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      Hallo, ich bin Ihr Einbrecher (Quelle: Allianz Deutschland)

      Tipps vom Profi 30. März 2015

      Tipps vom Profi: Ein Ex-Einbrecher packt aus

      Text: Miranda Tiepermann
      Die Einbruchsquote ist so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Wie kann man sein Zuhause wirksam vor Einbruch schützen? Das wollten wir von Hammed Khamis wissen. Er kennt alle Tricks von früher. Heute ist er Streetworker, Referent an der Polizeihochschule, deckt auch mal Fälle von Versicherungsbetrug auf und hat ein Buch über seine Vergangenheit geschrieben.

      Herr  Khamis, Sie wissen wie eingebrochen wird. Ihr Appartement in Berlin ist also eine unüberwindbare Trutzburg, in der alles Wertvolle clever versteckt ist?

      Nein, gar nicht (lacht). Bei mir haben sie sogar schon eingebrochen.

      Erzählen Sie mal. Was ist passiert?

      Frühjahr 2013 war ich auf Lesereise zu meinem neuen Buch „Ansichten eines Banditen“ in Deutschland unterwegs. Als ich zurückgekommen bin, war die ganze Wohnung auf den Kopf gestellt. Uhren, elektrische Zahnbüste, Messerset, Sonnenbrillen, Klamotten – alles was man nur irgendwie zu Geld machen kann, haben die mitgenommen.                             

      Wie sind die Diebe denn reingekommen?

      Um ehrlich zu sein, das ist bis heute nicht ganz geklärt. Das Verrückte war, die Tür war gar nicht gewaltsam aufgebrochen. Ich denke, da hat einer den Schließdienst-Trick angewendet. Mit gefälschten Papieren und einem getürkten Mietvertrag, hat er sich als Hammed Khamis ausgegeben und behauptet, er hätte den Wohnungsschlüssel verloren. Du zahlst, die schließen auf und schon bist Du drin. Wenn einer unbedingt rein will, findet er immer einen Weg.

      Einbrecher müssen oft keine Tür mehr knacken - ein getäuschter Schlüsseldienst erledigt das für sie.

      Einbrecher müssen oft keine Tür mehr knacken - ein getäuschter Schlüsseldienst erledigt das für sie.

      Heißt das, Einbruchschutz bringt eh nichts?

      Wenn einer ein festes Ziel hat, weil er unbedingt an den Hundertwasser oder die Juwelen will, von denen er weiß, dann macht der einen Plan und findet einen Weg - und wenn er über den Kamin einsteigt. Ok, bei den Gelegenheitsdieben sieht das anders aus. Die sind mit einem Schraubenzieher oder einem stählernen Kuhfuß unterwegs und warten auf die nächstbeste Gelegenheit. Dann wird schnell mal eine Terrassentür oder ein Fenster aufgehebelt. Bei mir durfte das nicht länger als eine halbe Minute dauern. Insofern ist Sicherheitstechnik schon sinnvoll.

      Hatten Sie denn einen Hundertwasser oder Rolex-Uhren zu Hause?

      Schön wär`s. Nein, bei mir ist nichts mehr zu holen.

      Das sagen viele und sind überrascht, wenn es dann doch passiert. Handy, Laptop, ein wenig Bargeld und Schmuck ist so gut wie bei jedem zu holen.

      Stimmt auch wieder. Zum Glück hatte ich meinen Laptop auf der Lesereise dabei. Wenn ich mir vorstelle, die hätten den geklaut. Oh, Mann. Das hätte mich echt wütend gemacht. Da ist die Arbeit von zwei Jahren drauf, die Manuskripte für zwei weitere Bücher. Die normalen Sachen wie Klamotten oder Fernseher werden ja von der Hausratversicherung ersetzt. Das ist dann nicht so schlimm.

      Schlimm ist ja,  wenn Persönliches mitgenommen wird. Am meisten leiden Einbruchsopfer aber unter dem Verlust des Sicherheitsgefühls. Wie ging es Ihnen danach?

      Ich war einfach nur wütend. Aber ich kann mir gut vorstellen, wenn ich mit einer Frau zusammen gewohnt hätte, hätte die bestimmt noch heute Angst und würde bei jedem kleinen Geräusch Panik kriegen.

      Womit lassen sich denn Einbrecher am ehesten abschrecken? Sicherheitstechnik, Alarmanlage, Videokamera, Hund oder wachsame Nachbarn?

      Grundsätzlich bringen massive Türen und Fenster mit zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen wie Querriegel an der Tür, natürlich einen Zeitgewinn. Je länger einer braucht, umso eher gibt er auf. Eine unsichtbare Alarmanlage ist gut. Sieht man die Alarmanlage allerdings schon von weitem, möglichst noch mit einer Videokamera, denkt ein Einbrecher: „Wenn das Haus so gut geschützt wird, muss es sich lohnen.“ Ist also eher eine Einladung. Die Videokamera ist eh kein Hindernis. Wegdrehen, Stecker raus. Basta.                                                               

      Und was ist mit Hund und Nachbarn?

      Das schreckt schon ab. Jeder weiß, Hunde merken sofort wenn ein Fremder kommt. Die sind unberechenbar und die  Nummer mit dem Fleisch, in dem zwei Schlaftabletten steckten, ist doch eher filmreif. Auch Nachbarn können aus Einbrechersicht gefährlich sein. Der Aufkleber "Vorsicht wachsamer Nachbar" bringt schon was. Den gibt`s übrigens kostenlos bei der Polizei.            

      Fremder in der Wohnung - Deutschland hat derzeit die höchste Einbruchsquote seit 15 Jahren

      Fremder in der Wohnung - Deutschland hat derzeit die höchste Einbruchsquote seit 15 Jahren

                                                 

      Trotz höchster Einbruchsquote seit 15 Jahren, haben laut Umfrage mehr als 80 Prozent der Deutschen keine Angst vor Einbruch.  Der Ersatzschlüssel im Blumentopf, die Terrassentür gekippt, der Autoschlüssel neben der Eingangstür. Sind die alle viel zu sorglos?

      Manche machen es Dieben wirklich einfach. Die Diebe kennen doch alle Verstecke: Das Geld unter der Matratze, der Schmuck im Nachtkästchen und im Bad, der Tresor hinterm Bild, die Wertsachen zwischen den Büchern. Und natürlich den Blumentopf und die Matte. Ist doch alles Einbrecher-Einmaleins.

      Wo soll man denn dann die Wertsachen verstecken?

      Wirklich sicher ist nur das Schließfach in der Bank. Aber klar, Schmuck und Geld will man natürlich bei sich haben, zumindest was man so braucht. Ich rate immer mit Fantasie vorgehen. Eine verborgene Holzleiste, ein doppelter Boden in einem Schrankfach. Auf jeden Fall sollte man ein Versteck suchen, das nicht jeder auf den ersten Blick erkennt.

      Immer öfter hört man, dass Komplizen vorher das Tatobjekt ausspähen und Geheimzeichen hinterlassen, sogenannte Gaunerzinken. Was steckt dahinter?

      Ich habe das nie gemacht, aber gehört, dass es welche gibt, die mit Kreide Zeichen an der Wohnungstür oder am Gartentor hinterlassen. Das hat aber immer eine Vorgeschichte. Ein Beispiel: Gauner schauen, wo vergilbte Gardinen sind. Dann wissen sie, da wohnen alte Leute. Sie gehen hin, machen einen auf Handwerker. Erzählen was von undichtem Dach, werkeln ein bisschen rum und zocken den alten Leutchen ein paar hundert Euro und mehr ab. Dabei sehen sie, wo die ihr Geld haben und ob noch größere Mengen an Bargeld vorhanden ist. Sieht es lukrativ aus, kommen die wieder oder machen Zeichen für Ihre Komplizen.

      Wir haben Januar. Noch ist Hochsaison bei Einbrüchen. Warum eigentlich?

      Das ist ganz einfach. Jetzt im Winter wird es schon früh dunkel. Das ist gut für Einbrecher, denn Dunkelheit macht unsichtbar. Gleichzeitig ist am frühen Abend noch so viel in den Straßen los, dass die Leute sich nicht wundern, wenn noch „Handwerker“ unterwegs sind oder Leute irgendwo rumstehen. Nachts würden solche Typen ja gleich auffallen. So aber, achtet kaum einer darauf und denkt auf dem Weg nach Hause eh nur an den Feierabend.

      Noch eine letzte Frage: Haben Sie aus dem Einbruch, der bei Ihnen verübt würde, etwas gelernt?

      Ja, eine ganze Menge, auch zur Hausratversicherung. Am besten klärt man vorher ab, ob die auch zahlt, wenn nicht gewaltsam aufgebrochen wird. Dass das nicht selbstverständlich ist,  musste ich bei meinem Einbruch erst lernen.                     


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