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      Hopfen, Malz, Hefe und Wasser: Mehr Grundstoffe braucht es nicht zum Bierbrauen.  (Quelle: istockphoto/ClaudeMic)

      Agrarversicherung 19. September 2016

      Hagelfest: Die Hopfenprinzessin aus der Hallertau

      Text: Isabell Troppmann
      Foto: istockphoto/ClaudeMic
      Hopfen ist ein wichtiger Bestandteil in Kathrin Obermeiers Leben: Sie ist nicht nur Tochter eines Hopfenpflanzers und arbeitet für die Münchener und Magdeburger Agrarversicherung als Sachverständige für Hagelschäden, sondern vertritt jetzt auch als Hopfenprinzessin die Hallertau – und das sogar auf dem Münchner Oktoberfest.

      Kathrin Obermeier zupft die Dolden von den Reben und zerreibt sie prüfend zwischen den Fingern. „Wenn jetzt nichts mehr schiefgeht, steht uns ein sehr gutes Jahr in der Hopfenernte bevor.“ Sie blickt die langen Reihen der Hopfenreben entlang, von hier kann man nur einen kleinen Teil des größten Hopfenbaugebietes der Welt sehen. Dicke Dolden hängen an den Reben und duften schon vielversprechend. „Gemessen wird die Qualität des Hopfens anhand unterschiedlicher Faktoren wie Geruch, Gewicht und Farbe. Beurteilt wird durch ein unabhängiges Institut.“

      Man merkt, dass sie weiß, wovon sie spricht, denn sie stammt aus einem Hopfenbetrieb und studiert Agrarmarketing an der Hochschule Weihenstephan. Das ist auch die wichtigste Voraussetzung für ihre neue Rolle als Hopfenprinzessin, denn eine Prinzessin muss entgegen dem üblichen Klischee nicht nur hübsch aussehen, sondern vor allem Ahnung von ihrem Thema haben. „Wie sollte jemand, der keine Ahnung vom Hopfen hat, spannende Fakten über den Anbau erzählen? Ich muss doch wissen, von was ich rede, wenn ich glaubhaft sein möchte!“ Deshalb vertritt sie das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt nun auf landwirtschaftlichen Großveranstaltungen.

      Der Hopfen spielt eine große Rolle in Kathrin Obermeiers Leben: Die Tochter eines Hopfenpflanzers arbeitet für die Münchener und Magdeburger Agrarversicherung als Sachverständige für Hagelschäden - und ist Hopfenprinzessin der wichtigen Anbauregion Hallertau.

      Foto: Michaela Curtis

      Der Hopfen spielt eine große Rolle in Kathrin Obermeiers Leben: Die Tochter eines Hopfenpflanzers arbeitet für die Münchener und Magdeburger Agrarversicherung als Sachverständige für Hagelschäden - und ist Hopfenprinzessin der wichtigen Anbauregion Hallertau. (Quelle: Michaela Curtis)

      Risiken im Hopfenanbau

      Diese Woche besucht Obermeier das Zentral-Landwirtschaftsfest in München, das traditionell neben dem Oktoberfest beheimatet ist, und informiert über die wichtigste Zutat des Bieres. Außerdem steht unter anderem noch ein Auftritt auf der Grünen Woche in Berlin auf dem Programm. Die größte Herausforderung ist es, diese Termine alle unter einen Hut zu bekommen, denn seit 2015 ist sie neben dem Studium noch als Sachverständige für die Allianz Tochter Münchener und Magdeburger Agrarversicherung unterwegs, um Unwetterschäden zu beurteilen.

      Dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist, wissen die Hopfenpflanzer der Hallertau nur zu gut. Ein starkes Gewitter, Sturm oder Hagel im falschen Moment und schnell ist die Ernte verloren. Besonders gefährlich ist das kurz vor der Erntezeit, wenn die Anbaugerüste zusammenbrechen und die kostbaren Dolden zerquetschen. Der Bauer trägt das ganze Jahr über hohe Kosten und nicht wenige stehen nach einer solchen Katastrophe vor dem Ruin.

      Im Schadenfall ist Obermeiers Expertise gefragt

      Jetzt hilft nur eine Versicherung und schnell muss es gehen. Hier kommt Kathrin Obermeier ins Spiel, denn sie beurteilt, welches Unheil die Wetterkapriole angerichtet hat. Zusammen mit einem Experten-Team ist sie oft schon innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Meldung vor Ort, weil Unwetterschäden unmittelbar gesichtet werden müssen. Nur so lässt sich ausschließen, dass die Schäden nicht durch andere Ursachen wie Krankheiten oder Schädlinge hervorgerufen wurden. Bei der Schadenermittlung spielen neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie die Erfahrung der Experten eine große Rolle.

      Man stelle sich vor: 40 Jahre ohne Pause Oktoberfest feiern. Bier wäre auf jeden Fall genug da.

      Grafik: Allianz Deutschland AG

      Man stelle sich vor: 40 Jahre ohne Pause Oktoberfest feiern. Bier wäre auf jeden Fall genug da. (Quelle: Grafik: Allianz Deutschland AG)

      Doch wie lässt sich ein Unglück überhaupt beurteilen? „Wir begutachten mehrmals 33 Hopfenstöcke in einer Reihe und rechnen dann auf die Gesamtfläche hoch. Trotzdem prüfen wir das ganze Feld, denn Unwetterschäden treten oft lokal auf und haben deshalb ganz unterschiedliche Auswirkungen.“

      Unwetterschäden können Landwirte in den Ruin treiben

      Rund 15 Einsätze hatte Kathrin Obermeier in diesem Jahr schon. Wie alle Schätzer konzentriert sie sich auf Spezialkulturen, die auf dem elterlichen Hof angebaut werden: Sie beurteilt Schäden an Hopfen sowie im Ackerbau an Mais, Gerste, Weizen und Hafer.

      Anfangs fürchtete sich die 19-Jährige davor, als junge Frau nicht ernst genommen zu werden, doch bisher stieß sie noch auf keine Probleme. Die Studentin schätzt diese praktische Tätigkeit, denn „als Schätzerin lerne ich immer neue Leute kennen und beschäftige mich mit deren Schicksal. Es tut gut, zu wissen, dass diesen Menschen geholfen wird.“