Suchen
    • Aktuell
    • Erlebt
    • Automatisierter Verkehr: Fahrer müssen weiterhin eingreifen können
      • Suchen
       (Quelle: istockphoto/Jason Doly)

      Verkehrssicherheit 12. Mai 2017

      Automatisierter Verkehr: Fahrer müssen weiterhin eingreifen können

      Text: Joachim Müller (Kommentar)
      Foto: istockphoto/Jason Doly
      Allianz Vorstand Joachim Müller kommentiert die rechtliche Gleichstellung von menschlichen Autofahrern und automatisierten Fahrsystemen.

      Der Bundesrat hat am 12. Mai 2017 dem Gesetz zum automatisierten Fahren zugestimmt. Es stellt menschliche Fahrer und Computer rechtlich gleich, hoch- oder vollautomatisierte Fahrsysteme dürfen künftig die Fahraufgabe selbstständig übernehmen. Der für die Schaden- und Unfallversicherung zuständige Allianz Deutschland Vorstand Joachim Müller kommentiert: 

      "Die Allianz begrüßt den Schritt des Gesetzgebers, mit dem neuen Gesetz zum automatisierten Fahren dem Fahrer einen größeren Freiraum beim Nutzen der technischen Möglichkeiten im Auto zuzugestehen. Wir sind davon überzeugt, dass hochautomatisierte Fahrfunktionen nur dann Sinn machen, wenn der Fahrer auch davon profitiert, also gewisse Freiheiten hat. Die Allianz hat hier großes Vertrauen in die Zuverlässigkeit der verbauten Systeme. Wir erwarten uns davon einen Anreiz für die Automobilhersteller zur Entwicklung und Einführung von sicherheitsfördernden Techniken, die die Sicherheit auf unseren Straßen nochmals deutlich erhöhen werden.

      Allianz Vorstand Joachim Müller: "Je nach technischem Fortschritt kann man in der Zukunft über eine weitere Entlastung des Fahrers von seinen Pflichten nachdenken. Bis dahin müssen sich die Fahrer keine Sorgen über die Haftung machen."

      Foto: Allianz Deutschland AG

      Allianz Vorstand Joachim Müller: "Je nach technischem Fortschritt kann man in der Zukunft über eine weitere Entlastung des Fahrers von seinen Pflichten nachdenken. Bis dahin müssen sich die Fahrer keine Sorgen über die Haftung machen." (Quelle: Allianz Deutschland AG)

      Aus Sicht der Allianz ist ein zentraler Punkt, dass ein potenziell Geschädigter vollumfänglich geschützt ist. Dies wird in dem nun verabschiedeten Gesetz erreicht. Das reformierte Straßenverkehrsgesetz schützt das Verkehrsopfer umfassend auch bei Unfällen im automatisierten Fahrmodus. Der Schutz des Verkehrsopfers basiert auf drei Säulen, nämlich der Halterhaftung aus der Betriebsgefahr des Fahrzeugs, der Haftung des Herstellers für Produktfehler und der beim Fahrer verbleibenden Verantwortung, wenn dieser erkennen kann, dass das System nicht ordnungsgemäß funktioniert.

      Mensch spielt weiterhin wichtige Rolle im Verkehr

      Wir sind aber auch der Auffassung, dass der Fahrer noch über einen längeren Zeitraum eine wichtige Rolle beim Führen des Fahrzeugs spielen wird und damit auch eine Mitverantwortung bestehen bleibt. Vor diesem Hintergrund teilen wir die Ansicht des Gesetzgebers, dass automatisierte Fahrsysteme übersteuerbar und deaktivierbar sein müssen. Das heißt, der Fahrer hat auch weiterhin die Pflicht, das Verhalten des Fahrzeugs zu überwachen, um gegebenenfalls eingreifen zu können. 

      Wir hätten uns grundsätzlich konkretere Vorgaben gewünscht. Die Allianz teilt hier aber die Ansicht des Gesetzgebers, dass es aufgrund der Vielzahl der möglichen Verkehrssituationen nicht möglich ist, konkrete Vorgaben zu machen, in welchem Zeitraum eine Rückübernahme des Fahrers erfolgen können muss. So macht es schon einen Unterschied, ob man den Stauassistenten auf der Autobahn nutzt oder im städtischen Bereich, wo auch Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer unterwegs sein können. Je nach technischem Fortschritt kann man künftig über eine weitere Entlastung des Fahrers von seinen Pflichten nachdenken. 

      Kraftfahrtversicherung schützt Fahrer

      Bis dahin sind die Fahrer aber über die Kraftfahrtversicherung finanziell geschützt und müssen sich keine Sorgen über die Haftung machen. Fehleinschätzungen hinsichtlich des Übernahmeerfordernisses sind sowohl in der Kfz-Haftpflichtversicherung als auch in der Kaskoversicherung mitversichert, das heißt, alle Beteiligten bekommen vom Kfz-Versicherer des Verursachers ihren Schaden vollständig ersetzt. Dies ist ja letztlich unser Kerngeschäft. Das eigentliche finanzielle Risiko tragen somit die Versicherer. Und wenn ein Unfall auf einem technischen Fehler beruht, werden wir die Hersteller in die Verantwortung nehmen.“