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Ein Gespräch mit dem Pflegeversicherungs-Spezialisten der Allianz über allzu menschliche Verdrängungsstrategien, die Bedeutung von professionellen Pflegediensten und das Problem der lückenhaften Vorsorge.
Allianz Deutschland AG
München09.05.2008

Illustratives Bild

Harry Jentson: Gesetzliche Pflegeversicherung bietet keinen Vollkasko-Schutz

Im Jahr 2020 werden voraussichtlich knapp sechs Millionen Menschen mit einem Alter von über 80 Jahren in Deutschland leben. Für das Jahr 2050 sind zehn Millionen prognostiziert. Der wachsende Anteil alter Menschen an der Bevölkerung bedeutet auch, dass die Zahl derjenigen stark zunimmt, die auf Pflegeleistungen angewiesen sind. Alarmierend ist, dass nur 43 Prozent der Deutschen für den Fall einer Pflegebedürftigkeit finanzielle Reserven anlegen, wie eine Studie der Allianz im vergangenen Winter ergab (siehe auch Link unten bei "Mehr Informationen zum Thema").
allianzdeutschland.de sprach vor dem Hintergrund des "Tags der Pflege" am 12. Mai mit Harry Jentson, Referatsleiter Pflegeversicherung bei der Allianz Privaten Krankenversicherung.
Herr Jentson, obwohl das Thema Pflege in Politik und Medien stark diskutiert wird, scheint es in den Köpfen der Deutschen keine Rolle zu spielen. Nur knapp die Hälfte der Bevölkerung sorgt für den Pflegefall vor.
Ja, das ist leider richtig. Die meisten schieben das Thema Pflege gedanklich weit von sich. Das gilt natürlich ganz besonders für junge Menschen. Nach dem Motto "Das trifft mich jetzt noch nicht, das ist noch so weit weg". Das ist wohl einfach menschlich. Die Vorstellung, selbst gebrechlich, vielleicht sogar bettlägerig zu werden und gepflegt werden zu müssen, ist so unangenehm, dass man sich nicht näher damit befassen möchte. Nur logisch, dass dann auch nicht vorgesorgt wird.

Vielleicht gehen viele Menschen auch einfach davon aus, dass sie von Angehörigen, also ihrem Lebenspartner oder ihren Kindern, gepflegt würden?
Sicher auch ein Grund für die fehlende Vorsorge. Allerdings etwas naiv gedacht. Schließlich sind die Lebensformen in unserer Gesellschaft heute dafür meist gar nicht mehr geeignet. Die Menschen sind mobiler geworden, ziehen häufig um, Männer wie Frauen sind beruflich stark eingespannt. Viele Menschen leben als Single allein und oft weit weg von ihren Familien. Wer lebt heute schon noch im Großfamilienverband?

In den meisten Fällen ist familiäre Pflege also gar nicht umsetzbar?
Rein organisatorisch ist das auf jeden Fall meistens sehr schwierig. Hinzu kommt: Wer einen Angehörigen ohne Unterstützung von professionellen Diensten pflegt, muss viel leisten. Er muss Tag und Nacht "dienstbereit" sein, eventuell auf Urlaub verzichten und es auch psychisch ertragen können, dass es einem geliebtem Menschen sehr schlecht geht. Die körperliche und seelische Belastung für den Pflegenden ist enorm.

Aber professionelle Pflege ist teuer.
Natürlich, Pflege kostet viel Geld. Eine Pflegeheimplatz, der ja auch die Unterbringung und Verpflegung beinhaltet, kostet in Deutschland im Schnitt 3200 Euro. Auch mehr – je nachdem, wie intensiv der Betroffene betreut werden muss. Die Pflegeversicherung übernimmt nur die Kosten für die reinen Pflegeleistungen, in der Pflegestufe 3 etwa trägt sie maximal 1470 Euro.
Die Differenz muss der Pflegebedürftige selbst aufbringen, aus seiner Rente oder aus Ersparnissen. Wenn er das nicht kann, können nahe Angehörige wie Kinder oder Eltern zur Kasse gebeten werden. Das wissen viele Menschen in Deutschland nicht.

Warum zahlt die Pflegeversicherung nicht mehr?
Als Vollkasko-Absicherung war die Pflegeversicherung nie gedacht. Der Staat kommt mit der Pflegeversicherung, die er als Pflichtversicherung eingeführt hat, seinen Aufgaben im Prinzip nach: Er stellt eine Basisversorgung sicher. Alles Notwendige wird darüber finanziert. Mehr aber auch nicht. Die Beiträge für die Pflegeversicherung wären nicht zu bezahlen, wenn sie für die vollen Pflegekosten aufkommen würde. Erst recht nicht angesichts der demographischen Entwicklung und der steigenden Kosten durch den medizinischen Fortschritt.
Schon heute beziehen mehr als 2 Millionen Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Im Jahr 2030 werden es mindestens doppelt so viele sein – bei wesentlich weniger Einzahlern als heute. Mehr Leistungen aus der Pflegeversicherung wird es also nie geben. Eher wird der Betrag, den Betroffenen und ihre Angehörigen aus eigener Tasche zahlen müssen, größer werden.

Welche Vorsorge sollte man treffen?
Zuallererst ist es wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass hochwertige und würdevolle Pflege für einen Angehörigen ihren Preis hat und dass man diesen Preis zum großen Teil selbst zahlen muss. Wenn man dafür vorsorgen möchte, kommt man um eine zusätzliche private Absicherung nicht herum.
Es bietet sich zum Beispiel an, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen, die in Abhängigkeit von der Pflegestufe und Art der Pflege – ambulant oder stationär – Tagessätze in einer vereinbarten Höhe bezahlt. Damit kann die Lücke zwischen der gesetzlichen Absicherung und den tatsächlichen Kosten abgedeckt werden.

Wann sollte man mit der Vorsorge am besten anfangen? Und können eigentlich auch ältere Menschen noch eine Pflegezusatzversicherung abschließen?
Grundsätzlich kann man eine Pflegezusatzversicherung auch im Alter von 50 oder 60 Jahren noch abschließen – empfehlenswert ist das aber nicht. Sinnvoll ist es vielmehr, in jungen Jahren mit der Vorsorge anzufangen. Das hat vor allem zwei Gründe: Zum einen weiß man nicht, ob und wann der Pflegefall eintritt. Zwar steigt das Risiko sicherlich mit zunehmenden Alter. Aber auch ein Vierzigjähriger ist vor einem Schlaganfall nicht gefeit.
Zum anderen – und das ist sicher das Hauptargument für frühe Vorsorge – fallen die Prämien für Jüngere deutlich geringer aus und die Aufnahme in eine Pflegezusatzversicherung ist einfacher als später, wenn schon die eine oder andere gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden ist.
 
 
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Kontakt für Presse
Katrin Schaller
Allianz Deutschland AG
Telefon 089.3800-12946
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