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       (Quelle: fotolia/ellagrin)

      Digital Accelerator 20. August 2015

      Der Brutkasten für Cyberlösungen

      Text: Marion Zauner
      Foto: fotolia/ellagrin
      Von 100 Ideen, die im Digital Accelerator der Allianz geboren werden, schaffen es nur zwei. Was bleibt? Digitale Lösungen und Angebote für Kunden.

      Über 50 Milliarden Post-its werden jedes Jahr weltweit auf Wände, Fenster und Bildschirme gepappt; 10.000 davon im Münchner Westend beim Allianz Digital Accelerator. Junge Kreative werfen hier Skizzen auf Papier, schreiben Schlagworte auf kleine gelbe Zettel, kleben, knüllen zusammen, verwerfen Ideen und fangen von vorne an. Post-its pflastern die Wände und den Weg zu Neuerungen in der Cyber-Welt.

      Der Digital Accelerator ist Hirn und Herz, Brutkasten und Schrittmacher digitaler Projekte auf der ganzen Welt. Hier entstehen Apps, hier wachsen Facebook-Communities, hier entwickeln digital Natives Geschäftsmodelle für die digitale Welt.

      Frei, beweglich und kreativ

      Im Großraumbüro arbeiten drei Festangestellte und rund ein Dutzend Freiberufler, Startup-Unternehmer und Praktikanten aus aller Herren Länder. Albanien, Spanien, Frankreich, Russland, Italien…

      Im Großraumbüro werden digitale Ideen ausgebrütet und Cyber-Geschäftsmodelle entwickelt.

      Foto: Allianz

      Arbeitsplatz beim Digital Accelerator (Quelle: Allianz)

      Mittendrin die beiden Geschäftsführer, Bernd Scharrer und Sebastian Sieglerschmidt. Chefbüro? Sowas gibt´s hier nicht. Hier arbeitet ein Team. Die einzelnen Spieler in der Mannschaft wechseln häufig, und das ist so gewollt. Wer frei, beweglich und kreativ ist, passt hier rein. Das Geschäftsführer-Tandem besteht aus einem Allianz Eigengewächs, nämlich Bernd Scharrer, 49, seit über 20 Jahren in verschiedenen Positionen bei der Allianz, und Sebastian Sieglerschmidt, 37, einst Gründer eines Startups, dann Investor und Berater. 

      Joe Gross, Fachbereichsleiter Group Market Management, hat die Gründung des Digital Accelerator vor zwei Jahren initiiert und ist heute dessen Beiratsvorsitzender. Er hat Sieglerschmidt gefragt, ob er mitmachen will. Er wollte – und das, obwohl Versicherungen nicht sexy sind. Oder doch? Da lacht der 37-Jährige: 

      "Sexy sind Versicherungen nicht. Aber der Ansatz ist gut." Und er ergänzt: "Man packt sein Geld zusammen, um hohe Verluste auszugleichen." Im Netz ist man immer auf der Suche nach dem "next big thing", der nächsten großen Sache. Eine Zeit lang war das E-Commerce. Derzeit sind es Finanzdienstleistungen und auch Versicherungen. "In den vergangenen vier Jahren sind drei Milliarden Euro in Versicherungs-Startups geflossen", weiß Scharrer. Die Allianz hat vielen Startups gegenüber einen Riesenvorteil, betont Sieglerschmidt: "Die Versicherungsbranche ist stark reguliert. Deshalb braucht man ein größeres Anfangsinvestment und einen langen Atem."

      Mission: Problemlösungen für Kunden in der digitalen Welt

      Seit zwei Jahren ist das Accelerator-Team nun am Start. Der Ansatzpunkt ist nicht, ein bestimmtes Produkt online vermarkten zu wollen. Ausgangs-, Mittel-, Dreh- und Angelpunkt jeder Überlegung ist immer der Kunde. "Das Kernstück unserer unternehmerischen Tätigkeit ist das Customer Experience Design. Ich will für den Kunden etwas Neues schaffen. Entweder biete ich ihm eine Lösung für ein Problem an oder ich erleichtere ihm eine Aufgabe", erklärt Scharrer. "Wobei der eigentliche Trick ist, herauszufinden, ob es sich um ein Problem handelt, für dessen Lösung die Kunden auch bereit sind, etwas zu bezahlen", legt Sieglerschmidt nach.

      Das Geschäftsführer-Tandem des Digital Accelerator besteht aus Bernd Scharrer (li.) und Sebastian Sieglerschmidt.

      Foto: Allianz

      Geschäftsführer-Tandem Bernd Scharrer (li.) und Sebastian Sieglerschmidt (Quelle: Foto: Allianz)

      Das Problem ist erkannt, die Zielgruppe definiert. Und dann fragen die Mitarbeiter des Digital Accelerator zehn Leute – auch wenn es laut Scharrer statistisch nicht relevant, aber ein guter Indikator sei – nach ihrer Meinung. Am liebsten im persönlichen Gespräch. Oder im Netz. Dann basteln die Accelerators eine Webpage, auf der sie das Produkt bewerben.

      Scharrer: "Natürlich kann ich auch eine Marktforschung mit 10.000 Leuten anbieten. Aber die Erfahrung zeigt, dass es häufig ausschlaggebend ist, wie ein Kunde die Frage interpretiert. Es ist etwas ganz anderes, wenn ich mit den Leuten wirklich spreche. Wenn mir von zehn Gesprächspartnern neun rückmelden, dass sie meine Idee ganz nett finden, dann weiß ich: Eigentlich ist es ihnen egal. Begeistert sind sie nicht."

      Aber nur Ideen, die begeistern, fliegen.

      "Jedes Jahr gibt es im Silicon Valley 6000 Startups. Von 5800 hört man nie wieder – aber alle 6000 basierten auf tollen Ideen", sagt Scharrer. Der Digital Accelerator versuche es eher mit 100 Ideen – in dem Bewusstsein, dass 90 davon relativ schnell und die nächsten acht nach längerer Prüfung aus dem Rennen sind. Was bleibt?

      Wenn es um Erfolgsgeschichten in der digitalen Welt geht, erzählt Sebastian Sieglerschmidt am liebsten von der MileBox. Autofahrer starten bei Fahrtbeginn ihr MileBox-App. Wer sicher und ordentlich fährt – nicht zu stark beschleunigt oder abrupt abbremst – sammelt Bonuspunkte. Die kann er oder sie gegen Prämien tauschen. Vom Kaffee an der Tankstelle bis zur Verlosung von Konzertkarten. Die MileBox mit dem Verkauf von Kfz-Versicherungen zu koppeln, machen derzeit nur die Holländer. "Dort haben wir 5000 Nutzer. Und schon nach wenigen Tagen hatten wir zwei Autoversicherungen verkauft", freut sich Sieglerschmidt. In Deutschland, Italien und Großbritannien laufen derzeit Gespräche mit den Fachabteilungen der Allianz, wie man Kfz-Versicherungen mit der MileBox verheiraten könnte. 

      Im Herbst geht die nächste Idee rund ums Thema Auto an den Start. Diesmal in der Türkei. Die Allianz Global Assistance (AGA) und der Digital Accelerator haben gemeinsam AGA Mobil entwickelt. Wer in Istanbul eine Panne hat und nach Pannenhilfe googelt - wobei man in der Türkei yandext, nicht googelt - sieht ganz oben die Werbung für AGA Mobil. Mit einem Klick und zwei Eingaben kann der User sich für eine Pauschale von 75 Euro abschleppen lassen. Wer eine Autoversicherung bei der Allianz hat, zahlt nichts. AGA Mobil ist ein Beispiel dafür, wie Projekte entstehen: Allianz Gesellschaften aus aller Welt suchen die Unterstützung des Digital Accelerators.

      "Es kommen aber auch Startups oder Entrepreneure zu uns mit einer Idee, für die sie brennen", erzählt Scharrer. Einer von ihnen ist Christopher – Chris – Waldner. Das Projekt des 27-Jährigen ist in seiner DNA verankert: Vater und Mutter sind beide Tierarzt von Beruf und Hundefans. Chris baut im Netz gemeinsam mit dem Allianz Digital Accelerator die Plattform http://www.wir-lieben-hun.de für Hundeliebhaber auf. Die 20 angeschlossenen Facebook-Communities hat bereits über 200.000 Mitglieder. Dort tauschen sich die Mitglieder darüber aus, wie ihre "Fellnasen" stubenrein werden und welches Frühstück den Vierbeinern schmeckt. Außerdem sollen die Hundepapas und Hundemamas dort bald auch die Tierkranken- und die Tierhalterhaftpflichtversicherung der Allianz abschließen können. "Mein Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren zwei bis drei Millionen Tiere zu versichern", erklärt Chris Waldner seinen Zuhörern.

      Ideen beim Open House erhofft

      Zuhörer? Ja, heute ist das monatliche Open House beim Digital Accelerator. Sieglerschmidt und Scharrer wollen den Digital Accelerator bei den Kollegen aus den verschiedenen Allianz Einheiten bekannter machen. Deshalb lädt der Digital Accelerator jetzt an jedem ersten Dienstag im Monat ein, vorbeizuschauen, natürlich in der Hoffnung, dass die Kollegen gute Geschäftsideen mitbringen. Zum Beispiel zum Thema Prävention. Hier sieht Sebastian Sieglerschmidt noch einiges an Potenzial für die Zukunft. Außerdem ziehen neue Technologien neuen Versicherungsbedarf nach sich. Sieglerschmidt: "Wenn die Autos künftig selber fahren, gibt es kaum noch Unfälle. Aber dann gibt es neue Risiken, dann geht der Prozessor im Auto kaputt." Und auch dann soll es heißen: Hoffentlich Allianz versichert.

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