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       (Quelle: fotolia/william87)

      Engagement 18. Dezember 2015

      Allianz Stiftungen: Gehörgymnastik und Gartenbau

      Text: Markus Walter
      Foto: fotolia/william87
      Dr. Lutz Spandau (Allianz Umweltstiftung) und Michael M.Thoss (Kulturstiftung) sprechen über ein bewegtes Jahr, künftige Projekte – und die 12,5 Millionen Euro, die sie zum 125-jährigen Allianz Jubiläum erhalten haben.

      Die Büros von Dr. Lutz Spandau und Michael M. Thoss in der Berliner Allianz Repräsentanz am Brandenburger Tor liegen kaum zehn Meter voneinander entfernt. In den vergangenen Monaten sind die Vorstände von Allianz Umwelt- und Kulturstiftung auch auf der Arbeitsebene nah zusammengerückt: Das beherrschende Thema Flüchtlinge hat die Tätigkeit beider Stiftungen maßgeblich beeinflusst. So stark, dass das Großereignis, mit dem die Allianz ins Jahr 2015 gestartet war, fast in den Hintergrund gedrängt wurde. Aber nur fast.

      125 Jahre Allianz – das bedeutet auch 25 Jahre Umweltstiftung und 15 Jahre Kulturstiftung. Herzlichen Glückwunsch noch einmal zum Jubiläum!

      Spandau: Danke, wir haben ein wirklich tolles Jubiläumsjahr hinter uns. Neben einer Feier mit allen Wegbegleitern der Umweltstiftung konnten wir auch zum 125-jährigen Allianz Jubiläum bei den Employee Dialogues oder mit unserer Stadtbaum-Kampagne, die  in München, Berlin, Düsseldorf und Karlsruhe gestartet ist, Präsenz zeigen. Und über die Zuwendung in Höhe von 6,25 Millionen Euro haben wir uns natürlich sehr gefreut. (Anm. der Redaktion: Die Kulturstiftung hat dieselbe Summe erhalten – zusammengenommen also 12,5 Mio. Euro)

      Thoss: Dank der zweckgebundenen Spende der Allianz SE können wir jetzt eine Vielzahl von Jugend- und Integrationsprojekten verwirklichen, die gerade in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation nötiger sind denn je.

      Dr. Lutz Spandau (Allianz Umweltstiftung) und Michael M.Thoss (Allianz Kulturstiftung).

      Foto: Allianz Deutschland AG

      Dr. Lutz Spandau (Allianz Umweltstiftung) und Michael M.Thoss (Allianz Kulturstiftung). (Quelle: Allianz Deutschland AG)

      Sie meinen die Flüchtlingsprojekte, die Ihre beiden Stiftungen in den vergangenen Monaten angestoßen haben.


      Spandau: Genau, wir haben – das darf ich mit gewissem Stolz sagen – bereits sehr früh überlegt, wie wir mit unseren Stiftungsschwerpunkten auf die aktuelle Situation reagieren können. 

      Zwei bereits realisierte Beispiele: Im Projekt „Migranten in der Natur“ setzen wir Geflüchtete mit gärtnerischen Fähigkeiten im Biosphärengebiet auf der Schwäbischen Alb ein. In Eberswalde  arbeiten Einwanderer gemeinsam mit der Stiftung „WaldWelten“ sowie der örtlichen IHK und dem Jobcenter im Forst – und  werden damit an die heimische Kultur uns das Handwerk herangeführt.


      Thoss: Bei Integration- und Flüchtlingsprojekten ergänzen sich die Projekte beider Stiftungen auf schöne Weise. Allein bei unserer Aktion Kulturallianzen (AKA) haben wir in diesem Jahr mit Vertretern -und erstmalig auch Mitarbeitern der Allianz Deutschland -  119 Projekte verwirklichen können. 

      Mehr als zwanzig Projekte wurden dabei mit Geflüchteten realisiert. So haben junge Deutsche und Migranten gemeinsam einen Volkslauf im bayrischen Hallbergmoos organisiert, in Stuttgart wurde mit der Band ‚Wüstenblume‘ eine CD produziert, und in Berlin haben Flüchtlingskinder ihre Umgebung mit Kameras erkundet und daraus eine berührende Wanderausstellung für Schulen hergestellt.  

      Dabei kommt es uns darauf an, dass diese Projekte mit deutschen Nachbarn, Kollegen und Mitschülern gemeinsam erarbeitet werden und Flüchtlinge nicht unter sich bleiben. So wollen wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.

      Wüstenblume: In der Stuttgarter Band machen deutsche Jugendliche und Migranten gemeinsam Musik.

      Foto: Allianz Deutschland AG

      Wüstenblume: In der Stuttgarter Band machen deutsche Jugendliche und Migranten gemeinsam Musik. (Quelle: Allianz Deutschland AG)


      Hat denn dieser vorher kaum absehbare Schwerpunkt ihre eigentliche Jahresplanung stark durcheinandergebracht? 


      Spandau: Klar, wir mussten einiges anders gewichten. Aber: Wenn nicht wir als Stiftungen auf solche aktuellen Ereignisse reagieren, wer dann? Wir haben unseren Job richtig gut gemacht, wenn wir Vorbild-Projekte initiieren, die andere nachahmen. Wenn der Wind unsere Saat weiter trägt.

      Aktuelle Ereignisse dürfen allerdings die langfristige Ausrichtung der Stiftungen nicht aushebeln. Wenn wir gegenwärtig stark in Flüchtlingsprojekten engagiert sind, bedeutet das nicht, dass wir zum Beispiel die Weltklimakonferenz in Paris aus dem Blick verlieren. 


      Thoss: Die Allianz Kulturstiftung  fördert gemäß ihren Statuten auch viele Projekte im europäischen Ausland. Unser Ziel ist es, die Integration Europas und den Zusammenhalt der Zivilgesellschaft zu verstärken. Dass zu unserer Diskussionsrunde mit Martin Schulz  „Last Exit Germany – Welche Einwanderungspolitik braucht Europa?“- kürzlich in 700 zahlende Zuschauer in die Münchner Kammerspiele  kamen, zeigt, dass in der Bevölkerung großes Interesse für diese drängenden Themen herrscht.

      Wenn ich in den Nachrichten sehe, wie im polnischen Parlament die Europaflagge abgehängt wird, bedrückt mich das – und wir überlegen, wie wir mit da unseren Mitteln gegensteuern können. Das versuchen wir beispielsweise mit unserer Veranstaltungsreihe „Debate on Europe“, mit der wir zuletzt in Budapest, Bukarest und Warschau gastierten, um dort wichtige europäische Themen zur Diskussion zu stellen. 

      Können Sie schon etwas über die Vorhaben Ihrer Stiftungen für 2016 erzählen?

      Thoss: Ich freue mich sehr auf die Konzerte des Münchner Bach-Chors zusammen mit Allianz Mitarbeitern und Geflüchteten, die wir früh im nächsten Jahr unterstützen werden. 

      In Berlin laden wir schon seit einiger Zeit regelmäßig Schriftsteller aus den Herkunftsländern vieler Flüchtlinge und Migranten ein, in multikulturellen Schulklassen vorzulesen –und zwar in ihrer Muttersprache und auf Deutsch. Alle Schüler begegnen sich so kulturell auf gleicher Augenhöhe  und für die deutschen Mitschülern  ist das zugleich eine faszinierende Hörgymnastik.  Dieses Modell wollen wir in 2016 auch in andere Bundesländern  vermitteln.

      Spandau: Wir wollen das eingangs erwähnte Modell aus Eberswalde auf die Städte übertragen: Mit Projektpartnern  wie Stadtgartenämtern, Stadtbauämtern oder Imkern sollen Orte entstehen, an den Geflüchtete Gärten einrichten. Dort finden dann – so unsere Idee - auch Sprachkurse statt und die Besucher können sich über Deutschland als Heimatland austauschen. 

      Aber auch der laufende Betrieb, etwa unser jährlich verliehener Klimapreis für Schulen oder der Deutsche Nachhaltigkeitspreis, darf nicht zu kurz kommen.

      "Urban Gardening" verbindet: Wo gewerkelt wird, wird auch gesprochen, gelernt, Gemeinsames entdeckt.

      Foto: fotolia/marino

      "Urban Gardening" verbindet: Wo gewerkelt wird, wird auch gesprochen, gelernt, Gemeinsames entdeckt. (Quelle: fotolia/marino)

      Viele spannenden Themen – kommt es da auch manchmal zu einer Konkurrenz zwischen ihren beiden Stiftungen?

      Spandau: Aber nein, wir sind vollkommen unabhängig voneinander. Übrigens werden sämtliche Entscheidungen –  von unseren Stiftungsgremien getroffen Und die Gremien befördern unsere Kooperation.

      Thoss:  Das Tolle ist doch: Zwei Stiftungen, die sich in ihrer Arbeit ergänzen, können mehr als doppelt so viel bewirken  als nur eine!