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      Biosphärenreservat Schwäbische Alb (Quelle: Andreas Reeg)

      Allianz Umweltstiftung 30. März 2015

      Biosphärengebiet Schwäbische Alb: Die Natur nachhaltig schützen

      Text: Markus Walter
      Foto: Andreas Reeg
      Mehr als nur "bio": Im UNESCO Biosphärengebiet Schwäbische Alb fördert die Allianz Umweltstiftung eine nachhaltige regionale Entwicklung.

      Es ist so etwas wie das Herz Schwabens. Beschaulicher geht es wahrscheinlich an nur ganz wenigen Orten zu. Gleich um die Ecke, in Metzingen, hat der Boss seine Lager. Der Daimler schweißt Sterne. Und die Allianz unterhält mit der Lebensversicherung ihren zweitgrößten Standort Deutschlands. Hier aber: Nichts als sanfte Hügel, überbordendes Grün, ein Bach schlängelt sich durch eine nebelverhangene Märchenkulisse. Eine Gegend, die selbst in der Gegend nur wenige wirklich kennen. Ein Alb-Traum.

      "Das ist hier keine Veranstaltung für Blümchenzähler", reißen Lutz Spandau und Peter Wilde den mit Gore Tex-Jacke und Wanderstiefeln ausgerüsteten Besucher des Biosphärengebiets Schwäbische Alb aus allzu romantischen Schwärmereien. Gemäß dem Motto der Allianz Umweltstiftung wollen deren Vorstand und Projektleiter vor allem "an-stiften". Dazu, über die Entwicklung unserer Landschaften nachzudenken – und sie auch kritisch zu hinterfragen.

      Das Biosphärenreservat - weit mehr als Umweltschutz im klassischen Sinn

      Umdenken – das ist der große Gedanke hinter dem Biosphären-Modell der UNESCO. Es geht dabei weniger um Naturschutz im klassischen Sinn als um das Zusammenspiel ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Faktoren. Die in der Region lebenden Menschen stehen im Mittelpunkt – denn sie sind es letztlich, die ihre Umgebung gestalten. Über 600 Biosphärenreservate gibt es weltweit, allein in Deutschland wurde 15 Gebieten dieser Status verliehen.

      Bereits 1990 hat die Allianz Umweltstiftung eine Patenschaft für das Biosphärenreservat Spreewald vor den Toren Berlins übernommen. Die Erfahrungen aus diesem Projekt kommen nun auch in Schwaben zum Tragen, eine Million Euro investiert die Stiftung hier. "Es gibt in Umweltfragen nie nur schwarz und weiß", erklärt Spandau, "wenn ich beispielsweise die Wiederansiedlung von Störchen unterstütze, bekomme ich Gegenwind von Aktivisten, die sich dem Schutz der Frösche verschrieben haben. Und umgekehrt".

      Landschaftsarchitektur mit Panzern

      Ambivalenzen springen auch im 2008 eingerichteten Biosphärengebiet Schwäbische Alb ins Auge: Unberührt, urtümlich wirkt die Natur auf dem über 70 Quadratkilometer großen ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen. Riesige Schafherden – insgesamt mehr als 30.000 Tiere – sind die einzigen Landschaftspfleger, hier hat kein Ackerbau stattgefunden, hier wurde nicht gedüngt. Gleichzeitig warnen weithin sichtbare Schilder am Rand der Wiesen und Wälder: Lebensgefahr! Inmitten all des satten Bewuchses liegen noch zahllose Blindgänger, Zeugen von mehr als hundert Jahren militärischer Nutzung.

      Noch so ein scheinbarer Widerspruch: Dass Panzer den Boden auf dem Gelände stark verdichtet haben, sieht Stiftungschef Spandau weniger als schweres Erbe denn als Chance. "Dadurch sind viele kleine Tümpel auf der sonst so wasserarmen Alb entstanden – zugunsten eines beeindruckenden Artenreichtums". Spandau liebt Dissonanzen dieser Art: "Das könnte doch ein Anstoß sein, über zivile Nutzungsmöglichkeiten für solch schweres Gerät nachzudenken."

      Lutz Spandau, Vorstand Allianz Umweltstiftung, vor Ort im Biosphärengebiet

      Foto: Andreas Reeg

      Lutz Spandau (Quelle: Andreas Reeg)

      Stadt, Land – alles im Fluss

      Das Gebiet beginnt gerade mal 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart. "Die Nähe zur Großstadt ist Fluch und Segen zugleich", erklärt Adrian Hoppenstedt, Professor für Landespflege an der TU Berlin und Kuratoriumsmitglied der Umweltstiftung, vor Ort. Einerseits sei die Region zu nah an der schwäbischen Metropole gelegen, um die Städter für länger als einen Wochenend-Trip zu locken.

      Andererseits seien die wohlhabenden Tagesausflügler aus dem Ländle ganz wild auf regional und nachhaltig erzeugte Produkte. "Lensa ond Spätzle" (Linsen und Spätzle), selbst gemachte Marmelade oder zu Hochprozentigem verarbeitetes Obst vom Bauern finden nicht nur an den Verkaufsstellen im Biosphärengebiet, sondern auch in manchem großstädtischen Feinkostladen reißenden Absatz. Das sichert die Existenz der kleinen Betriebe vor Ort, das hält im Idealfall auch jüngere Menschen von der Stadtflucht ab.

      Regional im Regal

      Dass es allerhöchste Zeit ist, die lokale Wirtschaft anzukurbeln und damit auch Arbeitsplätze zu schaffen, zeigt sich am Beispiel Münsingens: Bevor man das schicke, 2010 eröffnete Biosphären-Infozentrum erreicht, führt die Straße an einer ganzen Reihe leer stehender Wohn- und Geschäftshäuser vorbei. Mit dem Ende der Schießübungen und Panzermanöver im Jahr 2005 reduzierte sich der Ohropax-Verbrauch in der Bevölkerung drastisch. Gleichzeitig bedeutete es für viele Betriebe rund um die Kasernen das Aus – nicht nur für die Weinbergschnecken-Züchter, die mit den nach 1945 hier stationierten französischen Soldaten gute Geschäfte machten.

      Nun also Bio statt Bumm und Bäng? Die Rechnung könnte aufgehen. Etwa ein Viertel der Verbraucher in Deutschland kauft bevorzugt Öko-, Regional- und fair gehandelte Produkte, meldet die Gesellschaft für Konsumforschung GfK. "Geiz ist geil"? War gestern! In der Biobäckerei Scholderbeck in Weilheim / Teck gehen die Urkorn-Brotlaibe und Öko-Kuchenstücke in großen Mengen über die Theke. Über den Magen wird hier auch der Kopf angesprochen - und die Biosphären-Idee kommt zum Tragen: Wer über Lebens-Mittel nachdenkt, denkt auch über deren Erzeugung nach und damit letztlich über den Bezug der Menschen zu ihrer Umwelt.

      Reizvolle Landschaft im Biosphärenreservat Schwäbische Alb

      Foto: Andreas Reeg

      Biosphärenreservat Schwäbische Alb (Quelle: Andreas Reeg)

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