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       (Quelle: FettichFilm)

      Digitalisierung 6. Dezember 2016

      Hack mit Brötchen

      Text: Markus Walter
      Foto: FettichFilm
      „Programmiere eine Chatbot-Anwendung oder eine Blockchain-App. Du hast dazu vier Stunden Zeit.“ 20 Hacker stellten sich dieser Aufgabe beim von Allianz X, Allianz Deutschland und Burda veranstalteten Code Slam in München.

      Es gibt die angesagte Brause „Club Mate“. Es gibt Salat im Einmach-Glas und vegan belegte Brötchen. Ein Hipster-Bart ist zu sehen, ein paar Kapuzenpullis, mit Aufklebern verzierte Apple-Laptops. Man unterhält sich auf Englisch, spricht in Kürzeln und Insider-Begriffen. Offensichtlich: Der Code-Slam, zu dem Allianz X, Allianz Deutschland und Burda an diesem Dienstagabend im November nach München eingeladen haben, qualifiziert sich als hippes Hacker-Happening. 

      Und das muss er auch: Gute Programmierer sind in allen Bereichen der Wirtschaft gefragt. Über Digitalisierung wird nicht mehr nur gesprochen, sie kommt mit großen Schritten in den Unternehmen an. Nun balgen sich alle um die besten IT-Profis, in den Großstädten finden tagtäglich Events statt, auf denen diese ihr Können unter Beweis stellen und sich damit bei potenziellen Arbeitgebern vorstellen können. Oliver Flasse, Abteilungsleiter in der IT der Allianz Deutschland AG, erklärt: „Es ist nicht abwegig, einen guten Programmierer bei einem Hackathon von der Stelle weg zu engagieren“.

      Als Preisgeld winken Bitcoins

      Flasse schaut deshalb genauso wie das Team des Company Builders Allianz X ganz genau hin, was die Teilnehmer des Code-Slams in ihre Laptops tippen. Gerade einmal vier Stunden Zeit haben sie bekommen, sich eine Chatbot-Anwendung oder eine Blockchain-App auszudenken. Versicherungsbezug sollen die Entwicklungen haben, ansonsten gibt es keine einengenden Vorgaben. 

      Schulterblick beim Code-Slam: Die IT-Experten von Allianz X und Allianz Deutschland erkennen schnell, wieviel Kreativität in der Zeichenfolge auf dem Bildschirm steckt.

      Foto: FettichFilm

      Schulterblick beim Code-Slam: Die IT-Experten von Allianz X und Allianz Deutschland erkennen schnell, wieviel Kreativität in der Zeichenfolge auf dem Bildschirm steckt. (Quelle: FettichFilm)


      70 Hacker (engagierte Programmierer haben den einst negativ besetzten Begriff positiv umgedeutet) hatten sich für den Event beworben, 20 wurden ausgewählt. Studenten, Freelancer, aber auch gar nicht mehr ganz junge Programmierer in Festanstellung, die ihre Fähigkeiten auf den Prüfstand stellen, sich messen wollen. Eine Apple-Watch gewinnt der Beste von ihnen, 200 Euro in Bitcoins der Zweitplatzierte.

      „Ein Hackathon ist auch Employer Branding“ erklärt Natalia Karbasova, die als „Digital Assistant“ des Verlegers Hubert Burda regelmäßig solche Events veranstaltet. Vielleicht lernt die Allianz also bei einem Code-Slam potenzielle Mitarbeiter kennen – sicher aber positioniert sie sich als Unternehmen, das das Thema Digitalisierung ernst nimmt und Arbeitsplätze in einem dynamischen Umfeld bietet. 

      Die Schönheit des Codes

      Dass ihnen die Firmenvertreter beim Code-Slam regelmäßig über die Schulter blicken, zwischendrin Fragen stellen, irritiert die Programmierer nicht. „Erkennen Sie auf den ersten Blick, ob die Abfolge von Zeichen auf dem Bildschirm - der Code - vielversprechend ist?“, wird Allianz IT-Experte Flasse gefragt. „Naja, spätestens beim genaueren Hinsehen erkennt man schon, ob es sich um gute Programmierkenntnisse handelt“. Später, gegen Mitternacht, schwärmen die Teilnehmer der Jury von der „Schönheit“ ihrer Codes vor. Laien verstehen dabei genau eins: Bahnhof.

      Zufriedener Gewinner, zufriedene Ausrichter des Code-Slam: Umrahmt von den Experten von Allianz X und Burda präsentiert Babur Duisenov seine Sieger-Urkunde. Wohlgemerkt: Als dieses Bild entstand, war es ein Uhr nachts.

      Foto: FettichFilm

      Zufriedener Gewinner, zufriedene Ausrichter des Code-Slam: Umrahmt von den Experten von Allianz X und Burda präsentiert Babur Duisenov seine Sieger-Urkunde. Wohlgemerkt: Als dieses Bild entstand, war es ein Uhr nachts. (Quelle: FettichFilm)

      Die Atmosphäre beim Code-Slam, sowohl während des Programmierens als auch bei den gerade mal sechzig Sekunden langen Pitches, ist erstaunlich entspannt. „Auch darauf kommt es an,“ erklärt Allianz X Managing Director Bernd Scharrer, „wer unter Zeitdruck und mit einer gewissen Geräuschkulisse konzentriert arbeiten kann, ist klar im Vorteil“. In den wenigen Stunden – ein Slam ist deutlich kürzer als die in der Regel tagelangen Hackathons, bei denen zudem in Teams gearbeitet wird – stellen die Programmierer nicht nur ihre „Skills“, sondern auch ihre Persönlichkeit unter Beweis.  

      Nachts um eins, die Gewinner Babur Duisenov und Tim Jägerbel sind gekürt, sehen die Allianz Manager Flasse und Scharrer zufrieden aus. Ein anstrengender, langer Abend, keine Frage – aber auch eine interessante, schnelle Methode, ohne lange Bewerbungsprozesse Potenzialträger zu identifizieren. Life’s a pitch!