Die Balance ist wichtig. Teamplayer: Im Fußball hat Christoph Metzelder gelernt, wie wichtig eine gute Mannschaft ist. Diesen Geist vermisst er in manchen Unternehmen
Teamplayer: Im Fußball hat Christoph Metzelder gelernt, wie wichtig eine gute Mannschaft ist. Diesen Geist vermisst er in manchen Unternehmen. Foto: Andreas Endermann

Der frühere Fußballnationalspieler Christoph Metzelder war Stargast der Allianz bei der DKM. Mit uns sprach er exklusiv über seine Hundehaftpflicht, was er beim Fußball gelernt hat und warum ihm soziales Engagement so wichtig ist

Herr Metzelder, passen Sport- und Versicherungswelt eigentlich zusammen?
Durchaus. Am Ende geht es bei beiden um Menschen und Begegnungen. Das Faszinierende am Fußball ist doch, dass er so viele Menschen begeistert, vom DAX-Vorstand bis zum Arbeiter an der Werkbank. Zudem ist der Fußball ein attraktives Umfeld für Unternehmen, weil die Menschen eine hohe Loyalität gegenüber ihrem Verein haben. Die Allianz engagiert sich nachhaltig bei Bayern München und dem VfB Stuttgart. Das ist gut für das Sponsoring, die Vereine und damit auch für den Sport.

Und wer gewinnen will, braucht eine gute Absicherung, oder?
Das stimmt. Im Fußball muss es eine gesunde Balance zwischen Risiko und Absicherung geben. Die Mischung aus konservativen Spielertypen, die in der Defensive zu Hause sind, und Freigeistern, die in der Offensive das Spiel entscheiden, muss stimmen.

Sind Sie als ehemaliger Defensivspieler bei der Geldanlage eher konservativ?
In den ersten Jahren meiner Karriere habe ich sehr vorsichtig gehandelt – der Vermögensaufbau stand im Vordergrund. Je länger ich dann Profi war, desto mehr habe ich riskiert, zum Beispiel mit Unternehmens- oder Schiffsbeteiligungen. Und da lag ich einige Male auch daneben.

Muss sich ein Profifußballer überhaupt über seine Altersvorsorge Gedanken machen?
Felix Magath sagte mal so schön: »Denkt daran: Von dem Geld müsst ihr noch 50 Jahre leben.« Dann relativieren sich die Summen, zumal der Profifußball von der Champions League bis in die Regionalliga reicht. Wenn ich mit Mitte 30 aufhöre, sollte ich meinen Lebensstil anpassen und eine zweite berufliche Karriere aufbauen, damit es reicht.

War Geld ein Thema in der Spielerkabine?
Nein. Mit manchen Kollegen bespricht man, mit welchem Finanzberater man zusammenarbeitet. Aber ich wusste nie, was ein Mitspieler verdient oder wo er anlegt. Das war Privatsache.

»Im Team muss ich menschen mitnehmen, sie begeistern und überzeugen«
Christoph Metzelder

Was war die letzte Versicherung, die Sie abgeschlossen ­haben?
Eine Hundehaftpflicht für zwei französische Bulldoggen, zwei Welpen.

Sie haben früh begonnen, sich für soziale Themen einzusetzen. Was treibt Sie an?
Ich komme aus einem christlichen Elternhaus zwischen Ruhrgebiet und katholischem Münsterland. Auf der einen Seite hat mich das Münsterland, auf der anderen Seite die unerschütterliche Solidarität der Menschen im Ruhrgebiet geprägt. Ich habe einen Großteil meines Berufslebens in dieser Region verbracht. Als Spieler von Borussia Dortmund oder Schalke 04 kann ich nicht einfach ignorieren, was die Menschen dort bewegt. Ich war mir meiner privilegierten Position immer bewusst und habe deshalb 2006 die Stiftung »Training fürs Leben« gegründet.

Was machen Sie da konkret?
Unser Fokus liegt auf der Unterstützung von Projekten der offenen Kinder- und Jugendarbeit in prekären Stadtteilen. Neben der Finanzierung von zusätzlichen außerschulischen Bildungs- und Ausbildungsangeboten besuche ich die Einrichtungen regelmäßig, weil mir die Begegnung und der Austausch mit den Kindern und Jugendlichen wichtig ist.

Was erleben Sie da?
Das ist ganz unterschiedlich und reicht von »beide Eltern berufstätig« bis »Inobhutnahme«. Alle haben gemeinsam, dass sie zusätzliche Hilfe auf ihrem Bildungsweg benötigen.

Können Sie den Kindern etwas mitgeben?
Das würde ich mir nicht anmaßen. Wenn ich einmal im Jahr für zwei Stunden da bin, dann geht es vor allen Dingen um Wertschätzung. Ich nehme die Kinder und Jugendlichen ernst – genauso wie die Arbeit der Stiftung und die Verantwortung, die Spendengelder richtig einzusetzen. Wir versuchen mit unserem Engagement, die Sozialarbeiter und Pädagogen vor Ort zu befähigen, bestmöglich mit den Mädchen und Jungen zu arbeiten.

Gibt es ein Erlebnis, das Sie besonders berührt hat?
Als ich bei Schalke spielte, war in den Herbst­ferien eine Gruppe aus Essen-Katernberg da, also fünf Kilometer Luftlinie von Gelsenkirchen. Nach einem halben Tag in der Arena – mit Stadionführung, Trainingsbesuch und Autogrammen – kam ein kleiner Junge zu mir und sagte: »Danke Metze, für den schönen Urlaub.« Da verschiebt sich die ­eigene Wahrnehmung.

Sie leisten also Sozialarbeit …
Die Arbeit meiner Stiftung soll immer ganz konkret vor Ort sein, aber sie ist natürlich auch sozialpolitisch. Ich sehe die Spreizung in dieser Gesellschaft. Es gibt zu viele Menschen, die nicht mehr in unserer gesellschaftlichen Mitte verankert sind. Wenn wir es nicht schaffen, jedem jungen Menschen zu ermöglichen, seine Träume zu erfüllen, dann ist der soziale Frieden in diesem Land gefährdet.

Die Allianz stellt den Teamgedanken in den Mittelpunkt. Wie wichtig ist Zusammenhalt?
Wenn ich nicht allein arbeite, dann muss ich andere Menschen mitnehmen, sie begeistern und überzeugen. Das ist eine riesige Herausforderung. Ob bei meiner Stiftung oder beim TuS Haltern, wo ich die U19 trainiere – wer Führungsaufgaben hat, ist damit beschäftigt, mit ­Menschen umzugehen, sie zu führen, ihre Fragen zu beantworten, Krisen zu meistern. Das ist spannend, aber auch eine große Herausforderung.

Ist ein guter Führungsspieler auch automatisch eine gute Führungskraft?
Nein. Wir sehen das ja auch im Fußball. Ein guter Spieler ist nicht gleichzeitig ein guter Trainer. Der muss vor einer Gruppe sprechen, ihr Inhalte vermitteln, sie überzeugen und begeistern können. Manchmal ist das sportliche Talent gering, aber die Fähigkeit zu führen und zu kommunizieren sehr groß. Oder andersherum.

Was haben Sie vom Fußball gelernt?
Im Fußball bin ich auf meine Mitspieler und das gesamte Team angewiesen. In Unternehmen wird manchmal unterschätzt, wie wichtig die Leute neben mir und unter mir sind – aber auch, wie wichtig diejenigen sind, die über mir Entscheidungen treffen und verantworten müssen.

Von welchen Erfahrungen zehren Sie heute noch?
Mit Sicherheit von der Bewältigung von Niederlagen und Rückschlägen, der Selbstdisziplin und der großen Stressresistenz. Das sind Dinge, die man in jeder Branche für Führungsaufgaben braucht.

Wie wichtig ist es, sich Ziele zu stecken?
Einer meiner Kabinenansprachen an meine U19 habe ich diesem Thema untergeordnet. Ja, Träume sind wichtig, weil sie uns jeden Tag motivieren aufzustehen. Aber sie sind manchmal nicht realistisch. Deshalb ist es wichtig, konkrete Ziele zu haben und diese in kleine Schritte zu unterteilen, damit ich sehe, dass ich vorankomme. Ich brauche erreichbare Teilschritte, die mich motivieren, meinen großen Traum zu erreichen.

Sie sind als Experte bei Sky tätig. Wie wichtig ist Ihnen Fußball heute noch?
Mich fasziniert dieser Sport seit meinem sechsten Lebensjahr. Und das hört ja nicht auf, nur weil ich selbst nicht mehr in den großen Arenen spiele. Ob als TV-Experte bei Sky, als Agenturgründer im Marketing oder als Jugendtrainer und erster Vorsitzender in Haltern: Fußball wird mein Leben
immer begleiten.

Gibt es Spiele, die Sie nicht versäumen?
Ich bin ein großer Freund des Amateurfußballs. Sonntagnachmittags um 15 Uhr bin ich verplant.

Werden die Bayern wieder Deutscher Meister?
Die Herausforderung der Konkurrenz ist, diese Konstanz über ein gesamtes Jahr zu zeigen. Deswegen glaube ich, dass die Bayern trotz des Rückstands noch mal in Schlagdistanz kommen. Und dann wird es spannend.

Die Balance ist wichtig. Heimspiel: Sieben Jahre kickte Metzelder (li.) in Dortmund, wo er 2018 bei der DKM Gast der Allianz war
Heimspiel: Sieben Jahre kickte Metzelder (li.) in Dortmund, wo er 2018 bei der DKM Gast der Allianz war. Foto: Andreas Endermann
Vom Pott nach Madrid – und zurück

Christoph Metzelder wurde am 5. November 1980 in Haltern geboren. Er spielte seit 2000 in der Bundesliga für Borussia Dortmund und Schalke 04 sowie drei Jahre für Real Madrid. Für die deutsche Nationalmannschaft absolvierte er insgesamt 47 Spiele. Nach dem Ende seiner Spielerkarrierre 2013 arbeitete er als TV-Experte bei Sky sowie als Geschäftsführer der Sportmarketingagentur Jung von Matt, bevor er im Herbst 2018 mit einem Geschäftspartner eine eigene Agentur gründete. Auch sozial ist er engagiert: 2006 gründete er die Stiftung »Training fürs Leben«.

Bildquellen

  • Christoph Metzelder: Andreas Endermann