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      Ronja vom Scheidt, zwölf Jahre, erhielt den zweiten Preis in Physik beim Landeswettbewerb "Schüler experimentieren".  (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      1890 "Kinder" 4. Juli 2017

      Eine Klasse für sich

      Text: Kerstin Leppich
      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê
      Unfassbar, was in manchen Kinderzimmern vor sich geht: Da werden absolute Höchstleistungen erbracht. Sieben Hausbesuche

      Die Tänzerinnen

      Unser tollster Auftritt war in der Deutschen Oper in Berlin. Da standen wir beide in dem Stück "La Bayadère" alleine mit der Primaballerina auf der Bühne, haben auf Spitze getanzt und hatten ein Solo. Hoffentlich schaffen wir es auch einmal als Solistinnen an ein großes Theater. Vor Auftritten sind wir beide gleich nervös. Damit ist aber jeder allein. Das Einzige, was hilft: raus auf die Bühne und tanzen. Noch aufregender sind aber die Ballettprüfungen an der Schule. Da geht es darum, ob man hier bleiben darf. Ballettschüler aus der ganzen Welt wollen hier lernen. Wir leben im Internat der Schule. Neben dem theoretischen Schulunterricht trainieren wir mindestens 19 Stunden in der Woche klassischen und modernen Tanz. Allein zu üben, das können wir beide nicht so gut. Wenn die Proben bis in den Abend gehen, bleibt nicht so viel Zeit für Hausaufgaben. Manchmal warten wir ab, bis die Erzieher gute Nacht gesagt haben, machen das Licht wieder an und lernen zusammen noch ein paar Vokabeln.

      Camille und Sophie Blumert, 14 Jahre, sind als Schülerinnen der Staatlichen Ballettschule Berlin auf dem Weg, professionelle Bühnentänzerinnen zur werden.

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Camille und Sophie Blumert, 14 Jahre, sind als Schülerinnen der Staatlichen Ballettschule Berlin auf dem Weg, professionelle Bühnentänzerinnen zur werden. (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Das Musikgenie

      Ich liebe klassische und romantische Musik. Seit ich sieben bin, spiele ich Klavier, und genauso lange habe ich Ideen für Kompositionen. Die sind einfach in mir und oft von der Kultur der Antike inspiriert. Mein Lieblingsfach ist ja Latein, und ich freue mich auch schon auf Altgriechisch. Wenn mir die Idee für ein Stück kommt, setze ich mich ans Klavier, probiere sie aus, schreibe sie auf und entwickle sie weiter. Vor ein paar Wochen habe ich das erste Mal gehört, wie eines meiner Stücke von einem großen Orchester aufgeführt wurde. Das war in Halberstadt bei der Orchesterwerkstatt junger Komponisten, da war ich der Jüngste. Meine Musik klang viel besser, als ich es mir vorgestellt hatte.

      Ich kenne sie ja sonst nur von Computerprogrammen, und das klingt oft gar nicht so schön und klar. Ich mag es, wenn die Musik etwas rumst, auch wenn ich Klavier spiele. Meine Eltern sagen manchmal: "Spiel leiser!" Aber ich mag das genau so.

      Maximilian Cem Haberstock, zwölf Jahre, Teilnehmer der internationalen Meisterklasse mit Lang Lang in Warschau. Internationale Auftritte, Auszeichnungen und Preise.

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Maximilian Cem Haberstock, zwölf Jahre, Teilnehmer der internationalen Meisterklasse mit Lang Lang in Warschau. Internationale Auftritte, Auszeichnungen und Preise. (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Der Skateboarder

      Ich skate oft drei, manchmal auch neun Stunden am Tag, immer Street, also auf ebenen Flächen im Skatepark oder in der Halle. Dort gibt es Hindernisse, die man für Tricks nutzen kann: die Mini-Ramp, eine flache Halfpipe oder Curbs und Rails, die wie Bänke oder Geländer aussehen. Es gibt unzählige Tricks: Ollie Body Varial, Backside 180 Kickflip oder 360 Pop Shove-it. Ich skate jetzt seit sechs Jahren und beherrsche knapp 100 Tricks, es sollen aber noch viel mehr werden. Momentan arbeite ich am Backside Tailslide. Der ist schwierig, weil ich mit dem Rücken voran an eine Curb springe und nicht sehen kann, wo ich lande. Wenn ich die Curb verpasse, kann ich mich nicht abstützen und falle rückwärts dagegen. Das ist schon gefährlich. Bei den Wettbewerben wird gewertet, welche Tricks man wie gut steht. Weil ich schon einen Sponsor habe, fahre ich in den Wettkampfserien in der A-Gruppe der Profis mit, als Jüngster. Mit 1,48 Meter bin ich recht klein, aber das hat einen Vorteil: Je kleiner man ist, desto mehr Style hat man auf dem Board.

      Mika "Minishred" Möller, 13 Jahre, belegte als jüngster Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft der Skateboarder Platz sieben.

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Mika "Minishred" Möller, 13 Jahre, belegte als jüngster Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft der Skateboarder Platz sieben. (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Der Dartspieler

      Ich spiele erst seit zwei Jahren Darts. Als ich es mal aus Spaß in einer Gruppe von Vereinsspielern ausprobiert habe, standen allen die Münder offen, weil sie nicht glauben konnten, dass ich so gut treffe. Seitdem gehöre ich zum Team. Am Anfang gaben mir die Großen manchmal Tipps, inzwischen ist es umgekehrt. Die größte Herausforderung ist für mich, hoch zu werfen. Ich bin nur 1,40 Meter groß, und der Mittelpunkt der Scheibe hängt auf 1,73 Meter. Meine liebste Spielvariante ist 501 Double Out. Dabei muss man von 501 Punkten genau auf null runterspielen und mit einem Doppelfeld das Spiel beenden. Dass ich so jung bin, ist übrigens kein Nachteil. Wäre ich 20 Jahre früher geboren, hätte ich als so junger Spieler an keinem Turnier teilnehmen dürfen. Damals wurde beim Darts noch geraucht und Alkohol getrunken. Heute ist das auf der Bühne, also während eines Turniers, nicht mehr erlaubt. Hinter der Bühne trinken die Erwachsenen aber schon Bier. Die Zuschauer sehen das bloß nicht. Und ich finde das auch nicht so toll.

      David "German Eagle" Nach­reiner, elf Jahre, Europameister U14, Deutscher Meister U15 und U18, gilt als einer der deut­ schen Topspieler.

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      David "German Eagle" Nach­reiner, elf Jahre, Europameister U14, Deutscher Meister U15 und U18, gilt als einer der deut­ schen Topspieler. (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Die Schachmeisterin

      Schachspielen verbessert die Konzentrationsfähigkeit, das merke ich bei längeren Klassenarbeiten. Und an meinem Notenschnitt von 1,3. Etwa die Hälfte der Zeit, die ich dem Schach widme, verbringe ich mit Schachbüchern. Ich mache Taktikübungen oder lerne Eröffnungen auswendig. Und jeweils einmal in der Woche trainiere ich im Verein und mit meinem Schachtrainer in München via Skype. Großmeister haben tausende Stellungen im Kopf. Wer die abrufen kann, kann ein gutes Spiel machen. Ich gehe mit einem groben Plan in jede Partie und weiß, wie ich meine Figuren aufbauen möchte, damit alle mitspielen und ich einen Vorteil aus meiner Stellung herausspielen kann. Ziele sind das Wichtigste, um Erfolg zu haben. Das gilt im Großen wie im Kleinen: Vor jedem Wettkampf nehme ich mir daher ein Ziel vor. Etwa unter die ersten drei zu kommen oder gegen einen Großmeister zu gewinnen. Seit ich die Deutschen Meisterschaften gewonnen habe, schauen mich meine Gegner schon anders an. Manche haben Angst zu verlieren, andere bilden sich viel darauf ein, wenn sie mich schlagen. Der Druck ist mit dem Titel gewachsen. Aber ich blende ihn aus.

      Jana Schneider, 15 Jahre, lernte Schach im Alter von vier Jahren. Im April 2017 gewann sie die Deutsche Schachmeisterschaft der Frauen. 

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Jana Schneider, 15 Jahre, lernte Schach im Alter von vier Jahren. Im April 2017 gewann sie die Deutsche Schachmeisterschaft der Frauen.  (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Der Discjockey

      Als DJ muss man zuerst lernen, die Übergänge zwischen den Stücken gut hinzubekommen, also weich und unauffällig. Wenn sie hart sind, fällt das den Leuten auf und stört ihre Stimmung. Deswegen ist es für jede Party so wichtig, wie gut der DJ ist. Entscheidend ist, dass die Stücke, die ich nacheinander spiele, eine ähnliche Geschwindigkeit haben. Mehr als acht BPM, also Schläge in der Minute, dürfen sie nicht voneinander abweichen. Dafür muss ich die Lieder sehr genau kennen. Ich lege gerne Songs von David Guetta und Robin Schulz auf. Als DJ spiele ich die Musik aber nicht einfach nur ab, ich gestalte sie auch. Dafür gibt es verschiedene Effektknöpfe. Fünf bis sechs Regler hat jeder meiner zwei Player, der Mixer noch mal 20. Und alle haben eine andere Funktion. Mein liebster Effekt ist der Flanger. Den kann man sich wie ein Echo vorstellen. Wenn ich den Effekt sehr stark wähle, klingt das wie eine Roboterstimme. Das gibt der Musik einen starken Sound. Da geht das Publikum richtig ab.

      Damon Wick, elf Jahre, hat auf einem Holi­Festival und bei verschiedenen Open Airs aufgelegt. Sein Vater Damon Paul ist selbst DJ und passt bei Auftritten auf ihn auf. 

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Damon Wick, elf Jahre, hat auf einem Holi­Festival und bei verschiedenen Open Airs aufgelegt. Sein Vater Damon Paul ist selbst DJ und passt bei Auftritten auf ihn auf.  (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Die Forscherin

      Auf die Idee zu dem Projekt kam ich, als ich eine Blume modellieren wollte und es mit Fimo nicht funktioniert hat. Also brauchte ich eine bessere Bastelmasse. Mein Vater baut in seiner Freizeit Instrumente, daher kannte ich schon ein paar Materialien. Ich hab dann Fimo, der Fachbegriff ist Polymer-Ton, mit Carbonfasern gemischt und den Elastizitätsmodul, also die Festigkeit, gemessen. Das Mischen war echt anstrengend. Ich habe es erst mit einer Nudelmaschine versucht, die mir meine Eltern extra gekauft haben. Die hat es leider nicht gepackt und ist kaputtgegangen. Mit der zweiten Nudelmaschine ging es dann aber. Im Versuch konnte ich zeigen, dass mein Material viel fester ist als reines Fimo. Vielleicht wäre das für die Modellbauindustrie interessant? Kohlefasern werden ja schon in der Industrie verwendet. Die Idee dazu hatte ich übrigens bei einer Führung für die Teilnehmer von Schülerexperimentieren bei einem Autohersteller. So was finde ich toll: dass ich bei dem Wettbewerb andere Kinder treffe, die sich auch fürs Forschen interessieren.

      Ronja vom Scheidt, zwölf Jahre, erhielt den zweiten Preis in Physik beim Landeswettbewerb "Schüler experimentieren". 

      Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê

      Ronja vom Scheidt, zwölf Jahre, erhielt den zweiten Preis in Physik beim Landeswettbewerb "Schüler experimentieren".  (Quelle: Foto: Alina Emrich / Kiên Hoàng Lê)

      Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 3/2017 des Allianz Deutschland Kundenmagazins "1890" zum Schwerpunktthema "Kinder". Alle bisherigen "1890"-Ausgaben finden Sie in der Mediathek zum Download sowie als App für Apple-Geräte in itunes und für Android bei Google Play.