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      Zuwanderung durch Flüchtlinge bietet eine Chance, die Überalterung der Gesellschaft zu bremsen. (Quelle: Fotolia/ Lydia Geissler)

      Berliner Demografie Forum 2016 25. Februar 2016

      "Die Integration von Flüchtlingen ist unsere Chance, die Überalterung zu bremsen"

      Text: Allianz Deutschland
      Foto: Fotolia/ Lydia Geissler
      Die Integration von Flüchtlingen zählt zu den Schwerpunktthemen beim Berliner Demografie-Forum (BDF). Im Interview spricht Dr. Volker Deville, BDF-Organisator und Leiter Zukunftsthemen der Allianz Deutschland, über Chancen und Herausforderungen.

      Die Aufnahme von geflüchteten Menschen ist eine humanitäre Aufgabe. Ist ihre Integration auch eine Chance für unser Land?

      Ja, ganz sicher. Langfristig hat Deutschland drei handfeste Vorteile, wenn wir die Flüchtlinge gut bei uns integrieren: Erstens sind es überwiegend junge Menschen, die zu uns kommen. Damit wird die Überalterung unserer Bevölkerung zwar nicht aufgehalten, aber doch deutlich abgeschwächt. Zweitens erhöhen die neuen Mitbürger die wirtschaftliche Nachfrage und so unser Wirtschaftswachstum. Und schließlich stärkt die Einwanderung die Vielfalt und Agilität in unserer Gesellschaft. Dies ist ein zwar schwer messbarer, aber nicht zu unterschätzender Vorteil für unsere langfristige Innovationskraft und Stellung auf den Weltmärkten.

      Bis dahin ist es aber ein weiter Weg…

      Ja. Am Anfang müssen wir für das Dringendste sorgen: Nahrung, Kleidung, Unterkunft und medizinische Betreuung. Hilfsorganisationen und Kommunen haben wirklich viel geleistet. Auch hunderte Allianz Kollegen helfen ehrenamtlich an all unseren Standorten. So haben sie deutschlandweit bereits mehr als 1.500 Kartons, Säcke und Koffer mit dringend benötigten Sachspenden zusammengetragen und verteilt.

      Dr. Volker Deville leitet den Fachbereich Zukunftsthemen der Allianz Deutschland AG.

      Foto: Allianz

      Dr. Volker Deville leitet den Fachbereich Zukunftsthemen der Allianz Deutschland AG. (Quelle: Allianz )



      Wie kann die Integration der Menschen gelingen?

      Die wichtigste Voraussetzung für Integration ist eine gemeinsame Sprache. Die Deutschkurse sollten daher so früh und so flächendeckend wie möglich beginnen. Hier haben sich bereits viele Bürgerinnen und Bürger auf vorbildliche Weise ehrenamtlich engagiert. Auch viele Allianz Mitarbeiter unterstützen Flüchtlinge als Lernhelfer. Sie beantworten Fragen, üben, coachen und motivieren beim Deutschlernen. Ein derartiges Engagement brauchen wir auch künftig.

      Wie wichtig ist Arbeit für die Integration?

      Das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Nirgends erlebt man so schnell unseren Alltag und unsere Werte wie bei der Arbeit. Die Wirtschaft sollte jetzt viele, auf wenige Wochen begrenzte Hospitationen ermöglichen. Dabei geht es nicht um billige Arbeitskräfte, sondern um Lernen und Integration.

      Wie kann das konkret aussehen?

      In der Allianz Deutschland haben wir erste Schnuppertage, sogenannte Practice Days, durchgeführt. Zusammen mit dem Jobcenter München und Asyl-Hilfsorganisationen haben wir Flüchtlinge zum gegenseitigen Kennenlernen eingeladen. Die Teilnehmer hospitierten einen halben Tag in einem ihrem Profil entsprechenden Fachbereich, zum Beispiel in der IT oder Gastronomie. Im Anschluss entschieden die Allianz und die Teilnehmer, ob sie sich eine Beschäftigung vorstellen können. Insgesamt 18 Teilnehmern konnte so bisher ein Praktikum angeboten werden.

      Sind die Flüchtlinge gut genug ausgebildet, um einen Arbeitsplatz in Deutschland zu bekommen?

      Manche Menschen bringen viel Know-how mit und sind sofort ein Gewinn für den Arbeitsmarkt und damit für unsere Gesellschaft. Andere haben mitunter sogar bei Grundfertigkeiten Probleme. In diese Menschen müssen wir Bildung investieren. Der Weg zu einem längerfristiger Ausbildungs-, Studien- oder Arbeitsplatz ist nicht leicht, aber essentiell.

      Ist die Integration mit einem Arbeitsplatz abgeschlossen?

      Nein, das gemeinsame Leben mit Deutschen ist unerlässlich. Erst wenn Flüchtlinge unsere Grundwerte teilen, wenn sie in Sportvereinen integriert und wenn sie einfach in der Nachbarschaft zu Hause sind, dann sind sie Mitbürger geworden, die zu uns gehören.