen, sprach beim Abendessen Bernd Scharrer an. Da brannte jemand. Bernd Scharrer sagte zu: Bürger solle sich am nächsten Tag Mitstreiter suchen. Findet er welche, kann er weitermachen. „Als ich morgens zu Allianz X kam, in die Küche ging und mir einen Kaffee holen wollte, war Oli der erste Mensch, den ich gesehen habe“, erzählt Niklas Bürger. „Ich habe ihn angesprochen und nochmal von meiner Idee erzählt.“. Und siehe da: Partner gefunden!

      „Was uns verbindet, ist, dass wir einen neuen und einfachen Zugang zum Thema Versicherung schaffen wollen“, sagt der 42-Jährige. Ein paar weitere Mitstreiter kamen schnell hinzu, fertig war das Team. Da die Idee mit der Kundenkarte auf Anhieb nicht überzeugt hatte, suchten sie nach einem neuen Dreh für die Hausratversicherung. Gegenstände online und flexibel absichern war die Grundidee. Dann ging es an die Arbeit.

      „Das war dann ein toughes Programm“, erinnert sich Oliver Gätgens. „Gefühlt im 20-Minuten-Takt“ (so Gätgens - laut Bernd Scharrer im Stundentakt) mussten Aufgaben erfüllt werden: Zielgruppen definieren, Marketingstrategien ersinnen, eine Kundenbefragung vorbereiten… Die beiden gingen auf die Straße, fragten Passanten, was sie von ihrer Idee halten und ob sie das Produkt kaufen würden. Ein erster Business Case und weiteres Ausbaupotential der Idee wurden entwickelt. Am Ende der Acceleration Days hatten sie genau sieben Minuten Zeit, ihre Idee vor dem Entscheidungs-Komitee zu präsentieren. Nach der Schlappe von der anfänglichen Vorstellung belegten sie diesmal den ersten Platz!

      "Suprsafe" nennt sich die Geschäftsidee von Oliver Gätgens und Niklas Bürger, verkürzt dargestellt: ein digitaler Safe.

      Foto: Marion Zauner

      "Suprsafe" nennt sich die Geschäftsidee von Oliver Gätgens und Niklas Bürger, verkürzt dargestellt: ein digitaler Safe. (Quelle: Marion Zauner)

      Angebot der Allianz: Drei Monate in Abordnung testen

      Doch das ist nicht das Ende der Geschichte. Denn mittlerweile hat Allianz X ein Programm entwickelt. Wenn Allianz X die Personen hinter der Idee und das Projekt richtig spannend findet, dann können diese drei Monate lang bei Allianz X ihr Thema vorantreiben. Sie erhalten weiterhin von der Allianz ihr Gehalt, sind abgeordnet und können sich voll und ganz auf ihr „Baby“ konzentrieren.

      Dabei erhalten sie Unterstützung von den Experten von Allianz X. Nach drei Monaten heißt es: Hop oder top. Findet Allianz X die Idee so gut, dass sie sie auf den Markt bringt? Oder verschwindet sie wieder in der Schublade? Und: Möchten die Intrapreneure der Allianz zu Entrepreneuren werden? Das heißt: Ihren alten Job hinter sich lassen und stattdessen  eine Schlüsselrolle in einem Allianz Start-up einnehmen?

      Supr Idee - nun gilt es zu prüfen, ob sie wirklich trägt

      Bei Oliver Gätgens und Niklas Bürger steht diese Entscheidung Ende des Jahres an. Bis dahin feilen sie an ihrer Geschäftsidee „Suprsafe“. Nein, kein Tippfehler. Suprsafe ohne e. Warum? „Wir haben weit über 1000 Domain-Namen auf der Suche nach einem Namen überprüft, der noch nicht vergeben ist“, so Niklas Bürger. Deshalb diese ungewöhnliche Variante. Und worum geht es nun bei Suprsafe? Kurz: Der Kunde entscheidet: Was möchte er versichern und für welchen Betrag? Das Fahrrad oder die Gitarre werden im digitalen Safe sicher verwahrt.

      Bernd Scharrer erklärt: „Das Coole ist, dass es eine ganz andere Darstellung des Themas Versicherung ist. Es ist sehr transparent und der Safe-Ansatz ist charmant und gut verständlich. Ich finde das spannend und ausbaufähig.“ Eine Garantie, dass das Produkt auf den Markt kommt, ist das aber noch nicht. Das hängt noch von vielen Faktoren ab: Mögen die Kunden es? Wie teuer wäre die Umsetzung, lohnt sich das überhaupt?

      Allianz X bringt jedes Jahr fünf Unternehmen auf den Markt. Hunderte Ideen werden unterwegs verworfen. Ob es den Suprsafe nächstes Jahr wirklich zu kaufen gibt und ob die beiden Intrapreneure den Sprung wagen und ein Start-up gründen.

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      Mehr über Allianz X auf im Blog des Company Builders:Allianz X Blog