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Michael Bruch, Risikoexperte des Allianz Zentrums für Technik (AZT), berichtet im Interview über Chancen und Risiken der neuen Nanotechnologien
Allianz Global Corporate & Specialty
München19.10.2009

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Michael Bruch, Risikoexperte des Allianz Zentrums für Technik

Herr Bruch, Sie haben die Allianz kürzlich auf einer der führenden Konferenzen im Bereich Nanotechnologie vertreten. Wie weit ist die Forschung wirklich? Bereits vor einigen Jahren gab es einen Hype, aber in letzter Zeit ist es eher ruhig geworden um das Thema.
Michael Bruch: "Das liegt sicherlich daran, dass die Nanotechnologie als Querschnittstechnologie sehr breit aufgestellt ist. Prognosen für den Weltmarkt der Nanotechnologie reichen von 310 Milliarden bis 4.000 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015. Es ist ruhig geworden, da es viel Forschungsaufwand erfordert, bestimmte Nanopartikel für gezielte Anwendungen im industriellen Maßstab herzustellen. Dieser ist weitaus größer, als man ursprünglich geglaubt hat. Bisher wurden die erhofften revolutionären Technologiesprünge noch nicht realisiert."
In welchen Industrien wird die Nanotechnologie denn bereits eingesetzt? Bekannt ist beispielsweise, dass in Lithium-Ionen-Akkus der modernen Laptops Kohlenstoff-Nanoröhren eingesetzt werden.
Michael Bruch: "Dies ist bei Weitem nicht der einzige Bereich, in dem Nanotechnologie zum Einsatz kommt. In der Medizin hilft sie, Tumorzellen abzutöten, im Automobilbereich sorgt sie für kratzfeste Lacke, aber auch als UV-Schutz in der Kosmetikindustrie oder für selbstreinigende Textilien."
Die Nanoelektronik in Deutschland wird jährlich mit mehreren 100 Millionen Euro gefördert. Setzt die Politik hier am richtigen Hebel an?
Michael Bruch: "Öffentliche Förderinvestitionen steigen und belaufen sich auf circa vier Milliarden US-Dollar weltweit jährlich. Die USA, Japan und die EU sind führend, aber Märkte wie Russland und Südostasien ziehen nach. Die Forschungsgelder für effizientere Energietechniken sind gut investiert. Für 2012 ist ein Nanoenergietechnikzentrum in Deutschland geplant, das die Forschung in der Nanotechnologie und Energietechnik kombiniert."
Kleines ganz groß: Die Nanotechnologie findet in unterschiedlichsten Bereichen Anwendung.
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Wie bewerten Sie den politischen Rahmen? Gibt es bereits eine klare Regelung zum Einsatz von Nanotechnologie? Erfolgt bereits eine Gesetzgebung auf EU- oder nationaler Ebene?
Michael Bruch: "Auf Gesetzesebene findet ein Wandel statt. Bisher gab es keine nanospezifischen Änderungen oder Ergänzungen der Gesetze. Die neue EU-Kosmetikverordnung fordert, dass ab 2012 bestimmte Nanopartikel in Kosmetika Sicherheitstests unterzogen werden müssen. Ähnliche Tendenzen erwarten wir im Lebensmittelbereich."
Was macht die Allianz, um bei dem Thema auf dem Laufenden zu bleiben und die Risiken angemessen bewerten zu können?
Michael Bruch: "Wir haben zusammen mit unseren Kollegen aus dem Haftpflichtbereich und einem externen IT-Spezialisten ein internetbasiertes Frühwarnsystem aufgebaut. Hier sammeln, analysieren und bewerten wir Beiträge zur Nanotechnologie, die weltweit veröffentlicht und diskutiert werden. So informieren wir unsere Kollegen aus dem Risk Consulting und Underwriting regelmäßig."
Und wie steht es um die Kunden der Allianz?
Michael Bruch: "Wir unterstützen und beraten unsere Kunden - also zum Betriebe in der produzierenden oder weiterverarbeitenden Branche - gerne, wenn sie Fragen zum sicheren Umgang oder zur Weiterverarbeitung von Nanomaterialien haben. Bei der Risikobewertung sind nanobasierte Grundstoffe oft nur ein kleiner Ausschnitt aus dem gesamten Produktportfolio. Eine Risikobewertung setzt daher im Risiko- und Sicherheitsmanagement des Unternehmens an."
Wie steht die Allianz zu einem Ausschluss im Bereich der Nanotechnologie?
Michael Bruch: "Zurzeit gibt es keinen Anlass, bestimmte Bereiche der Nanotechnologie aus Versicherungen auszuschließen. Dies kann immer nur das letzte Mittel eines Versicherers sein, um die Öffentlichkeit, seine Kunden und sich vor untragbaren Risiken zu schützen."
Wie stehen Sie zu einer Kennzeichnungspflicht für Produkte, die Nanomaterialien beinhalten?
Michael Bruch: "Sie erhöht die Transparenz. Käufer können sich bewusst für oder gegen ein bestimmtes Produkt entscheiden. Bereits heute sieht der informierte Verbraucher an den Inhaltstoffen Zinkoxid oder Titanoxid in der Sonnencreme, dass es sich um Nanopartikel handelt. Aber in Zukunft muss hinter den Stoffen in Klammern 'Nano' stehen. Eine Kennzeichnung ist nur sinnvoll, wenn positive Eigenschaften (etwa Blauer Engel für emissionsarme Produkte, Stiftung-Warentest-Siegel) ausgezeichnet werden oder ein Warnhinweis ausgesprochen wird (beispielsweise Gefahrstoffsymbole). In jedem Fall muss parallel zur Kennzeichnung ein Risikodialog geführt werden, den wir als Versicherer begrüßen."
Wie sieht die Zukunft der Nanotechnologie aus?
Michael Bruch: "Keine Technologie ist ohne Risiken und wir können diese nie hundertprozentig bewerten. Es kommt darauf an, die Gefahren über den gesamten Produktlebenszyklus eines Nanoprodukts von der Herstellung über den Gebrauch bis hin zur Entsorgung besser zu verstehen, zu bewerten und Risikotransferlösungen zu schaffen. Ergebnisse aus Forschungsprojekten, wie Nano- Care, sind immens wichtig. In zehn Jahren werden wir das Wort 'Nanotechnologie' nicht mehr oft hören. Sie wird uns dann in fast jedem Produkt in irgendeiner Form begegnen. Wenn Nanopartikel in fester Matrix gebunden sind, sind sie meist unbedenklich. Es gilt, die Restrisiken einzuschätzen, das Nutzen-Risikoprofil offen zu diskutieren und zu bewerten. Dies schafft Vertrauen - und das ist die Basis für die Akzeptanz einer Technologie."
 
 
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Kontakt für Presse
Richard Manson
Allianz Global Corporate & Specialty
Telefon 089.3800-5509
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