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      Suchbild: Wo sind die saftigen roten Früchte, die hier eigentlich zu sehen sein sollten? (Quelle: Basti Arlt)

      Reportage 7. Juni 2016

      Eine Viertel Million Erdbeeren – alles Matsch

      Text: Charlotte Gerling
      Foto: Basti Arlt
      214 Millionen Erdbeeren sind deutschlandweit über die Allianz Tochter Münchener und Magdeburger Agrarversicherung abgesichert. Mehrere Hunderttausend sind Sturmtief "Elvira" zum Opfer gefallen. Ein Besuch bei Landwirt Florian Mall in Schwörzkirch bei Ulm.

      Das Laub ist zerfetzt. Überall auf dem Feld liegen Blütenblätter und zermatschte Erdbeeren. Schon auf den ersten Blick ist klar: Der Hagel hat einen großen Teil der Erdbeerernte von Landwirt Florian Mall zerstört. Nachts um elf kam das Unwetter mit Hagelkörnern, so groß wie Zwei-Euro-Münzen. Dem konnten die Pflanzen nicht standhalten. Für den erfahrenen Schadensachverständigen Hermann Sauer ist es kein alltäglicher Anblick: "Einen solchen Schaden habe ich lange nicht gesehen. So viele abgeschlagene Erdbeeren und Blüten sind selten." Besonders tragisch für den Landwirt: Er wollte nur wenige Tage nach dem Unwetter mit der Ernte beginnen.

      Die Guten ins Töpfchen...? Nur leider sind nach den Unwetter dieses Jahres gewichtige Teile des Erdbeerbestandes zerstört.

      Foto: Basti Arlt

      Die Guten ins Töpfchen...? Nur leider sind nach den Unwetter dieses Jahres gewichtige Teile des Erdbeerbestandes zerstört. (Quelle: Basti Arlt)

      Die Männer kennen sich aus - sie betreiben selbst Landwirtschaft

      Gemeinsam mit seinen Kollegen macht sich Sauer an die Arbeit. Sie überblicken erst einmal das komplette Feld auf der Suche nach einer geeigneten Stelle für ihre Schätzung des Schadens. Die Wahl des Standorts ist wichtig für eine repräsentative Schätzung: Durch Wind könnten von einer Anhöhe abgeschlagene Erdbeeren weggeweht worden sein, in einer Traktorspur würden sie sich dagegen sammeln. Als erste Stichprobe stecken die Männer zehn Pflanzen ab. In diesem Bereich sammeln sie alle auf dem Boden liegenden Erdbeeren und Blütenstände auf – sie zählen 224 abgeschlagene Früchte. Dann richten sie ihren Blick auf die Pflanzen: Sind Blüten oder Beeren vom Hagel nicht getroffen, leicht betroffen oder komplett zerstört? Alles wird genau auf dem Schadenermittlungsbogen vermerkt.

      Auf allen Vieren durchs Erdbeerfeld: Das Ausmaß des Schadens muss genau untersucht werden.

      Foto: Basti Arlt

      Auf allen Vieren durchs Erdbeerfeld: Das Ausmaß des Schadens muss genau untersucht werden. (Quelle: Basti Arlt)

      Wichtig: Ein geschultes Auge

      Wichtig bei der Arbeit ist ein geschultes Auge: Ist der Schaden an Blüte oder Beere wirklich durch den Hagel entstanden? Oder sind Frost, Schädlinge oder Schnecken schuld? Da jede Pflanze ihre Eigenheiten hat, ist immer ein Experte vor Ort, der sie selbst anbaut. Jeder der rund 600 Schadensachverständigen der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung (MMA) hat in der Regel selbst eine Landwirtschaft zuhause. Sie arbeiten lediglich nebenberuflich als Schätzer. Dieses Vorgehen hat sich bei der MMA seit ihrer Gründung 1953 bewährt – und ihr viel Vertrauen auf Seiten der Kunden eingebracht.

      Sind nicht gekommen, um zu pflücken - sondern um zu prüfen: Die Schadensachverständigen der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung (MMA).

      Foto: Basti Arlt

      Sind nicht gekommen, um zu pflücken - sondern um zu prüfen: Die Schadensachverständigen der Münchener und Magdeburger Agrarversicherung (MMA). (Quelle: Basti Arlt)

      Hagel tritt sehr punktuell auf

      Während der Arbeit erklären die Experten dem Landwirt ihr Vorgehen. "Wenn wir vom Hof fahren, sollen beim Kunden keine Fragen offen sein", sagt Sauer. "Das ist mindestens genauso wichtig wie die Schätzung selbst." Schließlich geht es hier um die Existenz der Landwirte. Nach der Zählung begehen die Fachmänner noch einmal das ganze Feld. Reicht eine Stichprobe aus? Hat sich der Hagel in eine Richtung verstärkt oder abgeschwächt? Auf einer Fläche von einem Hektar kann sich das Schadenbild stark verändern. Hermann Sauer erklärt: "Hagel ist sehr punktuell. Da kann man Glück haben, und 100 Meter weiter links oder rechts sieht es besser aus." Auf dem Feld von Florian Mall ist das leider nicht der Fall: Die Experten stellen fest, dass 74 Prozent des Feldes, umgerechnet 241.018 Erdbeeren, zerstört sind – fast ein Totalschaden. Ohne Versicherung wäre dies ein schwerer finanzieller Verlust von mehreren tausend Euro.

      Geringere Erntemenge bedeutet höhere Preise: Erdbeerfans müssen sich in diesem Jahr auf höhere Preise einstellen.

      Foto: Basti Arlt

      Geringere Erntemenge bedeutet höhere Preise: Erdbeerfans müssen sich in diesem Jahr auf höhere Preise einstellen. (Quelle: Basti Arlt)

      Bittere Erinnerung ans Unwetter von vor drei Jahren

      Vor drei Jahren musste Mall die gleiche Erfahrung schon einmal machen. Ein Hagelschauer hatte damals ebenfalls einen großen Teil seiner Erdbeerernte schwer beschädigt. Glaubt man der älteren Generation im Dorf, nehmen die extremen Wetterereignisse zu. Gab es früher alle zehn Jahre ein solches Gewitter, trifft es die Gegend nun alle zwei bis drei Jahre. Deshalb hat Mall auch seinen Ackerbau und die Spargelfelder versichert. Denn vieles kann er beeinflussen – aber nicht das Wetter.

      Jetzt informieren

      Schäden melden: Alle Kontaktmöglichkeiten auf derUnwetter Serviceseite der allianz.de