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       (Quelle: istockPhoto/LEEDDONG)

      16. April 2018

      Das Auto neu verschlüsselt

      Text: Isabell Troppmann (Interview)
      Foto: istockPhoto/LEEDDONG
      Der Autoschlüssel kommt aufs Smartphone. Wie die neue Technologie funktioniert und was der Virtuelle Fahrzeugschlüssel für eine Versicherung bedeutet, erklärt Dr. Christoph Lauterwasser, Leiter des Allianz Zentrum für Technik

      Herr Lauterwasser, wurde Ihnen schon mal ein Auto gestohlen?
      Gestohlen nicht, aber im Urlaub in Lissabon wurde mein Auto aufgebrochen. Die Tasche meiner damaligen Freundin wurde geklaut und die Aufregung war natürlich groß.

      Autos werden immer sicherer, aber werden sie auch immer diebstahlsicherer?
      Ja, das kann man ganz klar sagen. Obwohl immer mehr Autos in Deutschland fahren, werden immer weniger Autos gestohlen. Seit 2006 liegt die Zahl recht stabil bei etwa 20.000 Pkw im Jahr. Wir haben also ein Diebstahlschutzsystem, das tatsächlich funktioniert, nämlich die elektronische Wegfahrsperre, deren Einführung das Allianz Zentrum für Technik Mitte der 1990er Jahre angestoßen hat. Seitdem sind nur noch professionelle Diebe in der Lage, ein Auto zu stehlen – für Amateure ist der technische Aufwand einfach zu hoch.

      Klauen Diebe dann heute eher den Schlüssel, um damit das Auto zu stehlen?
      Das Gefährliche ist: Der Schlüssel muss nicht einmal mehr geklaut werden. Er kann auch ganz unscheinbar auf dem Schlüsselbrett liegen bleiben und mein Auto ist trotzdem weg.

      Auf meinem Schlüsselbrett zu Hause ist der Autoschlüssel nicht mehr sicher?
      Keyless-Go-Lösungen öffnen und starten das Auto über eine drahtlose Kommunikation. Die Gefahr: jemand steht vor der Haustür und verlängert das Funksignal, um so das Auto zu öffnen und zu starten. Dagegen kann helfen, den Autoschlüssel möglichst außer Reichweite von Angreifern zu bringen, ihn z. B. nicht neben die Haustür zu legen.

      Durch neue Technologien verändert sich also auch der Autodiebstahl?
      Genau. Früher wurde das Auto mit Gewalt geknackt, heute wird die Bordelektronik angegriffen. Inzwischen sind Autos immer vernetzter und die Entwicklung geht weiter. Letztlich kann auch das Auto mit denselben Methoden angegriffen werden wie ein Bankkonto.

      Christoph Lauterwasser ist Geschäftsführer des Allianz Zentrum für Technik

      Foto: Allianz Deutschland AG

      Christoph Lauterwasser ist Geschäftsführer des Allianz Zentrum für Technik (Quelle: Allianz Deutschland AG)

      Der nächste Schritt in der Entwicklung ist der Virtuelle Autoschlüssel, der auf ein Smartphone geladen wird. Wie genau funktioniert diese neue Technologie?
      Der Fahrzeugbesitzer kann den Virtuellen Schlüssel auf das eigene Smartphone oder gar andere mobile Endgeräte, zum Beispiel die Smartwatch, laden. Über eine Funkverbindung öffnet und startet der Virtuelle Schlüssel das Auto. Der Vorteil: Es können auch andere Fahrer berechtigt werden. Die Bedienung entspricht dann der des herkömmlichen Schlüssels. Es ist im alltäglichen Gebrauch auch keine Online-Verbindung erforderlich.

      Was passiert, wenn ich das Smartphone verliere oder es mir gestohlen wird?
      Wir empfehlen dringend, das Handy gegen fremden Zugriff zu schützen – also z.B. über einen Code oder den Fingerabdruck. Sollte das Gerät verloren oder kaputt gehen, kann der Fahrzeughalter die Berechtigung für das Gerät zurücknehmen. Danach funktioniert das Smartphone nicht mehr als Autoschlüssel. Dass der Fahrzeughalter die Hoheit über diese
      Berechtigungen hat, ist eine unserer Hauptforderungen an den Umgang mit dem Virtuellen Fahrzeugschlüssel.

      Sie stellen noch weitere Anforderungen an die Gestaltung des Virtuellen Schlüssels. Warum interessiert sich eine Versicherung so dafür?
      Für uns sind die Autoschlüssel ein wichtiges Beweismittel, wenn das Auto gestohlen wird. Heute muss der Kunde der Versicherung den ganzen Schlüsselsatz einreichen. Dann wird untersucht, ob Schlüssel nachgemacht wurden. Auch mit dem Virtuellen Schlüssel müssen unsere Kunden nachweisen können, dass keine Berechtigungen mehr im Umlauf sind. Darum fordern wir, dass jeder Schlüssel individuell ist – also nicht einfach eine Kopie. Nur so können wir den Autodiebstahl an unsere Kunden schnell und unkompliziert regulieren oder einen möglichen Betrug erkennen.

      Für Privatpersonen ist der Virtuelle Schlüssel komfortabel. Wer profitiert noch davon?
      Der Virtuelle Schlüssel ist eine ganzheitliche und sichere Methode für Car-Sharing-Modelle. Über den Virtuellen Schlüssel kann künftig ganz einfach und vor allem sicher die Berechtigung an die Nutzer weitergegeben werden. Das gleiche gilt für Mietwagen. Außerdem sehe ich auch Vorteile für Flottenbesitzer - nicht nur für große Firmen mit vielen Fahrzeugen, sondern auch für den kleineren Pflegedienst, wo sich oft viele Mitarbeiter wenige Autos teilen. Die Schlüsselübergabe von heute entfällt, was den ganzen Vorgang erleichtert und für alle Beteiligten sehr bequem ist.