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       (Quelle: istockPhoto/LEEDDONG)

      16. April 2018

      Der Bart ist ab

      Text: Michael Cornelius
      Foto: istockPhoto/LEEDDONG
      Es war einmal der Schlüssel. Moderne Autos lassen sich mit dem Touchscreen steuern und neuerdings mit dem Smartphone öffnen. Dabei spielt die Diebstahlsicherung eine immer größere Rolle. Schlüsselmomente von der elektronischen Wegfahrsperre bis zum virtuellen Schlüssel

      Es ist wie mit Schallplattenspielern oder Telefonen mit Drehscheibe: Irgendwann wird man Kindern erzählen, dass es mal so etwas Kurioses wie Autoschlüssel gegeben hat, die aussahen wie Briefkastenschlüssel. So wie beim VW-Käfer in den 1960er-Jahren. Wenn man das spitze Ding ins Zündschloss steckte und kurz drehte, startete der Motor.

      Irgendwann wird niemand mehr glauben, dass Autoschlüssel einmal so aussahen wie Briefkastenschlüssel.

      Foto: Volkswagen

       (Quelle: Volkswagen)

      Kaum zu glauben, aber als die Geschichte des Automobils begann, gab es noch keinen Schlüssel. Die ersten kutschenähnlichen Gefährte wurden mit viel Kraft durch das Drehen einer Kurbel in Gang gesetzt. Diebe hatten es leicht. Wegfahrsperren waren noch nicht erfunden. Beim Parken musste man aufpassen. Wenn Autopionier Henry Ford um 1900 mit seiner Familie einen Ausflug machte und vor einem Restaurant parkte, kettete er seinen Wagen an einen Laternenpfahl und sicherte ihn mit einem Vorhängeschloss. Der elektrische Anlasser wurde erst vor gut 100 Jahren erfunden.

      Im Jahr 1916 ist der Cadillac Type 53 das erste Automobil mit einem eigenen Schlüssel für das Zündschloss. Bis 1949 sollte es noch dauern, als erstmals in einem Chrysler die Kombination Zünd-ist-gleich-Türschlüssel eingeführt wird. Die Zentralverriegelung wird ab den 1990er-Jahren populär, die Schlüssel haben jetzt immer öfter eine Funkfernbedienung. Bald schreckt die elektronische Wegfahrsperre (WFS) Autoknacker ab. Sie verhindert das schnelle Kurzschließen und Überbrücken der Kabel unter der Lenksäule. Die filmreife Methode lebt heute nur noch in alten Krimis weiter. Die gesetzliche Einführung der WFS für neu zugelassene Pkws ab 1998 ist einer Initiative des Allianz Zentrum für Technik zu verdanken. Besorgt über den drastischen Anstieg von Fahrzeugdiebstählen nach der Wiedervereinigung definierten die Sicherheitsexperten der Allianz Standards und Anforderungen für den Diebstahlschutz. In den Fahrzeugscheinen war seinerzeit die Eintragung „Anerkannte Wegfahrsperre gemäß AZT/TUEV“ vermerkt.

      Heute ist der Schlüssel im Begriff zu verschwinden, man führt ihn eher beiläufig mit sich, als klobiges Plastikteil in der Hosentasche. Der intelligent funkende Smartkey öffnet die Fahrzeugtüren ganz automatisch. Reinstecken kann man ihn nirgends mehr, das Auto setzt sich mit einem Knopfdruck in Bewegung. Der „schlüssellose Zugang“ ist komfortabel, birgt aber auch einige Gefahren. Signale können von technischversierten Dieben mittels einer Wegstreckenverlängerung abgegriffen werden. Auch hier berät das AZT Automobilhersteller und empfiehlt Maßnahmen, die den Totaldiebstahl verhindern können.

      Handy statt Autoschlüssel: In der A-Klasse von Mercedes öffnet und startet das Fahrzeug via digitalen Schlüssel

      Foto: Mercedes-Benz

      Handy statt Autoschlüssel: In der A-Klasse von Mercedes öffnet und startet das Fahrzeug via digitalen Schlüssel (Quelle: Mercedes-Benz)

      Gut möglich, dass das Smartphone bald den Schlüssel ganz ersetzt. Wie das funktionieren kann, zeigt als Vorreiter bereits Mercedes. In der neuen E-Klasse lässt sich das Fahrzeug mit dem Smartphone öffnen, starten und schließen . Das Mobiltelefon sendet einen „digitalen Schlüssel“ via Funk mittels NFC-Technik (Near Field Communication). Damit kein Hightech-Gauner diese virtuellen Schlüssel missbrauchen kann, hat das AZT Sicherheitsstandards und Empfehlungen für ein Best-State-of-the-Art-Design des virtuellen Schlüssels entwickelt.