Suchen
    • Aktuell
    • Erklärt
    • Digitalisierung: Was steckt hinter der Blockchain-Technologie?
      • Suchen
       (Quelle: istockphoto/nmlfd)

      Digitalisierung 6. Februar 2017

      Digitalisierung: Was steckt hinter der Blockchain-Technologie?

      Text: Andreas Nolte
      Foto: istockphoto/nmlfd
      Was kann die Blockchain leisten - und was nicht? Eine Bestandsaufnahme von Dr. Andreas Nolte, Chief Information Officer (CIO) der Allianz Deutschland AG.

      Für die einen ist es eine Revolution, für die anderen eine Randnotiz der Technik-Geschichte. Es herrscht ein Riesen-Hype um die Blockchain. 24,6 Millionen Treffer spuckt Google in 0,32 Sekunden dazu aus, und in den Überschriften ist die Rede von „Gefahr“, „Top-Trend“, einem „Mysterium“ und dem „wahren Disruptor“. Fakt ist: Blockchain ist eine noch junge, extrem spannende Technologie mit großem Potenzial. Und dieses Potenzial gilt es nun zu erkunden und auszuschöpfen. Was kann Blockchain leisten und was nicht? 

      Das Konzept der Blockchain – auch wenn der Name damals nicht verwendet wurde – wurde erstmals 2008 beschrieben von einer Person (oder einer Gruppe von Personen) mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto in „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ (https://bitcoin.org/bitcoin.pdf). Die wichtigste Neuerung, die die Blockchain brachte, ist die Kombination von asymmetrischer Kryptographie (Verschlüsselung) und verteilten Netzwerken. 

      Erinnern Sie sich noch an Napster?

      Die asymmetrische Kryptographie ermöglicht unveränderliche Aufzeichnungen und sichere Transaktionen. Erfunden wurde sie in den 1970er-Jahren von Rivest, Shamir und Adleman – deren Namen im berühmten RSA-Algorithmus verewigt sind. Verteilte Netzwerke bedeutet: Die Netzwerke sind nicht von einer zentralen Instanz abhängig, sondern von der Rechenpower und dem Datenspeicher aller teilnehmenden Rechner. Viele tausend Geräte sind dabei miteinander verknüpft.

      Erinnern Sie sich zurück an eines der ersten verteilten Netzwerke der Computergeschichte: die Musiktauschbörse Napster. Die Napster-Software ermöglichte es, dass ein Kunde sich eine MP3-Datei vom Rechner eines anderen Kunden herunterlädt (Peer-to-Peer). Nach demselben Prinzip funktioniert die Blockchain. Alle Computer eines Netzwerks werden miteinander verknüpft, und auf jedem dieser Computer wird eine Blockchain als sich ständig aktualisierende Kette aller im System getätigten Transaktionen eingerichtet.

      Datenübertragung direkt zwischen den handelnden Parteien

      Die Daten werden verschlüsselt übertragen, und das direkt zwischen den handelnden Parteien. Will ein Kunde Aktien kaufen, braucht er dafür keine Börse mehr. Will er Geld überweisen, muss er keine Bank bemühen. Und die Transaktionen werden in exakt der zeitlichen Abfolge dokumentiert, in der sie erfolgten und sind nachträglich nicht mehr veränderbar.

      Die Blockchain-Technologie ermöglicht also einen schnellen, kostengünstigen, direkten und sicheren Austausch von Informationen, welcher in Zeiten des Internets nahezu überall anzutreffen ist. Das macht die Blockchain so interessant für viele Branchen – auch für den Finanz- und Versicherungssektor. Derzeit wird viel geforscht, getestet und experimentiert. Auch bei der Allianz.

      Seit ihrer Gründung im Oktober 2016 hat die Blockchain-Initiative B3i Mitgliedsunternehmen in Asien, Europa und auf dem amerikanischen Kontinent gewonnen.

      Foto: B3i / Allianz SE

      Seit ihrer Gründung im Oktober 2016 hat die Blockchain-Initiative B3i Mitgliedsunternehmen in Asien, Europa und auf dem amerikanischen Kontinent gewonnen. (Quelle: B3i / Allianz SE)


      Allianz testet Blockchain-Anwendungen

      So förderte zum Beispiel der französische Allianz Accelerator das Start-up Everledger. Everledger sorgt für sichere Transaktionen, wenn es um Diamanten geht – Everledger schreibt in der Blockchain fest, dass die Steine echt sind, nicht gefälscht und nicht gestohlen. 

      Die Allianz Risk Transfer AG und Nephila haben im vergangenen Jahr erfolgreich die Durchführung einer Naturkatastrophen-Anleihe getestet. Fazit: Die Handelbarkeit von Katastrophenanleihen verbesserte sich. Der Einsatz der Blockchain-Technologie ist auch in anderen Versicherungstransaktionen absolut denkbar. Theoretisch möglich wäre zum Beispiel, sein Auto via Blockchain zu kaufen, zu versichern und zuzulassen. Alles vom Sofa aus, mit dem Smartphone in der Hand. In der Kette wird festgeschmiedet, wer der Eigentümer und wer der Versicherer des Kfz ist, einer Online-Zulassung stünde damit nichts mehr im Weg.

      B3i: die Blockchain-Initiative der Versicherungsbranche

      Die Blockchain-Technologie lässt sich auf verschiedensten Ebenen einsetzen. Innerhalb eines Unternehmens. Branchenübergreifend. Oder branchenintern. Allianz, Aegon, Munich RE, Swiss Re und Zurich haben im Oktober 2016 die Blockchain Insurance Industry Initiative B3i gegründet.

      Gemeinsam wollen die Mitglieder von B3i die Möglichkeiten ausloten, diese neue Technologie zu nutzen. Das Ziel: schnelle, nützliche und sichere Services für Kunden zu entwickeln. Die Blockchain-Technologie eröffnet zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Nicht alle von ihnen sind sinnvoll, das ist klar. Wichtig ist jetzt, mit der neuen Technologie zu experimentieren, mögliche Anwendungen zu testen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. 


      Dieser Kommentar des Allianz Deutschland Chief Information Officer Dr. Andreas Nolte erschien am 4. Februar 2017 in der Zeitschrift "Euro am Sonntag".

      Über den Autor

      Der promovierte Informatiker Dr. Andreas Nolte arbeitet seit 1999 bei der Allianz, seit 2011 ist er Chief Information Officer (CIO) der Allianz Deutschland AG.