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      Christian Dinauer ist einer der wichtigsten Gärtner des Landes. Er pflegt das Spielfeld in der Allianz Arena. (Quelle: Dirk Bruniecki)

      3. April 2017

      »Rasenpflege ist doch so einfach«

      Text: Niclas Müller und Mario Vigl
      Foto: Dirk Bruniecki
      Christian Dinauer ist einer der wichtigsten Gärtner des Landes. Er pflegt das Spielfeld in der Allianz Arena. Ein Fachgespräch.

      Herr Dinauer, was bedeutet der Rasen der Allianz Arena für Sie?
      Schwer zu beschreiben. Wenn ich den Rasen einen Tag nicht sehe, fehlt mir was.

      Ist es wahre Liebe?
      Nein. Liebe ist das nicht, aber ... 

      ... aber er gehört zu Ihnen?
      Ja, ganz sicher! Ich wohne 120 Kilometer entfernt und komme eigentlich täglich. Wenn ich aber mal einen Tag nicht da bin, sagt meine Frau: "Du bist so unruhig, fahr in die Arena!"

      Und? Hilft es?
      Voll! Danach komme ich heim und bin wieder entspannter.

      Wann finden Sie den Rasen am schönsten?
      In der Früh, wenn Tau auf ihm liegt.

      „Wenn ich mich auf einen Rasenmäher setze, schalte ich komplett ab."
      Mähen Sie das Spielfeld gern?
      Das ist ungemein entspannend, wirklich. Wenn ich mich auf den Rasenmäher setze, schalte ich komplett ab. Ich mähe zweimal in der Woche, mindestens.

      Keiner ist so oft auf dem Rasen wie Sie. Wo sind Sie während der Spiele? Ich stehe immer in meiner Ecke. Ich will sehen, wie der Ball rollt – langsam oder schnell. Alle Trainer wollen einen schnellen Rasen haben.

      Wie machen Sie ihn denn schnell?
      Je kürzer der Grashalm, desto schneller der Ball. Die normale Länge liegt zwischen 24 und 30 Millimeter. Somit mähe ich etwas unter 24 Millimeter.

      Gilt die Formel: Je kürzer, desto schwerer zu pflegen?
      Ja, weil dem Gras irgendwann die Biomasse fehlt. Die Fotosynthese lässt nach, und man holt sich alle möglichen Krankheiten, zum Beispiel Schneeschimmel – der macht solche runden Flecken.

      Mit diesem Gerät wird Rollrasen verlegt. An der Seite, kaum zu erkennen, ein Aufkleber von Borussia Mönchengladbach.

      Foto: Dirk Bruniecki

      Mit diesem Gerät wird Rollrasen verlegt. An der Seite, kaum zu erkennen, ein Aufkleber von Borussia Mönchengladbach. (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Welche Rolle spielen die Jahreszeiten bei der Rasenpflege? Wächst der Rasen im Winter langsamer?
      Mit unserer Rasenbeleuchtung haben wir auch im Winter Wachstum, generell wächst der Rasen aber im Frühjahr und im Herbst am besten. Diese Jahreszeiten sind optimal für das Rasenwachstum.

      Warum das?
      Im Sommer, wenn die Sonne und die Hitze förmlich im Stadion stehen, ist das alles schwieriger, da lässt sich das Klima auf dem Rasen nicht kontrollieren, da haben wir bei einer Hitzeperiode auf der Rasenfläche einen richtigen Hitzestau.

      Seit wann arbeiten Sie mit künstlicher Beleuchtung?
      Seit 2009. Davor wurde diese Technik, die zusammen mit den Holländern entwickelt worden ist, schon in englischen Stadien eingesetzt.

      Was sind das für Lampen, die dieses gold-gelbe Licht ausstrahlen? Natriumdampflampen. Aktuell testen wir mit dem Hersteller LED-Lichter, die mit speziellen Lichtwellen den Rasen beleuchten. Die Ergebnisse auf den einzelnen Parzellen werden fast schon wissenschaftlich ausgewertet. Der Vorteil der LED-Technik ist natürlich der geringere Energieverbrauch.

      „Neulich lief Boateng ein, hat mir die Hand geschüttelt und gesagt: Super Arbeit! Und der Müller ärgert mich gern."
      Die Linien, wie machen Sie die?
      Da haben wir gerade ein Lasergerät bekommen. An der einen Eckfahne steht ein Laser, an der anderen ein Spiegel. Da kann man mit dem Kreidewagen Schlangenlinien fahren – der Laser hält die Spur. Unglaublich, wie gerade die Linie wird. Schieben muss man aber noch selbst.

      Bekommen Sie manchmal Lob von den Spielern?
      Neulich lief Boateng ein, hat mir auf dem Spielfeld die Hand geschüttelt und gesagt: super Arbeit! So was ist schön. Lahm hat das auch schon öfters gemacht. Und der Müller ärgert mich gern: "Du könntest ruhig mal abnehmen", sagt der, "dann belastest du den Rasen nicht so."

      Christian Dinauer ist einer der wichtigsten Gärtner des Landes. Er pflegt das Spielfeld in der Allianz Arena.

      Foto: Dirk Bruniecki

      Christian Dinauer ist einer der wichtigsten Gärtner des Landes. Er pflegt das Spielfeld in der Allianz Arena. (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Fragen Sie auch mal nach?
      Ich bekomme meist nach dem Spiel Feedback von der Teambetreuerin, eine Rückmeldung ist hier immer wichtig.

      Fahren Sie manchmal zu Auswärtsspielen?
      Ja, wir Greenkeeper tauschen uns fachlich immer gerne aus, da ziehen wir alle an einem Strang.

      Wie entstehen die Querstreifen auf dem Spielfeld?
      Das Mähen drückt die Halme hinunter. Fahre ich hin, ist der Rasen hell. Fahre ich zurück, erscheint er dunkel. Das liegt am Lichteinfall und Schattenwurf.

      „Wir Greenkeeper tauschen uns fachlich aus."

      Was ist schwieriger – Schachbrettmuster oder Streifen?
      Für ein Schachbrett muss man jeden Tag mähen. Aber vom Mähbild her ist das nicht das, was wir wollen.

      Wie stopfen Sie eine richtig schlimme Furche?
      Da wird eine neue Rasenplatte gesetzt, die ist 40 auf 40 Zentimeter groß. Neue Platte aus- schneiden, alten Rasen raus, neuen Rasen rein, zack, fertig.

      Wie viele Platten haben Sie auf Lager?
      1000 Quadratmeter, auf einer Freifläche in Stadionnähe.

      Und wie viele brauchen Sie nach einem Spiel im Schnitt?
      Vielleicht 20.

      Woran erkennen Sie, was dem Rasen fehlt?
      An der Optik. Fünf Minuten reichen. Ich gehe einmal quer über den Platz und dann weiß ich es. Ich kenne die Stellen, die kritisch sind.

      Und welche Spielpositionen sind kritisch?
      Die Mittelachse.

      Als Platzwart raten Sie zum Flügelspiel?
      Ja, über außen zu spielen, ist aus Sicht des Greenkeepers immer gut.

      Waren Sie auch schon mal in England?
      Bestimmt schon zehn-, 15-mal. Immer bei Arsenal. Die haben den besten Rasen.

      Weil zu wenig Sonnenlicht in die Arena fällt, müssen Pflanzlampen das Rasenwachstum fördern. Wenn’s sein muss, laufen sie rund um die Uhr.

      Foto: Dirk Bruniecki

      Weil zu wenig Sonnenlicht in die Arena fällt, müssen Pflanzlampen das Rasenwachstum fördern. Wenn’s sein muss, laufen sie rund um die Uhr. (Quelle: Dirk Bruniecki)

      Warum ist der in London so gut?
      Bei ihnen kommt mehr Sonne ins Stadion.

      Sagten Sie nicht eben gerade, zu viel Sonne wäre schlecht?
      In unserem Fall. Das Stadion von Arsenal hat aber eine ganz andere Architektur und ist auch wesentlich kleiner. Bei uns sind die Ränge sehr steil und der Innenraum ist sehr kompakt. Das ist nicht immer das Beste für den Rasen.

      Wie sieht eigentlich Ihr Rasen zu Hause im Garten aus?
      Ein Sportplatzrasen ist zu stachelig, wenn man barfuß geht. Zu Hause habe ich eine Sorte angesät, die weich wie Watte ist. Poa supina heißt die, ein Schattenrasen.

      Sie empfehlen also keinen Rollrasen?
      Nein, Rollrasen ist teuer und sehr pflegeintensiv. In meinem Garten muss der Rasen pflegeleicht sein und soll auch nicht zu viel Arbeit machen.

      Haben Sie einen Geheimtipp für Hobbygärtner, was die Rasenpflege angeht?
      Naturrasen ist doch so einfach! Weizen, Raps oder Gerste sind tausendmal komplizierter als ein Rasen. Wasser, Lu , Langzeitdünger – mehr braucht es nicht.

      Die Rasentechnik der Allianz Arena

      OBERFLÄCHE
      Das Gras wächst in einer 38 mm starken Dicksode. Für die 8000 qm Spielfeld sind 400 Rollen zu je 120 cm x 15 m nötig. Gewicht pro Rolle: 1000 kg.

      UNTERBAU
      Die obere Rasentragschicht ist 9 cm dick und besteht aus einer abgestimmten Mischung aus Mutterboden, Sand und Torf.

      RASENHEIZUNG
      Die untere Rasentragschicht ist 13 cm dick. In dieser Schicht liegen die Schläuche der Rasenheizung. Durchmesser 32 mm, mit einer Gesamtlänge von 27 km. Die Tem­ peratur lässt sich von 35 bis 50 oC regeln.

      DRÄNAGE
      Darüber liegt die Dränschicht. Sie ist 10 cm dick und besteht aus Sand. In ihr ver­ laufen längs zum Spielfeld 14 Dränagerohre.

      UNTERGRUND
      Für eine ebene Spiel äche liegt eine 30 bis 70 cm dicke Schicht aus Frostschutzkies in der Arena.


      Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 2/2017 des Allianz Deutschland Kundenmagazins "1890" zum Schwerpunktthema "Bunte Welt der Wiese". Alle bisherigen "1890"-Ausgaben finden Sie in der Mediathek zum Download.

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