Suchen
      • Suchen
       (Quelle: Allianz Deutschland AG/Christian Weishuber)

      Die Flut in Simbach 6. Juni 2016

      Allianz Vertreter Gerhard Köck: "95 Prozent meiner Kunden haben Elementarschutz"

      Text: Christian Weishuber
      Foto: Allianz Deutschland AG/Christian Weishuber
      Häuser liegen in Trümmern und Autos stecken im Schlamm - nach dem verheerenden Hochwasser ist Simbach am Inn kaum wiederzuerkennen. Gerhard Köck, Allianz Vertreter in dem 10.000-Einwohner-Ort, hat aufgeschrieben, was er in den Tagen nach der Katastrophe erlebt hat.

      "Ich stehe vor dem Haus der Familie Kammergruber. Neben der Haustür stapeln sich verdreckte Möbel, Kleider und Bücher. Davon ist nichts mehr zu gebrauchen. Alles kaputt. Frau Kammergruber steht im Wohnzimmer und ist mit den Nerven am Ende. Sie hat mit ihrem Mann die halbe Nacht durchgearbeitet und ist erschöpft. Sie erzählt mir, dass ihr fünfjähriger Sohn Julian im Wohnzimmer spielte, als die Flutwelle kam. Sie konnte gerade noch ihren Jungen greifen und sich mit ihm in den ersten Stock retten. Sekunden später war die Wohnung im Erdgeschoss überflutet. 

      Sie hatte Glück. Solche Situationen erlebe ich heute beinahe in jedem Haus. Ich bin seit Stunden unterwegs um zu schauen, wie es meinen Kunden geht. Ich bin erleichtert, dass alle gesund und am Leben sind. Alle erzählen mir, was sie erlebt haben. Aber schon die zweite Frage ist die nach der Elementardeckung. "Gerhard, bin ich versichert?" Denn bei den Schäden in Simbach geht es nicht um ein paar nasse Möbel, sondern um die Existenz. Den meisten ist nur das geblieben, was sie am Leibe tragen. Fast jedes Haus ein Totalschaden.

      Die Simbach Katastrophe: Allianz Vertreter Gerhard Köck im Einsatz für seine Kunden

      Alles fing ganz harmlos an

      Auch ich bin total fertig. Dabei fing alles ganz harmlos an. Für mich war es ein ganz normaler Tag in meiner Agentur. In der Nacht hatte es angefangen zu regnen und hörte nicht mehr auf. Mittags ertönte die Warnsirene. Da war mir klar, dass es bedrohlich wird. Ich fuhr nach Hause um meinen Sohn von der Schule abzuholen. Ich schaffte es gerade so auf die andere Seite des Baches. Unmittelbar nach mir wurde die Brücke gesperrt. Innerhalb von wenigen Minuten stieg das Wasser dramatisch an und der Fluss trat über die Ufer. Autos, Bäume und Bretter aus dem Sägewerk schwammen vor meinen Augen vorbei. Um halb zwei war Simbach überflutet.

      Gekocht werden kann in dieser Küche nicht mehr - die Kinderzeichnungen erinnern an sonnigere Tage.

      Foto: Christian Weishuber

      Gekocht werden kann in dieser Küche nicht mehr - die Kinderzeichnungen erinnern an sonnigere Tage. (Quelle: Christian Weishuber)

      Gute Nachricht in schwieriger Situation

      Die gute Nachricht: Circa 95 Prozent meiner betroffenen Kunden haben einen Elementarschutz für ihre Gebäude und für ihren Hausrat abgeschlossen. Das ist nicht selbstverständlich. Ich kämpfe jeden Tag darum, meinen Kunden die Dringlichkeit eines solchen Schutzes zu erklären. Auch, wenn sie nicht direkt neben einem Fluss wohnen. Gerade Starkregen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

      Ich kann mich erinnern, wie ich Anfang der 90erJahre als erster Vertreter in der Region Elementardeckung angeboten habe. Damals für fünf bis zehn D-Mark im Monat. Was habe ich mir da anhören müssen? "Das brauche ich nicht. Was willst du mir wieder verkaufen". Als wir in den Jahren danach einige Male mit Hochwasser zu kämpfen hatten, änderte sich langsam die Einstellung. Aber nicht bei allen. Vor drei Jahre konnte eine Katastrophe bei uns im Ort knapp verhindert werden. Der Fluss wäre fast über den Damm getreten. Aus diesem Anlass startete ich eine Flyer-Aktion um auf die Zusatzdeckung hinzuweisen. Sofort bekam ich heftigen Gegenwind. Ein Anwohner beschwerte sich sogar bei meinem Vorstand und unterstellte mir, ich würde mir die Angst zunutze machen, um Versicherungen zu verkaufen. Heute wäre er wohl anderer Meinung.

      Holzlatten wurden von der Flut mitgerissen und begruben parkende Autos.

      Foto: Christian Weishuber

      Holzlatten wurden von der Flut mitgerissen und begruben parkende Autos. (Quelle: Christian Weishuber)


      Viele Kunden wissen nicht, ob sie ausreichend versichert sind

      Ich gehe durch die Straßen: Überall Schlamm. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Ich muss aufpassen, dass ich nicht steckenbleibe. Ein paar Meter weiter sehe ich eine Frau. Plötzlich steckt sie fest. Ich helfe. Alltagsgeschichten! Ich bin nicht der einzige, der anpackt. Alle sind auf den Beinen, schaufeln Schlamm, räumen die Häuser leer und sprechen miteinander. Es ist ein unglaublicher Zusammenhalt in der Gemeinde zu spüren. Wie selbstverständlich werden Sandwiches und Getränke verteilt.

      Die Schaufensterscheiben und Trennwände des Modegeschäfts hielten den Flutmassen nicht stand.

      Foto: Christian Weishuber

      Die Schaufensterscheiben und Trennwände des Modegeschäfts hielten den Flutmassen nicht stand.  (Quelle: Christian Weishuber)

      Zuhören, Rat spenden, beruhigen

      Seit heute Morgen rufen meine Mitarbeiter und ich unsere Kunden an und fragen, wie wir helfen können. Zur Orientierung haben wir eine Karte von Simbach und Umgebung ausgedruckt. So können wir besser abschätzen, wer betroffen ist. Die meisten Kunden wissen nicht, ob sie Versicherungsschutz haben. Wir hören zu, geben Ratschläge, was jetzt zu tun ist und beruhigen. Nur das hilft. Die eigentliche Arbeit steht uns noch bevor. Am Freitag begannen die Besichtigungen. Die Allianz hat einen Schadenstützpunkt eingerichtet und zusätzliche Sachverständige aus ganz Süddeutschland zusammengezogen. Die ersten Zahlungen an die Betroffenen sind raus. Die Katastrophe wird uns noch wochenlang beschäftigen. Frau Kammergruber geht es wieder etwas besser. Sie ist versichert."

      Jetzt informieren

      Schäden melden: Alle Kontaktmöglichkeiten auf derUnwetter Serviceseite der allianz.de