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      Der Engeltag fand diesen Juli im Allianz Zentrum für Technik statt. (Quelle: Julia Krüger)

      Engagement 7. August 2015

      Unterwegs mit Engeln

      Text: Mauritius Much
      Foto: Julia Krüger
      "Engeltag" ist, wenn Ehrenamtliche gemeinsam mit Kindern, die keine Eltern haben, Ausflüge unternehmen. Zum Beispiel ins Allianz Zentrum für Technik in Ismaning bei München.

      Mit großen Augen starrt Justin auf die Reste des roten VW Up, die im Foyer des Allianz Zentrum für Technik (AZT) in Ismaning stehen: Vom Vorderteil ist nur noch der deformierte Motorblock zu sehen. Eine Motorhaube, eine Stoßstange oder einen Kühlergrill gibt es nicht mehr. Zudem ist das Glas der Frontscheibe zersplittert. Wie wenig von dem schönen Auto übrig ist, beeindruckt den siebenjährigen Jungen. Denn in einem Film hat er kurz vorher im Hörsaal des AZT gesehen, was mit dem roten VW in Sekundenbruchteilen geschehen ist: Mit einer Geschwindigkeit von 64 km/h raste der Wagen bei einem Crashtest auf ein Hindernis zu und wurde zerstört. Dabei öffnete sich ein Stoffairbag und schützte den Dummy hinterm Steuer vor der Wucht des Aufpralls.

      Justin staunt über die verschiedenen Designs von Motorhauben im Farblabor.

      Foto: Julia Krüger

      Allianz Zentrum für Technik: Der siebenjährige Justin staunt über die verschiedenen Designs von Motorhauben im Farblabor. (Quelle: Julia Krüger)

      Neugierig betastet der siebenjährige Junge den Airbag, der jetzt ganz ohne Luft lose vom Lenkrad herunterhängt. Justin kann kaum glauben, dass dieser Stofffetzen den Dummy vor einem Flug durch die Frontscheibe bewahrt hat. "Toll, was ein Airbag kann!", stellt der blonde Junge mit der grauen Baseballkappe fest. Die hat er sich verkehrt herum aufgesetzt: Das passt zu dem aufgeweckten Buben mit dem Lausbubengesicht, der in den Hallen des AZT neugierig alles anfasst und überall herumklettert – ob auf einer eingefahrenen Hebebühne oder in einem schwarzen Audi, den die Mitarbeiter des AZT nach einem Crashtest gerade erst wieder zusammengebaut haben.

      "Wir wollen den Kindern eine schöne Zeit ermöglichen"

      Kotflügel aus Karbon anfassen, Crashtest-Dummys hochheben oder einfach kräftig auf die Hupe eines Smarts drücken – all das dürfen Justin und die 35 anderen Kinder heute. Denn an diesem Samstag Ende Juli führt sie der Hausherr Dr. Christoph Lauterwasser durch die Werkstatt, das Farblabor und die Crashbahn im Keller. "Wir wollen den Kindern hier eine schöne Zeit ermöglichen", sagt der AZT-Geschäftsführer. Denn die Mädchen und Jungen zwischen 5 und 17 Jahren haben es nicht leicht: Ganz ohne Eltern leben sie in verschiedenen Kinderheimen – so wie Justin im Marienheim Baschenegg bei Augsburg. Dort gibt es natürlich Pädagogen, aber gerade an Wochenenden müssen sich ganz viele Kinder wenige Betreuer teilen. Einen Erwachsenen ganz für sich allein haben sie dort nicht. Nicht einmal für ein paar Stunden.

      Passen gut zusammen: die kleine Maria und ihr Engel Franziska Hammersen.

      Foto: Julia Krüger

      Engeltag im Allianz Zentrum für Technik: Die kleine Maria und ihr Engel Franziska Hammersen sitzen auf einem Motorrad. (Quelle: Julia Krüger)

      Seit einem Jahr ist auch Franziska Hammersen ein "Engel". Die 22-Jährige arbeitet bei der Allianz im Bereich Vermögensschaden-Haftpflicht. Mittlerweile ist die rothaarige Frau in ihrer Freizeit aber auch im Orga-Team der Initiative tätig und plant die Engeltage: So fragte sie auch bei Dr. Lauterwasser und dem AZT nach, ob dort die Kinder und ihre Engel zu Gast sein dürfen – und erhielt prompt die Zusage. Deshalb folgt die Gruppe an diesem Julisamstag dem Hausherrn durch die Hallen des AZT und lacht, wenn Lauterwasser kindgerecht erklärt: "Wir machen hier Autos kaputt, damit sie in Zukunft länger halten."

      • Kinder zum Lächeln und Staunen bringen: Das ist das Ziel der Engel und der AZT-Mitarbeiter. (Quelle: Julia Krüger)

        Kinder zum Lächeln und Staunen bringen: Das ist das Ziel der Engel und der AZT-Mitarbeiter.

        Foto: Julia Krüger

      • Justin (r.) und Christoph Gebel haben sich erst im AZT kennengelernt, verstehen sich aber trotzdem prächtig. (Quelle: Julia Krüger)

        Justin (r.) und Christoph Gebel haben sich erst im AZT kennengelernt, verstehen sich aber trotzdem prächtig.

        Foto: Julia Krüger

      • Am Engeltag dürfen die Kinder im AZT alles ausprobieren: auch mit dem Lenkrad eines Audi A4 spielen. (Quelle: Julia Krüger)

        Am Engeltag dürfen die Kinder im AZT alles ausprobieren: auch mit dem Lenkrad eines Audi A4 spielen.

        Foto: Julia Krüger

      • Der Blick unter die Haube enthüllt spannende Technik. (Quelle: Julia Krüger)

        Der Blick unter die Haube enthüllt spannende Technik.

        Foto: Julia Krüger

        Franziska Hammersens Hand hält die fünfjährige Maria. Wie ihr Engel hat auch das Mädchen, das im Caritas Kinderdorf Irschenberg wohnt und jetzt mit ihr auf einem Motorrad in der Werkzeughalle sitzt, rote Haare. "Wir passen schon gut zusammen, gell?", sagt Hammersen. Maria nickt heftig und schmiegt sich an sie. Überhaupt kuschelt sich das Mädchen oft an ihren Engel – und der streichelt sie. Anders als Justin spricht Maria wenig und ist schüchtern. Sie tollt auch nicht durch das AZT, sondern genießt die Nähe und Wärme, die ihr Franziska Hammersen heute gibt. Die beiden kennen sich schon seit der letzten Veranstaltung im April, als sie einen Indoorspielplatz in München besuchten. "Maria kam einfach auf mich zu", erinnert sich Hammersen. "Es sind die Kinder, die sich ihre Betreuer aussuchen." Maria strahlt und sagt dann ganz langsam: "Du bist mein Engel!"

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