Oben Drohne
Illustration: Dieter Braun

Der Himmel der Zukunft wird den Drohnen gehören, da sind sich alle Technik-Visonäre einig. Ein Blick auf das, was heute schon möglich ist.

Eigentlich macht Rettungshund Basti seinen Job wie immer: Sein Hundeführer hat ihn losgeschickt, jetzt hechelt er im Zickzack die Hänge am Straußberg bei Sonthofen hinauf. Hier, in den Allgäuer Hochalpen, sind viele Wanderer unterwegs. Plötzlich beschleunigt Basti, springt durch die Bäume hinauf. Sein Führer hechelt hinterher. „Ja, was ist da? Ja, was ist da?“, fragt er immer wieder. Er spornt Basti an, der etwas gewittert hat. Und tatsächlich, mitten im Wald, hinter einer umgekippten Fichte, liegt eine rote Jacke. Ein paar Schritte weiter oben dann der Verletzte.

Es ist ein ganz normales Rettungsmanöver, wie es Basti und seine zweibeinigen Kollegen von der Allgäuer Bergwacht aus dem Effeff beherrschen. Nur eines ist heute anders: Der Einsatzleiter hatte vorher eine vierarmige Drohne losgeschickt und die rote Jacke schon aus der Luft geortet. So konnten die Retter Basti punktgenau einsetzen. Und das spart Zeit und Kraft. „Wir haben oft schwierige und gefährliche Situationen. Mit der Drohne können wir uns schnell einen Überblick verschaffen, ohne unsere Leute gefährden zu müssen“, sagt Thomas Griesbeck, stellvertretender Geschätsführer der Bergwacht Bayern.

Drohnen eröffnen neue Möglichkeiten

Die Retter können die Drohne aus einem eigens umgebauten Technikbus steuern, aus der Vogelperspektive per Livestream den Rettungseinsatz überblicken und für die Retter potenziell gefährliche Lawinenhänge oder unzugängliche Schluchten erkunden. Sie kann bei starkem Wind fliegen, in der Nacht und auf Armlänge an Felswänden entlang – da kann kein Hubschrauberpilot mithalten. Demnächst bekommt sie noch eine Wärmebildkamera, einen Lawinenpiepser und ein Ortungsgerät für Handys angehängt. Und wer weiß, vielleicht bald auch noch eine Thermoskanne mit heißem Tee für den Geretteten?

Mit dieser professionellen Überwachungsdrohne sucht unter anderem die Bergwacht Bayern nach Vermissten. Sie verkraftet Regen, Temperaturen bis zwölf Grad unter null und auch Windgeschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Die Cortex CS-5K von Copter Squad (Schweiz) kostet etwa 9500 Euro.
Mit dieser professionellen Überwachungsdrohne sucht unter anderem die Bergwacht Bayern nach Vermissten. Sie verkraftet Regen, Temperaturen bis zwölf Grad unter null und auch Windgeschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Die Cortex CS-5K von Copter Squad (Schweiz) kostet etwa 9500 Euro. Illustration: Dieter Braun

Der Bergwachtler Florian Abt, die Sonnenbrille ins Haar geschoben, sagt: „Wir verknüpfen moderne Technik mit altbewährten Suchmethoden und können so dem Einsatzleiter ganz neue Möglichkeiten verschaffen.“ Heute ist der Einsatz am Straußberg nur eine Übung, aber ein- bis zweimal im Monat wird die Drohne schon für echte Rettungseinsätze genutzt. Zehn Drohnenteams hat die bayerische Bergwacht im Einsatz und ist damit ziemlich weit vorn: Für ihr neues Drohnenkonzept bekamen die Retter kürzlich einen Förderpreis des Bundesinnenministeriums. Und dazu den Dank von Rettungshund Basti, der wegen des fliegenden Kameraden weniger Umwege laufen muss.

„Wir betreten das Zeitalter der Drohnen“

Axel Hacke, Kolumnist beim Magazin der „Süddeutschen Zeitung“, träumt davon, demnächst in seinem Gartencenter Erkundungs- und Vernichtungsflüge gegen seine Schneckenplage bestellen zu können. Oder dass Kampfdrohnen vom Typ „Anti-Gurr” die verhassten Tauben von seinem Balkon vergrämen. So skurril seine Ideen anmuten mögen: Den Drohnen ist alles zuzutrauen. Sie werden unser Leben drastischer verändern, als wir das jetzt auch nur ahnen können. Vielleicht werden die Menschen ihre Geschichte einmal so erzählen: Erst kam das Feuer. Dann das Rad. Dann das Internet. Und dann die Drohne. „Wir betreten das Zeitalter der Drohnen“, schrieb 2012 Chris Anderson, der damalige Chefredakteur des angesehenen Technologiemagazins „Wired“. „Als ich meinen ersten Roboter aus Spielzeugteilen zum Fliegen brachte, bekam ich eine Gänsehaut“, erinnert er sich. Er blieb bei den Drohnen. Heute beschäftigt sein Unternehmen 3D Robotics mehr als 100 Mitarbeiter.

Mit dieser professionellen Überwachungsdrohne sucht unter anderem die Bergwacht Bayern nach Vermissten. Sie verkraftet Regen, Temperaturen bis zwölf Grad unter null und auch Windgeschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Die Cortex CS-5K von Copter Squad (Schweiz) kostet etwa 9500 Euro.
Mit dieser professionellen Überwachungsdrohne sucht unter anderem die Bergwacht Bayern nach Vermissten. Sie verkraftet Regen, Temperaturen bis zwölf Grad unter null und auch Windgeschwindigkeiten bis zu 30 km/h. Die Cortex CS-5K von Copter Squad (Schweiz) kostet etwa 9500 Euro. Illustration: Dieter Braun

Man kann die Drohnen-Revolution leicht unterschätzen. Vor sechs Jahren glaubte die FAA, die Flugbehörde der USA, dass es 2020 dort rund 15000 zivil genutzte Drohnen geben werde. So viele werden heute jeden Monat verkauft. In diesem Jahr dürfen weltweit rund 10 Millionen Flugroboter über den Ladentisch gehen und dabei etwa 3 Milliarden Dollar Umsatz generieren, schätzen Konsumforscher. Es gibt kaum einen Lebensbereich, der vom großen Surren über unseren Köpfen verschont bleibt. Die Macht und Vielfalt der Drohnen ist schier unerschöpfich. Ein paar Beispiele gefällig?

Das größte Fernwärmesystem der Welt, das in New York, ein Labyrinth aus Röhren und Leitungen, war bislang ein wahrer Albtraum für die Inspektionsteams. Bis der Schweizer Drohnenhersteller Flyability anbot, testweise einen seiner Quadkopters durch die Boileranlagen fliegen zu lassen. Mit den Flugrobotern lassen sich die Leitungen billiger, schneller und ungefährlicher als bisher begutachten. Ähnlich überwacht BP seine Ölfelder und Thyssen seine Gaspipelines.

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Elios ist auf Innenräume spezialisiert, die eng oder schwer zugänglich sind: Abwasserkanäle, Industrieanlagen oder eingestürzte Häuser. Die Gitterstruktur aus Kohlefasern schützt die Drohne von Flyability (Schweiz) vor Schäden bei Kollisionen – und Menschen vor Verletzungen durch die Drohne. Illustration: Dieter Braun

Drohnen als wichtige Helfer in der Landwirtschaft

Wie sieht es mit dem Insektenbefall aus? Wo müsste mehr gedüngt oder bewässert werden? Auf welchen Feldern ist die Ernte reif? So lauten die Fragen, die sich jeder Landwirt stellt. Mit Drohnen überwachen und spritzen kalifornische Winzer ihre Reben, begutachten japanische Bauern ihre Sojafelder. Die 9,6 Milliarden Menschen, die 2050 die Welt bevölkern werden, können nur dann ernährt werden, wenn die Landwirte gezielter bewässern und düngen können, so der Drohnen-Visionär Anderson. Und Drohnen würden dabei helfen.

Der österreichische Kletterstar David Lama bezwang 2012 als erster Mensch den Cerro Torre in Patagonien, den vielleicht schwierigsten Berg der Welt, ohne künstliche Hilfsmittel. Das Ereignis wurde mit Helmkameras und Helikopter gedreht, dabei entstand wohl der aufwendigste Outdoor-Film aller Zeiten. Bei seiner jüngsten Expedition im Himalaya nahm Lama nur noch einen Drohnenpiloten mit. Auch bei Ski- und Radrennen gehört die Drohnenperspektive inzwischen zum Standard – zum Leidwesen der Sportler. Slalom-Ass Marcel Hirscher kollidierte im Dezember vergangenen Jahres beim Slalom in Madonna di Campiglio um Haaresbreite mit einem abgestürzten Minikopter. Trotzdem: Skitouren-Geher verewigen so ihre Pulverschneeträume, Brautleute lassen den schönsten Tag ihres Lebens per Drohne verfilmen, und Journalisten bekommen Bilder aus Konfliktgebieten, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten.

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Die PD-100 Black Hornet wiegt 15 Gramm, fliegt fast lautlos und ist daher kaum zu entdecken. Soldaten nutzen sie als Spion hinter den feindlichen Linien. Stückpreis: 30.000 bis 50.000 Dollar, schätzt ein Waffenexperte im Internet. Illustration: Dieter Braun

Drohnen sind Weltverbesserer, aber auch Kriegsgerät

Die Spannweite der Facebook-Drohne Aquila übertrifft die einer Boeing 737, aber dank ihrer Carbonstruktur wiegt sie nur die Hälfte eines Kleinwagens. Sie soll den rund vier Milliarden Menschen auf der Welt ohne Internet einen schnellen Zugang ermöglichen. Aus der Stratosphäre sollen die langsam fliegenden, sonnenbetriebenen Drohnen Datensignale zur Erde schicken. Ein ähnliches Projekt verfolgt Google mit seinem Projekt „Loon“. Die Internet-Ballone aus Kalifornien haben bei Tests schon 180 Tage in der Stratosphäre überlebt.
Drohnen sind Weltverbesserer, aber auch Kriegsgerät. Die ersten militärischen Drohnen waren die deutschen V1-Raketen. Zur gleichen Zeit schickte die US Air Force ferngesteuerte Flugkörper durch die Luft, als Übungsziele für Kanonenschützen. Strategisch relevant wurden Drohnen aber erst zu Beginn der Nullerjahre. Zwischen 2009 und 2015 starben laut US-Regierung bei 473 Drohnenangriffen der USA etwa 2600 Menschen – darunter Dutzende Zivilisten. Auch der sogenannte „Islamische Staat” setzt laut Angaben des Pentagons Lowtech-Drohnen mit Mini-Sprengstoff-Raketen ein. Unterdessen beschloss eine Kirchengemeinde im schwedischen Uppsala, mit Worten zu kontern: Tausende Miniaturbibeln wollen die Gläubigen über den IS-Gebieten per Drohne abwerfen lassen.

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Drohnen wie die Aquila von Facebook (USA) sollen in Zukunft in 20 Kilometern Höhe kreisen und das Internet in unterentwickelte und abgelegene Regionen bringen. Google verfolgt mit „Loon” ein ähnliches Projekt, nutzt dafür allerdings Gasballone. Illustration: Dieter Braun

In Regionen Äthiopiens, die von der Schlafkrankheit verseucht sind, lassen Miniflieger tonnenweise sterilisierte Tsetse-Fliegen frei, was die Infektionsrate senken soll. Wissenschaftler von den Universitäten in Kyoto und Bristol haben nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima und an Dutzenden anderen radioaktiv verseuchten Orten per Drohne Echtzeitdaten über die Strahlenbelastung gewonnen. Und nach dem Erdbeben in Nepal im Jahr 2015 erstellten Drohnen 3-D-Karten, damit die Rettungskräfte schneller Zugang zu den Opfern fanden – ganz ähnlich wie beim Bergwachtprojekt im Allgäu.

Drohnen werden Essen einkaufen und Rollstühle steuern

Beinahe jeden Tag gibt es neue Drohnengeschichten zu erzählen. Die Allianz setzt Drohnen zur schnellen Abschätzung von Großschäden ein. Die Kunden können dank ihnen auf schnelle und unbürokratische Hilfe bei Hochwasser- oder Sturmschäden hoffen. Umweltschützer dokumentieren mit Drohnen in Südameria die Abholzung des Regenwaldes und auf den Weltmeeren den illegalen Walfang. Amazon will mit dem Dienst Prime Air Sendungen binnen 30 Minuten nach Bestellung per Drohne ausliefern. Soeben hat DHL die deutsche Antwort darauf getestet und bei Bad Tölz die Zustellung von Paketen per Minihelikopter ausprobiert. Drohnen werden demnächst das Essen einkaufen oder Rollstühle steuern und überwachen. Studenten der University of Pennsylvania brachten einem Schwarm von Minikoptern das Musizieren bei. Vielleicht wird das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker irgendwann von Drohnen aufgeführt? Und wer weiß, vielleicht ist es ja zu Axel Hackes Gartenschneckenbekämpfungs-Drohne gar nicht mehr so weit hin?

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Wie Amazon sucht auch DHL nach dem Postboten von morgen. Den Paketkopter 3 testete DHL Anfang des Jahres im Raum Bad Tölz. Rund 130 Päckchen wurden an umgebauten Packstationen vollautomatisch angeliefert und abgeholt. Illustration: Dieter Braun

Das selbst gesteuerte Auto macht eigentlich nichts anderes als das, was ein normales Auto bisher auch gemacht hat – nur eben ohne Fahrer. Aber die Drohnen-Revolution ermöglicht Anwendungen, die vorher mit viel höheren Kosten oder Risiken verbunden waren. Die Fortschritte in der Sensorik, die immer leistungsstärker gewordenen Chips und Kameras, die Vernetzung durch das Internet der Dinge, das Satellitennavigationssystem GPS – all das hat aus Modellflugzeugen autonome Alleskönner gemacht. Die erfolgreiche dreidimensionale Interaktion zwischen Mensch und Maschine zeigt den Autobauern, was sie bei ihren zweidimensional agierenden Gefährten noch vor sich haben. Vielleicht liegt auch deshalb die Drohne auf der Coolness-Skala derzeit weit vor dem Auto. Bereits heute hängen 100.000 Arbeitsplätze an der Produktion und dem Verkauf von Drohnen

Es sind Goldgräberzeiten, die in der UAV-Branche angebrochen sind. UAV ist die offzielle Bezeichnung für alle Drohnen, die Abkürzung steht für Unman-ned Aerial Vehicle, unbemanntes Luftfahrzeug. Allein in den USA soll die Branche in fünf Jahren rund 100 Milliarden Dollar jährlich umsetzen. Aus Projekten von Crowdfunding-Websites werden innerhalb weniger Monate ernst zu nehmende Unternehmen. Das chinesische Start-up Zero Zero entwickelte seine Hover Camera innerhalb von zwei Jahren aus dem Nichts. Die Drohne sieht aus wie ein schwebendes Fliegengitter, das sich zusammenklappen lässt. Das spezielle Design elektrisiert die Fangemeinde.

Den wachsenden Markt dominieren amerikanische und chinesische Firmen, doch auch die Europäer entdecken nach und nach das Potenzial der UAVs. 100.000 Arbeitsplätze, schätzen Experten, hängen bereits heute an der Fertigung und dem Verkauf von Drohnen. Beinahe täglich kommen neue Varianten auf den Markt, die Entwicklung ist kaum noch zu überschauen. Manche Modelle, etwa Googles Ballondrohnen, sind leichter als die Luft, die meisten aber schwerer. Es gibt UAVs mit festen Flügeln, die wie Flugzeuge aussehen, es gibt Rotorantriebe wie bei Hubschraubern und es gibt Hybridmodelle wie den Paketkopter 3 von DHL.

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Zusammengeklappt ist die Hover Camera so groß wie ein Taschenbuch. Sie wiegt 240 Gramm und man wirft sie zum Starten einfach in die Luft. Fernsteuern lässt sie sich per Smartphone-App. Verkauft wird sie noch nicht, das chinesische Start-up Zero Zero Robotics führt eine Warteliste. Illustration: Dieter Braun

Zudem kann man Drohnen nach der Zahl ihrer Rotoren unterteilen: Es gibt Monokopter mit einem Rotor, aber auch Tri-, Quad-, Hexa- sowie Octokopter mit acht Luftschrauben. Mit Kamera und GPS-Ortung sind inzwischen viele der Spielzeugflieger ausgestattet. Die derzeit kleinste Drohne mit Kamera dürfte die 37 Gramm leichte Skeye Mini Drone sein, die große Schwester der Nano Drone (siehe Bild unten). Es gibt sie für 99 Dollar im Internet. Der Vierblättler kann mit einer Stomladung bis zu acht Minuten in der Luft bleiben.

Kaum größer, aber mindestens 300-mal so teuer ist die Militärdrohne Black Hornet Nano UAV. Sie kann aus 1,6 Kilometer Entfernung vom Soldaten gesteuert werden, 25 Minuten in der Luft bleiben und leistete schon für die amerikanische, britische und norwegische Armee Aufklärungsdienste in Afghanistan.

Ein anderes Militärgerät, die MQ-1 Predator, gilt als eines der fragwürdigsten Flugobjekte in der Geschichte der Menschheit. Mit ihr begann Mitte der Neunziger die Kriegsführung per Drohne. Radargesteuert, bei jedem Wetter und tags wie nachts einsetzbar. 35 Stunden lang kann diese Waffe fliegen, in einer Höhe wie ein Verkehrsflugzeug – das sind die technischen Daten des heute aktuell Nachfolgers MQ-9 Reaper. Stückpreis: knapp 17 Millionen Dollar. Der Hersteller General Atomics beliefert damit die Armeen von Nato-Ländern. Aber auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien haben die Drohnen bestellt.

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Skeye Nano Drone ist mit 4 cm Spannweite die kleinste Drohne der Welt. Sie fliegt 7–8 Minuten mit einer Ladung und reagiert noch in 50 Metern Entfernung auf die Signale der Fernsteuerung. Preis dieses Spielzeugs von TRNDlabs aus den Niederlanden: rund 60 Euro. Illustration: Dieter Braun

„Man stelle sich vor, die Drohne wäre ins Triebwerk geraten oder ins Cockpit eingeschlagen …“

Das Zeitalter der Drohnen bringt auch neue Gefahren im Zivilen mit sich, etwa im Profisport. Nicht nur der Slalomfahrer Michael Hirscher entging nur knapp einem Unglück, auch bei den Tennis-US-Open in New York 2015 und bei einem Football-Spiel wenige Tage später in Kentucky schrammte man knapp an Unfällen vorbei. Trotzdem hat die US-Flugbehörde FAA seither Drohnenflüge an Sportstätten verboten. Wie Gaffer an einer Unfallstelle haben Hobby-Drohnenpiloten im Juli 2015 bei Waldbränden in Kalifornien die Feuerwehrhelikopter so stark behindert, dass sie nicht löschen konnten und abdrehen mussten. Datenschützer fürchten die ständige Überwachung durch die Luftquirls von jedermann und überall. Gefängniswärter haben schon Handys und Haschisch abgefangen, die ihren Insassen per Drohne zugestellt werden sollten.

Auf besonders unangenehme Weise machten im August die 108 Passagiere eines Airbus A321 im Landeanflug auf den Münchner Flughafen Bekanntschaft mit den Risiken des Drohnenzeitalters: Ein Quadkopter näherte sich der Maschine in 1700 Meter Höhe bis auf wenige Meter. „Man stelle sich vor, die Drohne wäre ins Triebwerk geraten oder ins Cockpit eingeschlagen, da wären schlimmstenfalls Menschenleben in Gefahr gewesen“, sagte Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Um die Risiken zu minimieren, kursieren die unterschiedlichsten Ideen: Ein Unternehmen in den Niederlanden richtet Adler zur Drohnenabwehr ab. Japanische Forscher entwickeln Störsender, und der Flugzeughersteller Boeing will mit Laserkanonen schießen.

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Die Kampfdrohne MQ-9 Reaper von General Atomics (USA) kann 3000 Kilometer weit und 15 Kilometer hoch fliegen. Ihr Vorgängermodell Predator war ursprünglich nur zur Aufklärung konzipiert und wurde später bewaffnet. Von beiden Modellen sind mehr als 500 Exemplare global im Einsatz. Illustration: Dieter Braun

Wer darf mit welcher Qualifikation was für Drohnen wie hoch und wie schnell in welchem Abstand zu dieser oder jener Einrichtung iegen? All diese Fragen ein juristisches Babylon. Wer wissen will, wie hoch seine Drohne fliegen darf, muss streng genommen Luftfahrtkarten konsultieren. Im Umkreis von 1,5 Kilometern zu einem internationalen Flughafen sind Drohnen generell verboten. Und es kommt darauf an, was die Drohne wiegt – ab fünf Kilogramm oder bei gewerblicher Nutzung ist grundsätzlich eine Genehmigung der Landeslufahrtbehörde nötig.

Weitere juristische Fallstricke lauern im Bereich Persönlichkeitsrecht und Datenschutz, falls man andere Menschen fotografiert, und im Haftungsrecht, falls eine Drohne fremdes Eigentum beschädigt. Verstöße gegen die Bestimmungen sind bislang kaum zu kontrollieren. Auch weil es nur wenige konkrete Bestimmungen gibt: kein Register für Drohnen, um sie zu identifizieren. Keine Flugschreiber, die aufzeichnen, wann und wo geflogen wurde. Und auch keinen Drohnenführerschein. Bis auf Weiteres gilt das Motto: freier Flug für freie Bürger.

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Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 4/2016 des Allianz Deutschland Kundenmagazins „1890“ zum Schwerpunktthema „Fliegen“. Alle bisher erschienenen „1890“-Ausgaben finden Sie in der Mediathek zum Download sowie als App für Apple-Geräte in itunes und für Android bei Google Play.

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