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    • Gegen schlechtes Wetter gewappnet: Reisewetterversicherung
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      Mit der Reisewetterversicherung der Allianz hatten Urlauber selbst bei Regen gut lachen. (Quelle: Fotolia/ gpointstudio)

      Reisewetterversicherung 24. Juli 2015

      Regen am Ferienort? Geld zurück!

      Text: Michael Cornelius
      Foto: Fotolia/ gpointstudio
      1953 brachte die Allianz eine neuartige Versicherung auf den Markt, die sich sofort als Verkaufsschlager entpuppte: die "Reisewetterversicherung". Bei allzu viel Regen am Urlaubsort gab es bares Geld für die Kunden.

      Das Prinzip war einfach und revolutionär, eine Art Wetterlotto: Bei schlechtem Klima regnete es Geld. Über die Höhe der Auszahlung entschied die "Tafel zur Schadenberechnung", die auf jedem Versicherungsschein aufgedruckt war. Die Kunden konnten in einer Tabelle die täglichen Niederschlagswerte eintragen. Im Zweifel half auch die beigefügte Telefonnummer des Deutschen Wetterdienstes, der für die Allianz die offiziellen Messungen durchführte.

      Die Reisewetterversicherung galt für 340 Ferien- und Kurorte in Deutschland von A (Aachen) bis Z (Zellerfeld). Je nach Niederschlagshöhe bekam ein Versicherungsnehmer fünf, fünfzehn, fünfzig oder sogar hundert Prozent der wöchentlichen Versicherungssumme von 100 bis 500 DM erstattet.

      Entschädigung für verregnete Ferien

      Ein Beispiel: Um die volle Versicherungssumme ausbezahlt zu bekommen, hätte es bei einem Kurgast in Bad Tölz exakt 112 mm wöchentlich auf sein Pensionsdach prasseln müssen, während in Travemünde im Juni 39 mm Niederschlag genügten, um später mit einer Entschädigung für verregnete Ferien zu rechnen.

      Die Reisewetterversicherung startete mit einem perfekt choreographierten Werbeeinsatz. Im Mittelpunkt der Kampagne stand der Farbfilm "Wenn Kluge reisen": Papa Kluge sitzt gutgelaunt bei schlechtem Wetter in einer Pension. Während die anderen Feriengäste deprimiert aus dem Fenster starren, wendet er sich grinsend an die Kinozuschauer und zündet sich lässig eine Zigarette an: "Ja, ich bin bei der Allianz gegen Dauerregen versichert. Früher sagte man, auf Regen folgt Sonnenschein, heute heißt es, auf Regen folgt Geld ... wie im Märchen."

      Klimawandel: die Renaissance der Wetterversicherung

      Märchenhaft war auch der Run auf die Police - unter dem Strich machte die Allianz mit dem Produkt aber mächtig Miese. Dass es gar nicht um große Gewinne ging, sondern vielmehr um Publicity, erklärt Firmenhistorikerin Barbara Eggenkämper: "Die Versicherung war in aller Munde und verhalf der Allianz zu einem gewaltigen Popularitätsschub." Mitte der 1960er Jahre sank das Interesse an der Reisewetterversicherung allmählich, 1967 wurde sie schließlich eingestellt. Das Urlaubsverhalten der Bundesbürger hatte sich geändert. "Die Deutschen wichen dem ärgerlichen, aber harmlosen Regen einfach aus", vermutet Eggenkämper. "Statt in den Schwarzwald oder an die Nordsee, reiste man jetzt zunehmend ans Adriatische Meer nach Italien oder Jugoslawien." Der Sonne entgegen.

      In Zeiten des Klimawandels erlebt die Wetter-Versicherung heute eine ungeahnte Renaissance. Für Biergartenbetreiber etwa, Reiseveranstalter oder den Einzelhandel kann das Wetter ein Geschäftsrisiko werden. Karsten Berlage, Experte für Wetterversicherungen bei Allianz Risk Transfer, sagt: "Wenn ein Geschäft für Bademoden an einem Tag 20 Badeanzüge weniger verkauft, weil es regnet, kann es das verkraften. Wenn aber der ganze Sommer verregnet ist und es am Ende tausende weniger sind, sieht die Lage schon anders aus."

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